Werder-Verteidiger in der Krise: Bitterer Tag für Per Mertesacker
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 21.02.2011 - 10:30Düsseldorf (RP). Der Abwehrchef verliert mit Werder Bremen das Nordderby in Hamburg 0:4. Bei drei Toren gab er eine äußerst unglückliche Figur ab. Seine schwache Leistung verstärkt die Spekulationen darüber an, ob der 26-Jährige auf Dauer seinen Platz im Nationalteam halten kann.
In der Fußball-Nationalelf ist Per Mertesacker seit gut sechs Jahren eine feste Größe. So lautete bisher die Frage immer nur: Wer spielt an seiner Seite? Die lange unumstrittene Rolle des Bremers als Abwehrchef der DFB-Auswahl wird nun aber durch eine Reihe schwacher Leistungen in der Vereinsmannschaft derart schwer erschüttert, dass über eine neue Besetzung der deutschen Innenverteidigung spekuliert wird.
"Ein rabenschwarzer Tag"
Nach dem 0:4-Debakel im Nordderby beim Hamburger SV steht Mertesacker im Brennpunkt der Kritik, denn gleich bei drei Treffern gab er eine unglückliche Figur ab – insbesondere beim 0:2, als er den Ball gegen Mladen Petric verlor und der Kroate die Kugel zum Torschützen Paolo Guerrero weiterleitete. "Es gibt solche Tage, wo einem nicht so viel gelingt und wo Fehler bestraft werden", sagte Mertesacker. "Das war ein rabenschwarzer Tag für uns, der nicht so leicht zu verkraften ist. Wir müssen uns aufrappeln."
Werder Bremen steckt mitten im Abstiegskampf – eine Trennung von Trainer Thomas Schaaf steht dennoch nicht zur Disposition, wie Geschäftsführer Klaus Allofs einmal mehr betonte. Und Per Mertesacker ist am Tiefpunkt seiner Bundesligakarriere angelangt. Mit seiner vorbildlichen, weil sauberen Zweikampfführung, durch die er unnötige und gefährliche Freistöße des Gegners verhindert, verkörpert der 26-Jährige den Idealtyp des modernen Verteidigers. Auch Bundestrainer Joachim Löw hat diesen Vorzug des 1,96 Meter großen Bremers bereits vor langer Zeit eingehend herausgestellt. In dieser Saison aber wirkt das Spiel des "Langen" mitunter ungewohnt hölzern. Der dramatische Sturz der Norddeutschen in der Bundesliga hat auch ihn in ein Formtief gerissen.
Mertesacker ist Chef der zweitschlechtesten Defensive. Nur Borussia Mönchengladbach ließ noch mehr Tore zu. Der Brasilianer Naldo, schon seit Monaten verletzt, hat in dieser Saison noch kein Ligaspiel bestritten. Das Fehlen des noch zwei Zentimeter größeren Verteidigerpartners ist ebenfalls eine Ursache dafür, dass Mertesacker der Bremer Hintermannschaft allzu oft keine Stabilität verleihen kann.
In der Nationalelf gesetzt
Noch kann Per Mertesacker sicher sein, dass Joachim Löw ihn nicht fallenlässt und dass ihm ein ähnliches sportliches Schicksal wie das seines früheren DFB-Kollegen Christoph Metzelder erspart bleibt. Der heutige Schalker Abwehrchef hat seit dem Abpfiff des EM-Finales 2008, der 0:1-Niederlage gegen Spanien, nicht mehr das Trikot der Nationalmannschaft getragen. Mertesacker darf auch deshalb hoffen, dass der Bundestrainer zumindest vorerst weiter auf ihn setzt, weil er in der Hierarchie des WM-Dritten eine hohe Position hat und dem Mannschaftsrat der erfahrenen Spieler abgehört.
Doch die Konkurrenz ist groß, zumal der Wolfsburger Arne Friedrich, einer der überragenden deutschen Akteure bei der Weltmeisterschaft in Südafrika, nach einer langen Verletzungspause in den Kreis des DFB-Teams zurückgekehrt ist und Nachwuchskräfte in den Vordergrund drängen wie der Münchner Holger Badstuber, Jerome Boateng von Manchester City und Mats Hummels. Insbesondere dem erst 22 Jahre alten Dortmunder wird eine große Zukunft vorausgesagt – beim BVB, dem souveränen Tabellenführer der Bundesliga, ebenso wie in der Nationalmannschaft.
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