Berti Vogts im Interview: "Borussia auf einem sehr guten Weg"
zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 - 08:03Borussia Mönchengladbachs Meisterspieler Berti Vogts spricht im Interview mit unserer Redaktion über das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen den Gladbachern und Tabellenführer Bayern München, die goldenen 70er Jahre, Marco Reus und Lucien Favre.
Borussia gegen den FC Bayern – ist es wieder ein Duell auf Augenhöhe?
Berti Vogts: Man kann mit dem FC Bayern nicht auf Augenhöhe sein. Sportlich vielleicht, aber nie wirtschaftlich. Dafür sind die Bayern aufgrund ihrer Möglichkeiten zu weit voraus. Die Bayern sind neben Manchester der bestgeführte Klub der Welt. Dass es Borussia trotzdem immer wieder geschafft hat mitzuhalten, spricht für die Leute, die im Verein sind. Borussias Vorteil im Spiel gegen die Bayern ist, dass sie verlieren kann, ohne dass es eine Katastrophe wäre.
Früher in den 70ern, als sich beide Klubs die Meisterschaften teilten, dürfte das anders gewesen sein?
Vogts: Da waren unsere Fans immer total ungehalten, wenn wir nicht gegen die Bayern gewonnen haben, von uns wurde erwartet, dass wir sie schlagen. Aber Borussia ist heute auf einem sehr guten Weg. Ich hoffe, dass wir an alte Zeiten anknüpfen können.
Der Verlust von Marco Reus im Sommer dürfte aber schwer wiegen.
Vogts: Ich würde das nicht so hoch hängen. Es war schon immer so, dass Borussia gute Spieler verloren hat. Doch der Klub hat es immer wieder geschafft, gute neue Spieler zu finden. Ich hoffe, dass das auch jetzt gelingt.
Wie wichtig ist Trainer Lucien Favre?
Vogts: Er steht für den Aufschwung in Gladbach. Er hat jeden Spieler auf die richtige Position gestellt, darum funktionieren die Mannschaftsteile so gut zusammen. Außerdem hat Favre charakterstarke Spieler im Kader, das gefällt mir.
Reicht es für den Europapokal?
Vogts: Für den Verein und die Mannschaft wäre es toll, wenn es klappen würde mit einer Qualifikation für den Europapokal. Zehn Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Europapokalplatz sollten reichen. Es wäre natürlich wie ein Sechser im Lotto, wenn es mit der Qualifikation für die Champions League klappt. Wichtig finde ich, dass die Fans hinter dem Team stehen – und hinter Marco Reus, obwohl er gesagt hat, dass er nach Dortmund geht. Früher war es leider so, dass die Spieler, die ihren Abschied angekündigt haben, Probleme hatten.
Setzt sich Reus bei Borussia Dortmund durch?
Vogts: Bei dem Trainer ganz sicher, Jürgen Klopp steht auf Spieler wie ihn. Es war die richtige Entscheidung, dass er in seine Heimat zurückgeht. Bei den Bayern hätte es Marco Reus schwerer gehabt.
Wird München Meister?
Vogts: Mit dem Spielermaterial muss Bayern eigentlich Meister werden. Aber man sollte den BVB nicht abschreiben. Die junge Mannschaft hat das Aus in der Champions League Gott sei Dank verdaut und spielt wieder richtig gut.
Kann Gladbach um den Titel mitspielen?
Vogts Das hängt auch vom ersten Spiel ab. Das 1:0 im ersten Spiel hat die Mannschaft durch die Hinrunde getragen, das könnte jetzt wieder so sein. Lucien Favre wird schon die richtigen Worte finden. Entscheidend ist, dass die Borussen nicht zu schnell zufrieden sind, denn noch haben sie nichts erreicht. Zufriedenheit ist immer der erste Hinweis, dass es abwärts geht.
Die Bayern wären sicher erst dann zufrieden, wenn sie die Champions League gewinnen. Kann das gelingen?
Vogts: Für den deutschen Fußball wäre das wichtig. Jupp Heynckes hat mit Real Madrid gezeigt, dass er die Champions League gewinnen kann. Ganz sicher sollten die Bayern Barcelona erst im Endspiel haben. In einem Spiel kann man diese tolle Mannschaft besiegen. Für die Bayern wäre es schön. Es ist ein sehr herzlicher Klub. Wir haben vier aserbaidschanische Nachwuchsspieler nach München geschickt, sie wurden da für sechs Wochen ausgebildet. Es war klasse, wie sich der Verein um sie gekümmert hat. Es ist ein toller Klub.
Früher durften Sie das nicht sagen.
Vogts: Da herrschte Krieg. Die Rivalität war einfach sehr groß.
Wer gewinnt: Gladbach oder Bayern?
Vogts: Eine Niederlage der Bayern wäre für die Liga gut. Dortmund wäre dann dran. Und Gladbach könnte auf der Euphoriewelle bleiben. Ich hoffe auf einen Gladbacher Sieg, wäre aber auch mit einem Unentschieden zufrieden.
Karsten Kellermann führte das Gespräch
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