40 Gegentore als Warnung: Bayern verstärkt die Defensive
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.07.2011 - 14:49München/Düsseldorf (RP). Natürlich hat Jerome Boateng eine eigene Seite im Internet. Und selbstverständlich beherrscht er dort die lauten Töne, die im Fußballgeschäft so gern angeschlagen werden. "Der Mann, der auszog, Großes zu leisten", wird auf einem Foto gefeiert, das wie ein Filmplakat aussieht. Tatsächlich schafft es der Nationalspieler nun zum deutschen Rekordmeister Bayern München. 13,5 Millionen Euro zahlt der Klub dem Vernehmen nach für die Verstärkung seiner Abwehr an Manchester City. 20 Millionen Euro hatten die Briten erlösen wollen.
Weil die Bayern ein moderner Verein sind, kennen sich ihre Hauptdarsteller mindestens so gut im zeitgenössischen Branchen-Vokabular aus wie ihr neuer Verteidiger. "Er ist der Wunschspieler von Trainer Jupp Heynckes", sagt Sportdirektor Christian Nerlinger. Und: "Jerome Boateng passt in unsere Philosophie."
Vermutlich meint er das Spielsystem, das Heynckes pflegen wird. Es gründet auf dem alten Lehrsatz: "Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften." Der 66 Jahre alte Trainer ist ein erklärter Anhänger der so gern als "kompakt" bezeichneten Spielweise, in der sich die Stürmer beim Ballbesitz des Gegners als vorderste Verteidiger fühlen dürfen. "Abwehrarbeit", sagt Heynckes, "fängt vorn an."
Sie darf allerdings hinten auch nicht aufhören. Wie das aussieht, erlebten die Bayern-Fans in der zurückliegenden, aus ihrer Sicht ziemlich trüben Saison. 40 Gegentore fing sich ihr Team ein. Und es litt nicht nur an Mängeln in der Zusammenarbeit der Mannschaftsteile, sondern auch an Schwächen der Defensiv-Spezialisten.
Rafinha rechts, Lahm links
Deshalb war es nur folgerichtig, dass sich die Münchner nicht nur den wahrscheinlich besten Torwart der Welt, den ehemaligen Schalker Manuel Neuer, holten. Es entspricht ebenfalls der Einsicht in die Versäumnisse der zurückliegenden Spielzeit, dass die Abwehr-Viererkette generalüberholt wird. Rafinha verteidigt rechts, Philipp Lahm geht seinem Job wieder auf der linken Seite nach. Innen ist das Nationalmannschafts-Paar der näheren Zukunft beisammen. Boateng wird neben Holger Badstuber stehen.
Die Aussicht, gemeinsam mit Badstuber aktiv Werbung beim Bundestrainer Joachim Löw zu betreiben, hat Boateng zusätzlich zum Wechsel getrieben. "Es geht mir auch um die Position des Innenverteidigers. Das hätte Vorteile für die Nationalmannschaft", sagt der neue Mann im Team.
Er begann wie viele spätere Abwehrfachkräfte seine Karriere in der Abteilung Angriff. In seinem ersten Spiel für Tennis Borussia Berlin erzielte er bei einem 11:0-Sieg gleich fünf Tore. An den Gegner kann er sich nicht mehr erinnern.
Dafür erinnern sich vermeintliche Wegbegleiter unheimlich gut an eine Bilderbuch-Migranten-Kindheit im Berliner Arbeiter-Stadtteil Wedding, an staubige Bolzplätze und finstere Kumpels. Sie verwechseln Jerome Boateng allerdings mit seinem Halbbruder Kevin-Prince, der tatsächlich im Wedding mit allen filmreifen Zutaten zu einer Fußballer-Karriere aus dem düstersten Rapper-Milieu aufwuchs. Jerome Boateng verbrachte dagegen eher behütete frühe Lebensjahre im vergleichsweise vornehmen Wilmersdorf.
Wie sein Halbbruder, der inzwischen für Ghana spielt und nicht erst mit einem heftigen Foul, das Michael Ballacks Nationalelf-Laufbahn beendete, den bösen Buben gab, pflegt aber auch Jerome ein Image. Es ist das des Salon-Rappers – der sieht manchmal gefährlich aus, will aber nur spielen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

























