Herbstmeister startet in die Rückrunde: Bayers Trümpfe: Sami und Jupp
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.01.2010 - 13:59Leverkusen (RP). Der finnische Abwehrspieler und der Trainer aus Mönchengladbach sind die Leverkusener Glücksgriffe. Hyypiä ist mit seiner professionellen Einstellung die lang vermisste Führungsfigur, Heynckes entwickelt die Mannschaft mit pädagogischem Geschick.
Als die britische Tageszeitung "The Guardian" ihren Lesern neulich erklären wollte, welches Image sich Bayer Leverkusen in den vergangenen zwölf Jahren in der deutschen Fußball-Bundesliga zugelegt hat, bemühte sie das Bild eines Vereins, der "es womöglich fertig brächte, beim Pferderennen mit nur einem Starter aufs falsche Tier zu setzen".
Da war sie wieder, die Häme, wie sie sie zu Genüge kennen rund um die BayArena. Ausgeschüttet, nachdem Bayer viermal zwischen 1997 und 2002 nach wochenlanger Residenz an der Spitze doch nur als Zweiter das Ziel erreicht hatte. In diesen Tagen steht Leverkusen wieder ganz oben. Doch von Häme kein Spur. Irgendwie ist diesmal alles anders.
"Sami und Jupp", was nach einem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren klingt, ist der wichtigste Teil der derzeitigen Leverkusener Erfolgsformel. Ausgerechnet zwei "Alte" Trainer Jupp Heynckes (64) und Abwehrchef Sami Hyypiä (36) brachten die Stabilität ins Rheinland, deren Fehlen dem Erfolgsstreben der Roten so oft einen Riegel vorgeschoben hatte. Begeisternder Offensivfußball gehört zu Leverkusen wie das Bayer-Kreuz, aber dass elanvolles Stürmen einer soliden Absicherung bedarf, hat der Herbstmeister erst in dieser Spielzeit verinnerlicht.
"Man muss erstmal zu Null spielen und defensiv gut stehen, um dann nach vorne erfolgreich Fußball spielen zu können", sagt Heynckes. Und Sportchef Rudi Völler fügt hinzu: "Wir sagen unseren jungen Talenten aus der Jugendabteilung: Guckt euch euch einfach mal den Sami bei einem Spiel an. Das ist eine prima Weiterbildung."
Vor allem den Jungen im Team wie Toni Kroos (20), Daniel Schwaab (21), Stefan Reinartz (21) oder Eren Derdiyok (21) tun der erfahrene Trainer und der ruhige Finne gut. Kroos schwang sich im Verlauf der Hinrunde sogar selbst zum zentralen Leistungsträger auf, blühte auf, während Stefan Kießling zum Toptorjäger der Liga wurde. Völler und Co. wollen im Frühjahr alle Hebel in Bewegung setzen, um Bayern-Manager Christian Nerlinger davon zu überzeugen, Kroos eine weitere Saison nach Leverkusen auszuleihen.
Der Umworbene selbst gibt an, er möchte dort spielen, wo er Einsätze bekommt. Und, dass sich bei Bayer einiges entwickle. Da ist er einer Meinung mit Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der sagt: "Wir sind jetzt in der Tat an dem Punkt, dass wir die Früchte von dem ernten wollen, was wir damals gesät haben."
Optimismus herrscht im Januar beim Tabellenführer. Das liegt vor allem an der Überzeugung im Team, dass es vermutlich noch stärker werden müsste in den verbleibenden 17 Spielen. Mit Kapitän und Nationalspieler Simon Rolfes, Vorjahres-Torschützenkönig Patrick Helmes und dem brasilianischen Techniker Renato Augusto kann Heynckes wieder Profis zurückgreifen, die ihm über weite Strecken der Hinrunde nicht zur Verfügung standen. "Dann werden wir noch besser", ist eine Aussage, die Chefetage, Trainerstab und Spieler mittlerweile im Chor singen könnten.
Heynckes hat es geschafft, die Mischung zwischen strengen Vorgaben und väterlichem Rat zu finden. Die Chemie stimmt wieder in der Truppe etwas, das in der miserablen Rückrunde mit dem verlorenen DFB-Pokalfinale als negativem Höhepunkt nicht mehr der Fall war. Bester Beweis für Ehrgeiz und Teamgeist: Hyypiä stieg mit seinem persönlichen Training am 28. Dezemver schon wieder an der BayArena ein, obwohl er wie die anderen Spieler aus dem Ausland Silvester im Familienkreis hätte feiern dürfen.
Sie wollen etwas erreichen in dieser Rückrunde. Niemand in Leverkusen kommt mit markigen Sprüchen zur Meisterschaft daher. Ein Platz im internationalen Geschäft soll es sein da ist Platz eins ja inbegriffen. Sie haben gelernt. Die Häme der Vergangenheit soll sie nicht einholen. Höchstens in englischen Zeitungen. Und selbst da muss man wissen, dass der Guardian-Autor gebürtiger Bayer ist.
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