Dante verletzt, Youngster drehen auf: Borussias Kopfschmerzen
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 18.01.2010 - 19:21Mönchengladbach (RP). Bei der 1:2-Niederlage gegen den VfL Bochum verletzte sich Innenverteidiger Dante. Die beiden jungen Spieler Fabian Bäcker und Patrick Hermann zeigten verheißungsvolle Ansätze.
Es wäre der Stoff für die wunderbare Geschichte von zwei Jungs, die aus dem Nichts die Bundesliga erobern. Doch dummerweise passte das Endergebnis noch nicht dazu. "Mein erstes Bundesligaspiel, mein erstes Bundesligator, aber auch meine erste Bundesliga-Niederlage. Deswegen fühlt sich das nicht wirklich toll an. Von einem gelungenen Einstand will ich da nicht reden", sagte Fabian Bäcker, 19 Jahre.
Patrick Herrmann, noch ein Jahr jünger und eigentlich A-Jugend-Spieler, sah es ähnlich: "Ich war froh, überhaupt im Kader zu sein. Dann mit meinem ersten Ballkontakt gleich ein Tor vorzubereiten, das ist natürlich toll. Trotzdem hätte ich gerne einen Punkt geholt." Den gab es nicht, weil Borussia nach einer völlig "verschlafenen ersten Halbzeit" (Sportdirektor Max Eberl) mit einem 0:2-Rückstand zwar endlich aufgewacht war, aber ihre auch nicht allzu vielen weiteren Chancen nicht nutzte.
Bochum gewann 2:1. Und Gladbachs Fans blieb nur das Staunen über die beiden "Bubis", die Borussias einzigen Glanzpunkt setzten. "Das Tor war kein Zufall. Patrick weiß wie ich laufe, und ich weiß, wie er den Ball spielt", erklärte Fabian Bäcker die Szene in der 80. Minute.
"In der A-Jugend haben wir das oft so gemacht, bei zehn bis zwanzig Toren", ergänzte Patrick Herrmann. "Schön, dass es jetzt auch in der Bundesliga klappt." Er hatte, Sekunden vorher für Filip Daems eingewechselt und die Kapitänsbinde, die er an Tobias Levels weiterreichen sollte, noch in der Hand, die Flanke maßgerecht in den voraus gesehenen Laufweg Fabian Bäckers gespielt. Und der trat den Ball mit Wucht zum 1:2 ins Netz.
Ahnen, wohin der Ball vors Tor kommt: Das ist die Stärke Bäckers. Er ist der typische Strafraumstürmer, allerdings als Vollstrecker oft noch mit Ladehemmung. Darum hat der 19-jährige Pfarrerssohn aus dem Sauerland in Borussias Regionalliga-Mannschaft zuletzt auf der Ersatzbank gesessen.
Und darum hatte Trainer Michael Frontzeck ihm Moses Lamidi vorgezogen, als er einen Ersatzstürmer aufstellen musste, weil gleich vier Mann ausfielen: Rob Friend, Roberto Colautti, Oliver Neuville und Karim Matmour. In der 63. Minute kam dann Bäcker – und profitierte von der glänzenden Vorarbeit des zweiten Einwechselspielers. "Patrick wird sich in der Bundesliga durchsetzen. Er ist ein ähnlicher Typ wie Marco Reus", sagt U23-Trainer Horst Wohlers dem Jungen aus Saarbrücken voraus, der vormittags noch in der Schule für das Fachabitur büffelt.
Bäcker, Hermann, Tony Jantschke und der erst 17-jährige Österreicher Bernhard Janeczek sind blutjunge Spieler, auf die Borussia auch ihre Zukunft baut. Die "Bubis" allein können es aber auch nicht richten, wenn wie gegen Bochum die erfahreneren Spieler wie Filip Daems, Roel Brouwers, Tobias Levels, Thorben Marx und Juan Arango schwach spielen und Raúl Bobadilla auch diesmal jegliche Torgefährlichkeit vermissen lässt.
Unaufmerksamkeiten schenkten Bochum die Chancen, die Stanislav Sestak und Zlatko Dedic nutzten. Trainer Heiko Herrlich feierte so eine gelungene Rückkehr nach Gladbach, wo er 1995 Bundesliga-Torschützenkönig war. "Doch wir müssen bescheiden und demütig bleiben. Die Situation bleibt brenzlig", sagte er. Borussia hat noch einen komfortablen Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Doch keine Garantie, nicht in den Sog zu geraten.
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