Comeback nach 15 Monaten: Bremens Naldo ist wieder da – fast
zuletzt aktualisiert: 17.08.2011 - 21:37Hamburg (RPO). Werder Bremens "Neuzugang" spielte 56 Minuten. Er dirigierte, klärte in kniffligen Szenen, offenbarte aber auch noch Schwächen in Stellungsspiel und Abstimmung. Alles in allem ein Auftritt, der Hoffnung gibt für die Zukunft, aber keinesfalls eine kurzfristige Verstärkung für die Abwehr verspricht. Naldo wurde vor, während und nach dem 5:4 (4:1)-Testspielsieg von Werder Bremen gegen den FC St. Pauli von den Fans gefeiert. Erstmals seit dem 15. Mai 2010 lief der Brasilianer wieder mit seiner Mannschaft auf, nach 458 Tagen Zwangspause wegen eines Knochenödems im Knie.
"Ich bin überglücklich, dass ich wieder Fußball spielen kann", sagte der 28-Jährige auf Deutsch in ein Mikrofon des NDR. Obwohl er bereits seit sechs Jahren in Bremen lebt, wollte er seine weiteren Gedanken lieber in seiner Muttersprache mitteilen. Hier reichten schließlich nicht mehr die gelernten Standardfloskeln, hier sollte über die eigene Befindlichkeit nach dem Neustart ins Berufsleben Auskunft gegeben werden.
"Ich habe nie Zweifel an meiner Rückkehr gehabt", erklärte Naldo, "negative Gedanken haben meist auch negative Folgen. Ich bin ein optimistischer Mensch, der immer nach vorne blickt." Diese Einstellung zu bewahren, ist möglicherweise die größte Leistung des Südamerikaners. Tatsächlich ging es ja monatelang überhaupt nicht voran. Die Schmerzen im Knie hörten nicht auf, die deutschen Ärzte mahnten zur Geduld. Aber irgendwann hat man keine Geduld mehr, wenn alles wehtut - und schon gar nicht, wenn der Job auf dem Spiel steht.
Also ließ er sich im Januar in Brasilien operieren, ein riskanter Eingriff, von dem hiesige Spezialisten abraten. Es scheint aber gutgegangen zu sein. "Ich hatte während des Spiels keinerlei Schmerzen", verkündete der Rekonvaleszent, "ich habe während des Spiels überhaupt nicht an die Verletzung gedacht." Am 27. Juli war er erstmals wieder in das Mannschaftstraining eingestiegen, Probleme gab es seither keine. "Naldo ist wie ein Neuzugang für uns", sagte Trainer Thomas Schaaf.
Schaaf mahnt Geduld an
Den können sie auch brauchen. Ohne den Innenverteidiger präsentierte sich die Werder-Abwehr in der vergangenen Saison teilweise wie ein Hühnerhaufen. Mit 61 Gegentreffern kassierte sie die viertmeisten der Liga, am Ende stand Platz 13, schlechter schnitt der Klub seit dem Abstiegsjahr 1980 nicht mehr ab. Natürlich ist da die Hoffnung, dass mit Naldo nun alles wieder gut wird. "Geil, dass du wieder da bist", rief ihm ein Fan entgegen, mit Sprechchören wurde er gefeiert, die knapp 1.000 Werder-Anhänger bei dem Testspiel standen bei seiner Auswechslung auf. Naldo lachte.
Nur Schaaf wollte diese Euphorie noch nicht teilen. Ein Testspiel ohne Zweikampfhärte ist eben nicht Bundesliga. "Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, Druck aufzubauen", sagte der Werder-Trainer, "er muss langsam seine Leistung wieder nachweisen, da fehlt noch ein bisschen was. Wir müssen uns alle gedulden." Aber das sollte wirklich kein Problem mehr sein, Naldo hat schließlich 15 Monate Geduld bewiesen.
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