Gladbach - Mainz 1:0: Borussia siegt – Schrecksekunde für Reus
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 18.12.2011 - 19:27Mönchengladbach (RP). Mönchengladbach Thomas Tuchel, der Cheftrainer des FSV Mainz 05, ist einer, der immer einen Matchplan hat. Wie sein Drehbuch für das Spiel in Mönchengladbach aussah, ist offiziell nicht bekannt. Doch sah er sicher ganz anders aus, als das, was sich bei nasskaltem Wetter im Borussia-Park abspielte. 1:0 gewann Gladbach durch ein Tor von Patrick Herrmann.
Borussia schloss damit eine tolle Hinrunde mit dem zehnten Sieg ab und überwintert mit 33 Punkten auf Rang vier. Der Sieg wurde allerdings teuer bezahlt. Marco Reus schied bei seinem ersten Spiel nach Verletzungspause erneut aus. Torwart Marc-André ter Stegen erlitt offenbar eine Prellung im Brustbereich.
Tuchels Matchplan sah sicherlich vor, Borussias Reus möglichst keine Entfaltungsmöglichkeit zu bescheren. Nach nur fünf Minuten warf der vom FC Bayern und Meister Dortmund offensiv Umworbene dies indes gekonnt über den Haufen. Ein punktgenauer Pass hinein in den Lauf von Patrick Herrmann, der vor dem Team ganz cool blieb und mit seinem dritten Saisontor das 1:0 besorgte. Für Reus war es der erste Assist der Saison. "Vorlagen gehen also mit dem Schuh“, stellte Stadionsprecher Torsten Knippertz erfreut fest.
Das Spezialmodell, das der Mönchengladbacher Holger Drake entworfen hat, um Reus’ lädierten kleinen Zeh zu schützen, bewährte sich. Der Geschwindigkeitsfußballer, der Ende August 2009 sein erstes Bundesligator gegen Mainz erzielt hatte, war fortan an nahezu jeder gefährlichen Aktion der Borussen in Richtung Mainzer Tor beteiligt. Dies war zumeist jedoch Konterangriffe, denn es waren die Mainzer, die mehr Spielanteile hatten – allerdings ohne klare Tormöglichkeiten zu produzieren.
Borussia machte beileibe nicht ihr bestes Heimspiel. Favre, der Ballbesitz für die wichtigste Tugend hält, dürfte es nicht gefallen haben, dass es doch einige unnötige Ballverluste und zu wenig Ordnung im Spiel seiner Mannschaft gab. Tuchels Taktik ähnelte dem seines Augsburger Kollegen Jos Luhukay. Dessen Team hatte den Gladbachern beim 1:0-Sieg mit einem aggressiven Pressing die Spielfreude genommen.
Aber: In Augsburg fehlte Reus. Und der ist nun mal einer, der den Unterschied ausmachen kann. Ebenso wie Verteidiger Dante. Wenige Minuten nach der Pause sah der Brasilianer seine fünfte Gelbe Karte im Wettbewerb. Er wird somit beim Rückrundenauftakt gegen die Bayern fehlen. Schiedsrichter Peter Gagelmann war auch an der nächsten Aktion in einem bis dahin wenig erbaulichen Spiel beteiligt, das von Fehlern und unfertigen Aktionen auf beiden Seiten geprägt war. Er schickte Tuchel nach einem Wortgefecht auf die Tribüne.
Die Freundes des taktischen Spiels mögen sich am Geschehen auf dem Rasen erwärmt haben, doch fehlte es doch allzu sehr an aufregenden Kombinationen. Und wenn es mal schnell ging, kam der letzte Ball doch nicht an. Nach dem fulminanten Auftakt hatten sich die fast 50 000 Fans im Borussia-Park weit mehr Unterhaltung versprochen als 90 Minuten gepflegte Langeweile.
Für sorgenvolle Mienen sorgte die Schlussphase. Reus schien sich das Knie verdreht zu haben, er humpelte vom Feld. Und als sich ter Stegen unter großen Schmerzen bis zum Abpfiff quälte, wurde vielen schon bang im Blick auf das Pokal-Achtelfinale am Mittwoch gegen Schalke. Nach dem Abpfiff gab Gladbachs Mannschaftsarzt Stefan Hertel eine erste Entwarnung. Ter Stegen sei auf die gleiche Stelle gefallen wie beim Spiel gegen Augsburg vergangener Woche, als er sich eine Brustprellung zuzog.
Reus zeigte sich nach Spielende optimistisch: "Ich bin im Rasen hängen geblieben und dann hat das Knie ein bisschen durchgeschlackert. Es tat im ersten Moment auch ziemlich weh, aber mittlerweile ist es ganz okay. Ich denke nicht, dass es etwas Schlimmeres ist. Morgen werde ich eine Untersuchung machen und dann werde ich sehen, was ist. Aber ich denke, es ist alles okay."
Der Erfolg in einer umkämpften und keineswegs hochklassigen Partie beflügelt trotzdem das Selbstbewusstsein der Borussen. "Es zeugt von Qualität, dass man auch ein solches Spiel gewinnt“, sagte Herrmann, "wir haben jetzt 33 Punkte, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen.“ Rang vier zum Ende der Hinrunde ist viel mehr, als sich selbst Optimisten ausgemalt hatten.
Statistik
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann (90. Marx), Arango - Hanke (71. de Camargo), Reus (84. Bobadilla). - Trainer: Favre
Mainz: Wetklo - Pospech, Bungert, Svensson (41. Marco Caligiuri), Fathi - Kirchhoff - Baumgartlinger, Polanski (73. Ujah) - Malli (65. Nicolai Müller) - Allagui, Choupo-Moting. - Trainer:
Tuchel
Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Tor: 1:0 Herrmann (5.)
Zuschauer: 49.089
Gelbe Karten: Nordtveit (2), Dante (5), Herrmann (3) - Pospech (3), Allagui (4), Bungert (3)
Torschüsse: 7:12
Ecken: 5:4
Ballbesitz: 49:51 Prozent
Fouls: 15:19
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