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Hitzfeld will acht neue Spieler: Bayern vor einem radikalen Umbruch

zuletzt aktualisiert: 23.04.2007 - 14:39

München (RPO). Ottmar Hitzfeld ist das Lachen vergangen. Der Trainer des deutschen Rekordmeisters steht nach einer völlig verkorksten Saison vor einem Scherbenhaufen. Offenbar gibt es nur eine Konsequenz: radikaler Umbruch.

Knapp die Hälfte des Kaders muss um ihren Job zittern. Und selbst die früher unantastbaren Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sowie der im Februar als Retter verpflichtete Hitzfeld müssen sich nach einer äußerst dürftigen Zwischenbilanz in der Öffentlichkeit inzwischen kritische Fragen gefallen lassen.

Erstmals seit elf Jahren muss der FC Bayern in der kommenden Saison wohl mit dem Uefa-Cup Vorlieb nehmen. Während Vorstandschef Rummenigge und Manager Hoeneß nach dem blamablen 0:2 in Stuttgart abgetaucht sind und wohl im stillen Kämmerlein über ihre verfehlte Personalpolitik der vergangenen Jahre sinnieren, redete wenigstens Präsident Franz Beckenbauer Tacheles.

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"So kann es nicht mehr weitergehen. Es ist Zeit für einen großen Schnitt, wir müssen von vorne anfangen und ein (fast) neues Team aufbauen. Diese vermasselte Saison hat nur dann noch etwas Gutes, wenn wir die Chance des Neuanfanges nutzen", schrieb der Kaiser in seiner Bild-Kolumne - was durchaus als klare Aufforderung an Hoeneß und Rummenigge zu verstehen ist.

"Sechs, sieben neue Spieler werden kommen, vielleicht acht, das ist eine halbe Mannschaft, es gibt also einen gewaltigen Umbruch", erklärte Hitzfeld im kicker.

Eigentlich hätte der Nachfolger von Felix Magath das schlingernde Bayern-Schiff wieder auf Kurs bringen sollen. Nach elf Bundesligaspielen unter seiner Regie ist die Bilanz ernüchternd. Eine Handschrift ist nicht zu erkennen, die Mannschaft zerfiel in den letzten Wochen mehr und mehr in ihre Einzelteile. Betrug der Rückstand auf den VfB Anfang Februar nur einen Punkt, so sind es inzwischen fünf. Der Punkteschnitt des Generals (1,73) ist sogar schlechter als der von Magath (1,79).

Doch Hitzfeld wird zumindest von den Verantwortlichen nicht in Frage gestellt. "Ich traue dem Ottmar zu, mit dem FC Bayern diese Erneuerung hinzubekommen", meinte Beckenbauer. Eine andere Möglichkeit, als die, mit Hitzfeld weiterzumachen, haben die Bayern jedoch auch nicht, um sich nicht endgültig der Lächerlichkeit preiszugeben. Mitte März hatte der Rekordmeister den Vertrag mit dem 58-Jährigen frühzeitig um ein Jahr verlängert und Hitzfeld noch als Heilsbringer gepriesen.

Hitzfeld selbst gibt sich trotz der "brandgefährlichen Situation" weiterhin kämpferisch und äußerte die üblichen Durchhalteparolen: "Der Neuaufbau mit einigen Verstärkungen reizt mich. Ich bin nicht nur Trainer für die Sonnenseiten."

Doch neben Spielern und dem Trainer geraten immer mehr auch Rummenigge und Hoeneß in die Kritik. Die beiden Macher müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, zwar Millionen auf dem Festgeldkonto, aber bei der Personalpolitik ohne Konzept, ohne Philosophie und ohne Fantasie agiert zu haben.

Gerade nach dem Abschied von Michael Ballack (FC Chelsea) vor dieser Saison war kein Plan erkennbar. Rummenigge hatte zwar noch im Winter betont, dass der FC Bayern ohne Ballack schwerer auszurechnen sei und besser spielen würde. Doch sogar Kapitän Oliver Kahn tat dies am Wochenende als "Blödsinn" ab.

Die Frage, die sich im Moment stellt, lautet: Wer will im Moment eigentlich noch zum FC Bayern, um dort in Marsaxlokk (Malta), Eriwan (Armenien), Craiova (Rumänien) oder Brommapojkama (Schweden), wie die Münchner Zeitungen höhnten, Uefa-Cup zu spielen? Damit könne man kaum Weltklasse-Leute nach München locken, mutmaßte Beckenbauer.

Rummenigge hatte zwar noch vor dem Stuttgart-Spiel erklärt, dass der FC Bayern immer genügend Argumente haben würde. Ein richtiger Kracher wird derzeit aber nur mit dem nötigen "Schmerzensgeld" versehen in München unterschreiben.

Die in den vergangenen Wochen gehandelten Diego oder Luca Toni winkten bereits ab. Auch Lincoln, Miroslav Klose oder Arjen Robben werden kaum Lust haben, auf die Champions League zu verzichten. Eine äußerst schwierige Lage, zumal es auch im aktuellen Kader genügend Baustellen gibt.

Mehmet Scholl, Sebastian Deisler (beide Karriereende) und Hasan Salihamidzic (Juventus) sind bisher die einzigen sicheren Abgänge. Der Abschied von Ali Karimi, Julio dos Santos, Claudio Pizarro, Roque Santa Cruz und Owen Hargreaves, den es nach wie vor zu Manchester United zieht, gilt aber als fast sicher. Selbst ein Daniel van Buyten, vor der Saison für zehn Millionen aus Hamburg gekommen, oder ein Roy Makaay sind auf dem Prüfstand.

Bisher stehen nur Hamit Altintop, Jan Schlaudraff und Jose Ernesto Sosa als Zugänge fest. "Wir werden über jeden einzelnen Spieler sprechen. Ich dulde nichts mehr", kündigte Hitzfeld vor den letzten vier Saisonspielen bereits eine Bewährungsfrist für alle an.

Quelle: sid

 
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