1. Bundesliga 16/17
| 15.03 Uhr

Bundesliga am Sonntag
Borussia Dortmund: das HSV-Spiel als Charaktertest

BVB-Stars trauern nach Viertelfinal-Aus gegen Liverpool
BVB-Stars trauern nach Viertelfinal-Aus gegen Liverpool FOTO: dpa, ss
Das bittere Europa-League-Aus gegen Liverpool im Hinterkopf, das Pokal-Halbfinale bei Hertha BSC vor der Brust: Für Borussia Dortmund soll das Bundesliga-Intermezzo gegen den HSV am Sonntag als Frustbewältigung dienen.

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Ein Spiel irgendwo zwischen Frustbewältigung, lästiger Pflicht und Charaktertest: Borussia Dortmund muss sich nach dem Albtraum von Liverpool und vor dem Pokal-Halbfinale bei Hertha BSC in der Bundesliga am Sonntag (15.30 Uhr/Live-Ticker) mit dem Hamburger SV auseinandersetzen. Sportlich geht es für den designierten Vizemeister um herzlich wenig, Thomas Tuchel steckt hingegen in der heikelsten Situation seiner noch jungen Amtszeit.

"Das ist jetzt eine Phase der Saison, in der wir uns neu kennenlernen", sagte der BVB-Coach, dessen Mannschaft trotz (oder gerade wegen) des Europa-League-Ausscheidens gegen das Team von Jürgen Klopp auf die bedingungslose Unterstützung von 80.000 Fans zählen kann: "Das Interessante wird sein, wie wir gemeinschaftlich damit umgehen, ob wir es schaffen, die Enttäuschung bis allerspätestens nächsten Mittwoch in Berlin umzuwandeln."

BVB denkt schon an die Hertha

Weniger der HSV, vielmehr die Hertha ist bei Tuchel und Co. das Thema, der ersehnte Einzug ins Pokal-Finale, um nicht auch die letzte der drei Titelchancen noch im April zu verspielen. "Darauf liegt der Fokus, wir wollen ins Endspiel", sagte Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang in Liverpool, um erst dann noch darauf hinzuweisen ergänzen, dass da ja noch das Spiel gegen Hamburg anstehe. Und da, so Tuchel, werde man wie gewohnt auf Sieg spielen: "Alles andere wäre Hochverrat an den eigenen Prinzipien. Wir spielen Sonntag nicht, um uns für Mittwoch zu präparieren."

Nüchtern betrachtet geht es um die güldene Sudfrucht: Seit dem 2:2 auf Schalke besteht die Meisterschafts-Chance nur noch hypothetisch, Platz zwei ist dem BVB hingegen schon rechnerisch sicher. Ein Heimsieg gegen Hamburg wäre demnach weniger wichtig in Bezug auf harte Fakten als auf die ominösen "Soft Skills", könnte für neues Selbstvertrauen und Frustabbau sorgen. "Wir müssen Liverpool schnellstmöglich abschütteln und das Spiel aus den Knochen bekommen", mahnt Mittelfeldtalent Julian Weigl.

Für den HSV ist ein angeschlagener BVB zugleich Chance wie Risiko. Zwei Tage nach dem einjährigen Dienstjubiläum von Trainer Bruno Labbadia wollen die Hanseaten keinesfalls als Aufbaugegner herhalten, sondern mit einem Sieg den Klassenerhalt ungewohnt früh nahezu perfekt machen. Deshalb fordert Labbadia von seiner Mannschaft, sich den alten Hamburger Europapokal-Rivalen zum Vorbild zu machen.

"Liverpool hat sich nie aufgegeben, ist extrem geschlossen aufgetreten. Das ist eine Möglichkeit, um Dortmund zu ärgern", sagte Labbadia, der aber auf die Schwierigkeit der Aufgabe hinweist: "Wir brauchen einen Sahnetag."

1. FC Köln plötzlich im Abstiegskampf

Erstmals in der Rückrunde rangiert der HSV derzeit vor dem 1. FC Köln, das personifizierte gesicherte Mittelmaß aus der Domstadt muss sich damit verstärkt mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen - eine Niederlage im Karnevalisten-Großkampf am Sonntag (17.30 Uhr/Live-Ticker) beim FSV Mainz 05 könnte die Gefahr signifikant vergrößern – zumal die Konkurrenz am Samstag fleißig gepunktet hat.

"Wir lehnen uns nicht zurück, aber wir verbreiten auch keine Angst. Ich sehe nicht, dass die Mannschaft extrem nervös ist", sagt Trainer Peter Stöger und setzt auf die unter ihm zurückgewonnenen Stärken: "Die Gruppe ist intakt, deshalb haben wir die Zuversicht, dass wir unsere Punkte machen werden. Das ist schwer am Sonntag, weil der Gegner eine gute Phase hat - aber nicht unrealistisch."

Alles andere als unrealistisch ist auch der Mainzer Sprung nach Europa - der FSV könnten zum großen Nutznießer des Gladbacher Patzers am Freitag in Hannover (0:2) werden. Keine Bürde sei die Ausgangsposition, meint Trainer Martin Schmidt, der vielmehr die Schönheit der Chance genießt: "Unsere derzeitige Unbekümmertheit löst viele Blockaden im Kopf. Es gibt keine Ängste, Vorfreude ist da. Davon leben wir momentan."

(sid)
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