1. Bundesliga 16/17
| 20.24 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Borussia gewinnt Hitzeschlacht dank Hahn und Stindl

Gladbach - Leverkusen
Gladbach - Leverkusen FOTO: dpa, mjh jai
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach ist perfekt in die Saison gestartet. Nach der gelungenen Qualifikation für die Champions League mit den beiden Siegen gegen Young Boys Bern und dem Pokalerfolg beim Regionalligisten SV Drochtersen/Assel gab es auch in der Bundesliga einen Sieg: Im Topspiel gegen Bayer Leverkusen gab es einen 2:1-Erfolg dank der Treffer von André Hahn und Lars Stindl. Von Karsten Kellermann

"Wir sind ideal gestartet mit vier Siegen aus vier Spielen. Jetzt haben wir zum Auftakt Leverkusen geschlagen. Ein Team, das in die Champions League will. Das tut uns sehr gut", sagte Torschütze Hahn nach der Partie.

Mit dem vierten Sieg im vierten Pflichtspiel unterstrich Borussia ihre Ambitionen, erneut in der Bundesliga weit oben dabei zu sein – mindestens ist es nach der 6:1-Gala gegen Bern das zweite Ausrufezeichen. Leverkusen, das hohe Ziele formuliert hat für diese Saison und sich als Dortmund-Jäger einsortiert, hat zunächst mal einen Dämpfer bekommen. Trainer André Schubert hatte für den Bundesligastart wieder umgestellt. Es gab neue Flügel und einen neuen Mann im Angriff im Vergleich zum 6:1 im Champions-League-Play-off gegen die Young Boys Bern. Ibo Traoré und Oscar Wendt spielten anstelle von Patrick Herrmann und Fabian Johnson außen, ganz vorn musste Thorgan Hazard, gegen Bern noch dreifacher Torschütze weichen, für ihn spielte André Hahn. Womit sich auch der offensive Ansatz änderte: Raffael und Lars Stindl bildeten sozusagen eine Doppel-Zehn, Hahn war der Frontmann im Angriff. Systemisch war es somit ein 3-4-2-1 als Grundformation aus der heraus die Borussen Leverkusens 4-4-2 bespielen wollten. Hinten sollte die schon gegen Bern eingespielte Dreierkette mit Nico Elvedi, Andreas Christensen und Tony Jantschke Leverkusens Dreierangriff um Neuling Kevin Volland aushalten.

Tobias Strobl, der mit Volland in der vergangenen Saison noch für 1899 Hoffenheim spielte, ließ sich von der Sechs immer wieder zurückfallen in die Dreierkette. Strobl und Kramer sollten helfen, die nötige Stabilität zu bekommen gegen Bayers Powerfußball. Wichtig war es auch, Freistöße in Strafraumnähe zu verhindern – denn Hakan Calhanoglu ist mithin einer der großen Spezialisten für solche Fälle. Die erste Chance des Spiels hatte trotz aller Sturmkraft auf beiden Seiten ein Verteidiger: EM-Fahrer Jonathan Tah. Nach einer Calhanoglu-Ecke verpasste er – freistehend im Gladbacher Fünfmeterraum – den Ball knapp (6.). Später versuchte es Volland aus elf Metern, doch das war kein Problem für Yann Sommer, der dieses Mal ganz in Lila gewandet war.

Borussia lauert auf Konterattacken

Bei den Borussen versuchte vor allem Traoré mit seinen Dribblings Gefahr zu erzeugen. Bis zum Strafraum klappte das, doch dann ging es zunächst mal nicht weiter. In der 21. Minute dann aber doch. Borussia holte sich den Ball und schaltete schnell um. Raffael zog los, schoss, Leno wehrte ab. Das tat er auch beim Nachschuss des mitgelaufenen Wendt, den er mit dem Gesicht abwehrte. Es blieb beim 0:0 und Leno konnte nach kurzer Benommenheit weiterspielen. Borussia setzte auf eben diese Umschaltmomente. Leverkusens hohes Pressing kann hinten rum den Raum dafür geben, wenn es schnell geht. So standen die Borussen etwas tiefer als sonst und lauerten auf die Konterattacken. Dass es ein Spiel mit vielen Umschaltmomenten werden würde, hatte Bayer-Trainer Roger Schmidt erwartet.

Zu erwarten war auch ein hoch motivierter Ex-Leverkusener Christoph Kramer – und der Rückkehrer erfüllte die Erwartung. Es war "on Fire", das war spürbar, indes nicht überdreht. Aufgedreht ist derzeit auch Raffael. Drei Tore plus zwei Assists und viele tolle Aktionen lieferte er gegen Bern, und auch gegen Bayer hatte er richtig Lust. In der 29. Minute bot er eine hübsche Körpertäuschung dar, dann schickte er André Hahn auf die Reise. Dessen Schuss flog von halblinks knapp am langen Pfosten vorbei. Hahn hatte gegen Bern 90 Minuten auf der Bank gesessen, nun wollte er sich zeigen. In der 33. Minuten musste jedoch Yann Sommer zeigen, was er kann, als Karim Bellarabi schoss. Der Schweizer lenkte den Ball um den Pfosten. Beide Teams waren also bemüht, Aktionen nach vorn zu haben und trotz der hohen Temperaturen sehr lauffreudig.

Prüfstein für die Defensive

Für Borussia Defensive war es der erste echte Prüfstein der Saison. Nicht immer wirkte sie ganz sicher gegen die aggressiven Gäste, so hatte Tony Jantschke den einen oder anderen Ballverlust, wenn er unter Druck geriet. Andererseits klärte er ein paar Mal sehr resolut. Kein Abwehrspieler war allerdings bei Jonathan Tah, als der kurz vor der Pause per Kopf den Ball ans Lattenkreuz bugsierte. Im Gegenzug versuchte es Traoré mit einem Schuss aus zehn Metern, doch Bernd Leno griff sich den Ball. Als eine Minute später Traoré Hahn bediente und dieser, zwar bedrängt, aber in guter Position vor Leverkusens Keeper auftauchte, reagierte dieser erneut glänzend und wehrte erneut mit dem Kopf ab. Dann war er machtlos. Wieder war Hahn durch, als Tah einen Ball von Kramer ungewollt zur Vorlage machte, dieses Mal aber blieb der Mittelstürmer der Borussen cool, als die Nachspielzeit des ersten Durchgang schon lief: Mit rechts schob er den Ball stramm am quietschgelben Bayer-Schlussmann vorbei.

Die knappe Führung spiegelte das Chancenplus der Gladbacher in den ersten 45 Minuten wieder, insgesamt war es aber ein sehr intensives Spiel zweier Teams, die gewillt waren, ihrem Ruf als rheinische Torfabriken gerecht zu werden. Schuberts Kontertaktik ging bis hierher voll auf. Und auch seine Personalpolitik: Die Entscheidung für Hahn statt Hazard (einen dreifachen Torschützen rauszunehmen ist so eine Sache) passte. Der Angreifer wollte dieses Tor unbedingt – und er war an diesem Tag der richtige Mann für den Job: ab in die Tiefe bei den Kontern, das war der Auftrag, und Hahn kennt die Tiefe, das hat er schon oft gesagt. Das Tor war der Beleg dafür. Hahn hat damit in der Bundesliga seinen Torlauf aus der Vorsaison ungebremst fortgesetzt. Sechs der letzten sieben Borussen-Tore hat er erzielt. Leverkusen scheint ihm zu liegen, schon beim letzten Aufeinandertreffen am 33. Spieltag der abgelaufenen Spielzeit erzielte er beide Treffer beim 2:1-Erfolg.

Nach dem Seitenwechsel reagierte Schubert rotierend auf Jantschkes Probleme in einigen Situationen. Jannik Vestergaard nahm seinen Platz links in der Dreierkette ein. Jantschke ist neben Kramer der, der bis jetzt immer zur Startelf gehörte. Vestergaard hatte es vor allem mit Bellarabi zu tun, der nach der Pause gleich zweimal Yann Sommer prüfte. Als Raffael einen sehenswerten Freistoß sehen ließ, reagierte Sommers Gegenüber erneut glänzend. Leno hatte dann doch deutlich härtere Arbeit zu verrichten als der Borussen-Keeper, und er sorgte dafür, dass Bayer nicht schon höher zurücklag.

Hitzige Schlussphase

So blieb dieses Derby (Tony Jantschke hatte allerdings vorab gesagt, Borussias Derby-Partner sei allein der 1. FC Köln) offen. Roger Schmidt verstärkte nochmal mit frischen Leuten das Bemühen um den Ausgleich. Julian Brandt und Admir Mehmedi kamen nach gut einer Stunde für Calhanoglu und Volland. Borussia blieb bei den Kontern. Wie in der 73. Minute: Lars Stindl spielte in den freien Raum vor Fabian Johnson, der eingewechselte US-Nationalspieler sah Raffael, doch sein Pass geriet zu lang, Leno schnappte sich den Ball vor dem Brasilianer.

In der Schlussphase wurde das Spiel ruppiger und die Stimmung hitziger. Und Borussia wurde die mangelnde Konsequenz bei den Kontern fast zum Verhängnis. Joel Pohjanpalo glich per Kopf aus, nachdem Sommer zuvor mit einem Reflex ein Eigentor von Andreas Christensen verhindert hatte. Doch fast im Gegenzug legte der eingewechselte Thorgan Hazard Lars Stindl das 2:1 auf. Das erste Saisontor des Kapitäns sicherte Borussia den Sieg zum Saisonauftakt.

Nach Abpfiff war Stindl der gefeierte Mann – auch von seinen Teamkollegen. "Wir können heute alle unseren Kapitän feiern. Freitag hatte er Geburtstag, heute schießt er ein Tor. Da darf er sich heute mal ein Bierchen gönnen", sagte Oscar Wendt.

Quelle: RP
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