1. Bundesliga 15/16 Bundesliga
| 13.11 Uhr

Dortmund gegen Bayern
Endlich wieder Spitzenspiel

BVB - Bayern: Die letzten Duelle
BVB - Bayern: Die letzten Duelle FOTO: afp, CHRISTOF STACHE
Dortmund. Drei Spielzeiten brauchten die sogenannten Verfolger des FC Bayern München ein Fernglas, um den Rekordmeister an der Tabellenspitze so gerade noch erkennen zu können. Einstweilen darf das Vergrößerungsglas im Schrank verstaut werden. Denn erstmals seit ihrem Durchmarsch zum Triple 2012/13 sind die Bayern wieder aus der Nähe zu sehen. Von Robert Peters

Diese schöne Wendung verdankt die Bundesliga in erster Linie Borussia Dortmund. Die Nummer zwei im Lande lässt nicht locker und hat nach dem 2:0 in Darmstadt schon 57 Punkte auf dem Konto. In zweiter Linie verdankt die Liga diese Wendung Mainz 05. Der Außenseiter brachte das Kunststück fertig, die Bayern in München mit 2:1 zu bezwingen. Das führt morgen endlich mal wieder zu einem echten Spitzenspiel in Dortmund. Wenn der BVB den FC Bayern bezwingt, wäre der Abstand in der Tabelle auf zwei Punkte verkürzt.

Davon konnten die Dortmunder vor ein paar Wochen nur verschämt träumen. Plötzlich aber liegen die vorläufig ehemaligen Ober-Bayern in Reichweite. "Der Ball liegt jetzt bei uns", sagt Thomas Tuchel, der Trainer des BVB, "es ist an uns, nun den nächsten Schritt zu tun." Sein Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, ohnehin kein Anhänger übertrieben zurückhaltender Prognosen, darf sich bestätigt fühlen. Er weigerte sich in der Winterpause beharrlich, den Münchnern vorzeitig zur Meisterschaft zu gratulieren.

Dortmund ist auf jeden Fall reif genug, die Bayern herauszufordern. Tuchel hat den Hochgeschwindigkeitsfußball seines Vorgängers Jürgen Klopp verfeinert. Der BVB spielt nicht mehr nur hemmungslos nach vorn, er kann auch das Tempo variieren. Und er hat ganz sicher eine erste Besetzung, die keinen Vergleich mit Bayern Münchens Qualität scheuen muss. Die Bank der Münchner ist immer noch stärker. Aber Dortmunds Trainer verschaffte seinen Stammspielern Marco Reus, Marcel Schmelzer, Lukasz Piszczek, Henrikh Mkhitaryan, Sven Bender und Shinji Kagawa in Darmstadt eine Pause. Sie werden mit dem entsprechenden Hunger ins Spitzenspiel gehen.

Mit Interesse werden die Westfalen zwei Botschaften aus dem Bayern-Spiel gegen Mainz vernommen haben. Zum einen kam der haushohe Favorit mal wieder nicht so recht ins Rollen, wenn ihm eine flexible Abwehr die Räume blockierte. Zum anderen ließ sich die Aushilfsabwehr, in der bei Partien auf hohem Niveau vor allem Jerome Boateng nicht zu ersetzen ist, durch die wenigen, aber wirkungsvollen Mainzer Konter in Verlegenheit bringen.

Für diese Angriffsvariante haben die Dortmunder immer noch das richtige Personal, deutlich besseres als Mainz 05 auf jeden Fall. Aubameyang wird beim Sprinten wahrscheinlich eines Tages den eigenen Schatten überholen. Mkhitaryan und Reus verbinden Schnelligkeit mit großer Ballfertigkeit und Einfallsreichtum. Und Ilkay Gündogan ist ein perfekter Umschaltspieler. Er kann die Spielzüge schnell machen, er erkennt Lücken, und er hat ein angeborenes Gefühl für den Rhythmus. Dieses Quartett kann den Bayern sehr gefährlich werden - vor allem mit Unterstützung des Dortmunder Publikums, das drei Jahre auf ein derartiges Topspiel gewartet hat und entsprechend kampfstark sein wird.

Die Bayern wissen natürlich um die Gefahr, die in dieser Begegnung steckt. Arjen Robben hat sich daher dem stetig leisen Nörgeln von Trainer Pep Guardiola angeschlossen. Der Holländer bemängelt die Leichtfertigkeit im Abwehrverhalten der gesamten Mannschaft, wenn der Gegner mal den Turbo einschaltet. "Wir reden immer wieder über dieselben Sachen", erklärt der Stürmer. Wenn es nicht so läuft, wie er sich das vorstellt, kann er wunderbar grantig sein.

Diese Charaktereigenschaft teilt er mit einigen seiner Kollegen, die in der Bundesliga schon lange nicht mehr so unter Druck waren. Normalerweise schärft eine solche Situation die Sinne der Bayern. Deshalb werden sie im ehemaligen Westfalenstadion auf jeden Fall Widerstand auf höchstem Niveau leisten. Und vielleicht hilft es ihnen, das Kurzzeitgedächtnis auf den achten Spieltag der Saison einzustellen. Mit vier Punkten Vorsprung ging Meister Bayern in die Begegnung mit Verfolger Dortmund. Nach einer kleinen Thomas-Müller-Robert-Lewandowski-Show (beide erzielten zwei Treffer) und einem Tor des verlorenen BVB-Sohnes Mario Götze, einem für Dortmunder sehr schmerzhaften Erlebnis, triumphierten die Münchner mit 5:1.

Einer ihrer wichtigsten Spieler war damals Boateng. Diese Erinnerung hilft dann doch wieder nicht weiter.

Quelle: RP
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