1. Bundesliga 15/16 Bundesliga
| 16.02 Uhr

BVB-Stürmer ist zurück
Reus kämpft ums Comeback - und gegen den WM-Frust

Marco Reus – Gladbach-Retter, BVB-Held, verhinderter Weltmeister
Marco Reus – Gladbach-Retter, BVB-Held, verhinderter Weltmeister FOTO: dpa, bt jai lof
Bad Ragaz/Dortmund. Als der Schlusspfiff im Maracana ertönte und Deutschland Weltmeister war, schaltete Marco Reus sofort den Fernseher aus. Er hatte sich genug gequält. Dass sein Freund Mario Götze bei der Siegerehrung ein Reus-Trikot mit der Nummer 21 hochhielt, "habe ich erst am nächsten Morgen so richtig mitbekommen. Ich bin schlafen gegangen", sagte der 25-Jährige in seinem ersten Interview seit seiner Verletzung dem kicker.

Der DFB hatte den Offensivstar von Borussia Dortmund sogar zum Endspiel nach Rio eingeladen, doch Reus sagte ab. "Ich war voll auf meinen Reha-Plan fokussiert und wollte die Arbeit einfach nicht für drei, vier Tage unterbrechen", erklärte er.

All das zeigt, wie tief ihn das WM-Aus getroffen hat. Vor der WM war Reus einer der Hoffnungsträger. Bundestrainer Joachim Löw sprach ihm "eine zentrale Rolle" zu. Viele Experten waren sich sicher: Das wird die WM von Marco Reus. Nun ist Deutschland Weltmeister und der gebürtige Dortmunder war noch nicht einmal dabei.

Am Mittwoch ist es zwei Monate her, dass sich der frühere Mönchengladbacher im letzten WM-Test gegen Armenien (6:1) einen Teilriss der vorderen Syndesmose und einen knöchernen Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite zugezogen hatte. Am Montagmittag stellte er ein Foto auf seine Facebook-Seite, auf dem er den Ball jongliert. "Großartig wieder auf dem Platz zu sein", schrieb er dazu.

Die Hoffnung ist zurück. Bei Marco Reus und auch bei Borussia Dortmund. Der BVB hat fünf Weltmeister (wenn auch vier ohne Einsatzminute) im Kader, die nach und nach im Trainingslager in Bad Ragaz eintrudelten. Doch der große Hoffnungsträger der Westfalen ist einer, der in Brasilien nicht dabei war und nun umso motivierter ist: Marco Reus. Schon direkt nach dem WM-Aus hatte er versprochen: "Ich komme noch stärker zurück, als ich war."

In der Reha verlaufe bisher alles nach Plan, er sei dem Zeitplan sogar einen Tick voraus, erklärte Deutschlands Fußballer des Jahres 2012. BVB-Sportdirektor Michael Zorc schürte in der Sport Bild sogar die Hoffnung auf ein Blitz-Comeback: "Wir haben auf jeden Fall noch Hoffnung, dass er am 1. Spieltag dabei ist." Dass Reus am 23. August gegen Bayer Leverkusen wirklich auf dem Platz steht, ist jedoch eher unrealistisch.

Doch nicht nur körperlich, auch mental ist der Schlag nicht leicht zu verarbeiten. "Wenn man einen Tag vor der geplanten Abreise nach Brasilien die Hiobsbotschaft erhält, dass man nicht mitfliegen kann, ist das sehr schmerzhaft. Wenn man dann noch sieht, wie die WM endet, tut es doppelt weh, dass ich nicht dabei sein konnte", sagte er.

Deshalb wirkt es glaubwürdig, wenn Reus beteuert, dass er sich momentan keine Gedanken über seine Zukunft über 2015 hinaus macht, sondern erst einmal gesund werden will. Doch immer wieder gibt es Gerüchte, die kommende Saison könnte die letzte von Reus im BVB-Trikot sein. Die Versuche des Vereins, ihm die Ausstiegsklausel im bis 2017 laufenden Kontrakt abzukaufen, scheiterten bisher.

Und sogar Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich dazu öffentlich: "Ich glaube, dass es für Borussia Dortmund schwer wird, die Klausel für Reus rauszukaufen. Der Spieler hat eine hohe Nachfrage."Auch von den Bayern natürlich. Aber erst einmal will sich Reus den Frust von der Seele spielen.

(sid)
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