1. Bundesliga 16/17
| 14.16 Uhr

BVB-Trainer
Trotziger Tuchel macht bei Foul-Diskussion nicht mehr mit

Mor sieht nach Schubser an Langkamp Rot
Mor sieht nach Schubser an Langkamp Rot FOTO: dpa, jai
Dortmund. Das lange schwache Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC wurde am Ende hitzig. Nachher hätte es viel zu bereden gegeben - doch Thomas Tuchel hatte darauf keine Lust mehr.

Thomas Tuchel hatte sich im Rote-Karten-Chaos um Schwalben und brutale Fouls heiser geschrien. Es reichte aber noch, um nervige Fragen nach dem Thema der vergangenen Tage kratzbürstig abzuwehren. "Nice try", netter Versuch, sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 1:1 (0:0) gegen Hertha BSC, als er zur Foul-Diskussion befragt wurde: "Ich mache nicht mehr mit." Dann grätschte Pressesprecher Sascha Fligge dazwischen: "Zu diesem Thema ist alles gesagt."

Das war schade, denn es hätte einiges zu bereden gegeben. Beispielsweise, dass der kleine BVB-Jungstar Emre Mor in der 84. Minute die Beherrschung verlor und den 1,90-Meter-Mann Sebastian Langkamp rotwürdig vor die Brust schlug. "Wie groß ist Mor? Gefühlt einen Meter", sagte BVB-Nationalspieler Julian Weigl: "Das war doch keine Rote Karte."

Auch, dass der Hertha-Kapitän Langkamp für seinen reichlich theatralischen Fall in dieser Szene um Entschuldigung bat, wäre eine Diskussion wert gewesen: "Das war kein Rot für Emre Mor. Ich habe im Eifer des Gefechts übertrieben. Es tut mir leid", sagte er.

Die Rote Karte gegen den Herthas Torschützen Valentin Stocker (51.) in der 90. Minute war hingegen unstrittig - für solche Fouls wurden Platzverweise erfunden. Wie der Schweizer mit gestreckten Beinen von hinten in Matthias Ginter sprang, war hinterhältig und mehrere Stufen brutaler als Mors Befreiungsrempler. "Leider eine ziemlich dumme Aktion von mir. Ich wollte natürlich niemanden verletzen", schrieb Stocker in der Nacht reumütig bei Twitter. Eine Mehr-Spiele-Sperre erwartet ihn dennoch.

Dardai: "Das war auch meine Rote Karte"

Hertha-Trainer Pal Dardai nahm die Schuld daran in Teilen auf sich. "Das war auch meine Rote Karte", sagte der Ungar, "ich wollte ihn schon fünf Minuten vorher auswechseln. Stocki war müde." Eine kleine Spitze erlaubte er sich aber: "Wir beschweren uns nicht. Wir diskutieren nicht. Wir nehmen Schiedsrichterentscheidungen hin. Wir haben eine Vorbildfunktion."

Wie explizit diese Worte an Thomas Tuchel gerichtet waren, blieb offen. Der BVB-Trainer hatte mit seiner Klage über die vielen Fouls der Gegner nach dem 0:2 bei Bayer Leverkusen eine Diskussion angestoßen, die "sich verselbständigt hat".

Dardai sah seine durchaus bissigen Worte vor dem Anpfiff ("Das war grenzwertig") anschließend missinterpretiert. "Das war eine Sache der Medien. Heute war es Männerfußball mit vielen Zweikämpfen - ich mag das."

Aubameyang steht lange im Blickpunkt

Dem jungen Mor gab er auch noch ein paar Worte mit auf den Weg. "Für ihn ist es ein Lerneffekt", sagte er: "Wenn er in der Szene einfach gar nichts macht, bekommt er einen Freistoß und der Gegner die Gelbe Karte." Unausgesprochen blieb: Wirft sich Langkamp nicht mit Verzögerung hin wie vom Blitz getroffen, hätte es wahrscheinlich auch kein Rot gegeben.

In einem Duell, das den Namen Spitzenspiel lange nicht verdiente, war bis zur turbulenten Schlussphase Pierre-Emerick Aubameyang die prägende Figur gewesen. Der Torjäger scheiterte kurios am Pfosten (67.), dann parierte Hertha-Torhüter Rune Jarstein seinen Handelfmeter (76.). Schließlich traf er zum Ausgleich für eine blutjunge BVB-Notelf (81.).

Angesichts von zehn Verletzungen hatte Tuchel das letzte Aufgebot nominieren müssen: Es war die drittjüngste Startelf der Dortmunder Bundesliga-Geschichte (Durchschnitt: 22,9 Jahre). Sie rettete die Rekordserie von nun 25 Liga-Heimspielen ohne Niederlage.

(sid)
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