1. Bundesliga 16/17
| 09.29 Uhr

Die zehn Hingucker des Bundesliga-Spieltags
Eine Rakete, ein historisches Eigentor und ein geplatzter Knoten

Fotos: Costa krönt starke Leistung mit erstem Bundesliga-Treffer
Fotos: Costa krönt starke Leistung mit erstem Bundesliga-Treffer FOTO: afp, CS/DG
Düsseldorf. Douglas Costa deutete beim FC Bayern an, dass er die positive Überraschung der Saison beim Rekordmeister werden könnte, Borussia Dortmund zeigte Borussia Mönchengladbach derweil deutlich die Grenzen auf und Henrich Mchitarjan schöpfte dabei vielleicht erstmals beim BVB sein Potenzial aus.

Doch das war noch längst nicht alles, was der 1. Spieltag zu bieten hatte. Wir zeigen Ihnen die zehn Hingucker des Spieltags.

Rakete des Spieltags: Douglas Costa

Dennis Diekmeier war noch lange nach seiner albtraumhaften Begegnung mit Bayern Münchens neuem Flügelflitzer Douglas Costa ein bisschen schwindlig. "Ich bin schon ziemlich schnell", sagte der Außenverteidiger, "aber der ist schon eine Rakete." Und zwar eine, die gleich beim ersten Auftritt in der Bundesliga durchstartete. Der 30-Millionen-Euro-Einkauf lag beim 5:0 (1:0) gegen bedauernswerte Hamburger in nahezu allen Offensiv-Statistiken vorne: Meiste Torschüsse (vier), Torschuss-Vorlagen (drei) und Flanken (vier). Und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 32,5 km/h war er wirklich einen Tick schneller als Diekmeier (32,4). "Er ist eine extra Waffe für uns", schwärmte Superstar Arjen Robben, der selbst der schnellste Spieler auf dem Platz war (32,8). Eine Waffe, die dem Gegner weh tut. Das 3:0 von Thomas Müller (69.) bereitete der 24-Jährige mit einer Außenrist-Flanke vor, die "Kaiser" Franz Beckenbauer zur Ehre gereicht hätte. Das 5:0 besorgte Costa nach einem kurzen, schnellen Antritt per sehenswertem Schlenzer höchstselbst (87.).

Solo des Spieltags: Marcel Heller

Als Marcel Heller sein Traumsolo über den ganzen Platz mit einem Schlenzer in den Winkel grandios abgeschlossen hatte, wollte er zuerst ein besonderes Versprechen einlösen. Schnurstracks und ohne Rücksicht auf die anstürmenden Kollegen rannte der Flügelflitzer von Aufsteiger Darmstadt 98 nach seinem spektakulären Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 (31.) gegen Hannover 96 Richtung Tribüne – und warf eine Kusshand in die Menge. "Meine Freundin ärgert sich immer, wenn ich sie nicht grüße. Damit sie mir keine Vorwürfe machen kann, habe ich den direkten Weg zur Tribüne gesucht", erklärte Heller (29) die Geste nach seinem Geniestreich. Heller, dem beim 2:2 gegen die Niedersachsen auch noch ein zweiter Treffer gelang (54.), gab sich trotz der Lobeshymnen bescheiden. Anstatt sich für seinen Doppelpack feiern zu lassen, dachte Darmstadts Nummer 20 bereits an die folgenden 33 Spieltage. "Wir müssen weiter Kampf, Leidenschaft und Wille zeigen, nur so können wir bestehen", meinte Heller und war das Gesicht eines historischen Tag am Böllenfalltor. Ob er wollte oder nicht.

Comeback des Spieltags: Kevin Kuranyi

Nach 58 Minuten hatte Markus Gisdol ein Einsehen und wechselte Kevin Kuranyi aus. Der ehemalige Nationalspieler hatte ein ganz schwaches Bundesliga-Comeback gegeben und Zweifel an seiner Fitness aufkommen lassen. Beim 1:2 von 1899 Hoffenheim bei Angstgegner Bayer Leverkusen hatte Kuranyi erstmals seit dem 8. Mai 2010, damals im Schalke-Trikot beim FSV Mainz, wieder Bundesligaluft geschnuppert. Nach seinem Kurzeinsatz beim peinlichen Pokal-K.o. bei Zweitligist 1860 München überzeugte der 33-Jährige auch gegen die Werkself nicht. Zumeist kam Kuranyi zu spät, hatte auch bei den Laufduellen das Nachsehen. Seine auffälligste Szene hatte der ehemalige Russland-Legionär kurz vor seiner Auswechslung, als er Wendell an der Seitenlinie unfair von den Beinen holte und Glück hatte, dass er keine Gelbe Karte sah. 1899-Coach Gisdol brach anschließend aber eine Lanze für seinen Neueinkauf: "Er ist noch nicht bei 100 Prozent. Wir werden aber noch viel Freude an ihm haben."

Rekord des Spieltags: Stefan Kießling

Torjäger Stefan Kießling von Bayer Leverkusen ist ein historischer Bundesliga-Rekord gelungen. Dem 31-Jährigen gelang beim 2:1-Erfolg der Werkself zum Ligaauftakt gegen 1899 Hoffenheim in der 45. Minute der Treffer zum 1:1-Ausgleich. Dadurch ist Kießling der erste Spieler überhaupt, der vier Spielzeiten in Folge am ersten Spieltag mindestens ein Tor erzielt hat. Wenig später zog auch Schalkes Klaas-Jan Huntelaar mit seinem Tor zum 3:0-Erfolg in Bremen nach. Das konnte die Freude von Kießling aber nicht trüben: "Wenn man nach seinem Karriereende dann mal Revue passieren lässt, was man alles so erreicht hat, dann ist das eine tolle Sache." Wann wird das denn sein? "In sechs Jahren", sagte Kießling und verschwand mit einem breiten Lächeln in der Kabine.

Fehlschuss des Spieltags: Mevlüt Erdinc

Mevlüt Erdinc sank enttäuscht zu Boden und musste dann auch noch den bitteren Spott des Gegners ertragen. Nach dem schlampig vergebenen Foulelfmeter während des Spiels bei Darmstadt 98 baute sich Jerome Gondorf vor dem Stürmer des Bundesligisten Hannover 96 auf, brüllte ihn mehrfach an – dabei war Erdinc doch schon genug gestraft. So jämmerlich, so lasch hatte nämlich schon lange kein Spieler mehr vom Elfmeterpunkt agiert. Die Chance zum Ausgleich vor Augen, lief der zuvor selbst gefoulte Türke an und schob den Ball unplatziert in die Arme von Darmstadts Torhüter Christian Mathenia. "Das kann jedem mal passieren", sagte Hannovers Schlussmann Ron-Robert Zieler und ergänzte: "Wir verlieren und wir gewinnen zusammen." Das Glück für Erdinc war an diesem Tag, dass sich seine Teamkollegen trotz zweimaligen Rückstands aufrafften und letztlich ein 2:2 (0:1) erkämpften. Beim nächsten Mal sollte er sich aber nicht darauf verlassen.

Premiere des Spieltags: "Hawk-Eye"

Als sich die Bundesligisten vor achteinhalb Monaten mit großer Mehrheit (15 von 18) für die Einführung der Torlinientechnik entschieden, beharrten die unterlegenen Gegner dennoch auf ihrer Ansicht, wonach sich die Kosten (8000 Euro pro Spiel) für die fünf oder sechs fraglichen Entscheidungen pro Saison nicht lohnen. Doch von wegen: Schon am ersten Spieltag war das "Hawk-Eye" im Einsatz. Das System bestand den Test. In der Partie von Aufsteiger Darmstadt 98 gegen Hannover 96 (2:2) prallte der Ball in der 28. Minute nach einem Kopfball von Hannovers Kenan Karaman an die Latte – und von dort auf den Rasen. Schiedsrichter Felix Brych entschied mit Hilfe des "Hawk-Eye" zurecht auf Weiterspielen. Dass die Grafik im Widerspruch zu den Fernsehbildern stand, zählt zu dem gewollten Fortschritt durch das System. Während im TV lediglich ein leichtes Berühren der Torlinie zu erkennen war, zeigte die Animation an, dass der Ball deutlich die Torlinie berührt hat. Dabei ist dem "Hawk-Eye" deutlich mehr zu vertrauen als dem TV-Bild, da das Falkenauge über das wesentlich exaktere "Beweismaterial" verfügt.

Spieler des Spieltags: Henrich Mchitarjan

Henrich Mchitarjan steht bei Borussia Dortmund für die neue Lust am Fußball. In seinem dritten Jahr bei den Westfalen scheint der Knoten bei dem Ausnahme-Fußballer aus Armenien endlich geplatzt zu sein. Mit seinem überragenden Auftritt und zwei Toren beim 4:0 gegen Borussia Mönchengladbach bestätigte der 26-Jährige, was sich in den sechs Wochen zuvor seit dem Amtsantritt von Trainer Thomas Tuchel andeutete. Sechs Tore stehen für den Mittelfeldspieler, den mit 27 Millionen Euro teuersten Einkauf der Klub-Geschichte, nach vier Pflichtspielen in der Statistik und damit schon mehr als in der gesamten vergangenen Saison (5). Zudem feierte Mchitarjan den dritten Doppelpack seiner Bundesliga-Karriere, gab gegen Gladbach die meisten Torschüsse aller Spieler ab (5) und traf erstmals in einem Heimspiel doppelt. Tuchels Lieblingsspieler stand im Sommer bereits auf dem Absprung. Doch der neue Coach überzeugte Mchitarjan, und der zahlt das Vertrauen zurück. Tuchel: "Es wird viel zu viel auf mich projiziert. Das Talent hat Micki. Vielleicht ist es ein Verdienst, dass wir einen guten Draht zueinander haben. Er ist ein überragender Fußballer." Und derzeit mit seiner Spielintelligenz und überragenden Technik aus dem BVB-Team nicht wegzudenken.

Platzverweis des Tages: Raul Bobadilla

Augsburgs Manager Stefan Reuter schimpfte. Trainer Markus Weinzierl konnte sich kaum noch einkriegen. Der Grund für so viel Augsburger Aufregung war der Platzverweis für Raul Bobadilla. Die Ansicht der TV-Bilder hätte die Meinung der FCA-Macher revidieren müssen. Der Südamerikaner bekam von Referee Tobias Welz nach seinem Tritt gegen Berlins Fabian Lustenberger zurecht die Ampelkarte. Die Augsburger echauffierten sich über die in ihren Augen zu harte Regelauslegung, Weinzierl nahm seinen Angreifer in Schutz: "Natürlich schaut's bei Bobadilla immer so aus, dass er mit vollem Körpereinsatz arbeitet. Aber deshalb darf nicht alles gegen ihn gepfiffen werden." Der 28-Jährige vollbrachte damit das zweifelhafte Kunststück, in zwei aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen vom Platz gestellt zu werden: Erst am vorletzten Spieltag der Vorsaison hatte Bobadilla gegen Hannover 96 für einen Schubser Rot gesehen und war daraufhin für das Saisonfinale bei Borussia Mönchengladbach gesperrt worden.

Eigentor des Spieltags: Theodor Gebre Selassie

Mit dem Eigentor von Werder Bremens Theodor Gebre Selassie zum 0:1 gegen den FC Schalke 04 haben die Norddeutschen Rang eins einer unrühmlichen Rangliste übernommen. Mit dem 53. Eigentor der Bremer Bundesliga-Geschichte hat Werder mit dem bisherigen alleinigen Rekordhalter Eintracht Frankfurt gleichgezogen. Ein Rekord, den Gebre Selassie seinen Bremern wohl lieber erspart hätte. "Joel hat Gebre Selassi frei gesehen und ihn angespielt", lachte Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar über das Eigentor des Bremers, der einen Pass von Joel Matip ins eigene Tor lenkte.

Rückkehr des Spieltags: Franco Di Santo

Den sensiblen Neu-Schalker Franco di Santo konnten die Bremer Fans mit ihren Pfiffen noch zermürben, die heftige Auftaktpleite für Werder aber nicht verhindern. Auch ohne nennenswerte Unterstützung des frisch von der Weser in den Westen gewechselten Argentiniers erteilten die Gäste den Hanseaten bei ihrem 3:0 (1:0)-Sieg eine schmerzhafte Lektion. An seiner alten Wirkungsstätte ließ sich der Südamerikaner von den Schmähungen der Bremer Anhänger doch mehr beeindrucken, als man vorher erwartet hätte. Nach 62 Minuten hatte Breitenreiter ein Einsehen und holte den indisponierten 26-Jährigen, der keinen einzigen Torschuss verbuchen konnte, in seinem 50. Bundesligaspiel vorzeitig vom Platz. "Eine solche Stimmung habe ich noch nie erlebt, es war schon sehr seltsam. Aber ich hatte diese Pfiffe natürlich erwartet", sagte di Santo nach dem Spielende wieder etwas gelöster.

(sid/RPO)
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