Neuer Anlauf in Deutschland: Bundesliga als Reals Resterampe
zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 10:46Hamburg (RPO). Sie haben genau hingeschaut bei Schalke 04. Ein Weltstar braucht schließlich eine Weltklasse-Begrüßung. Raul ist ja so einiges gewöhnt aus seiner alten Heimat, und so wollte man es ihm gleich vertraut machen. Die Arena wurde also zur öffentlichen Begrüßung des spanischen Stürmerstars zu einer Art Bernabeau light umgerüstet. Präsentation im Stadion, Real hat das zuletzt bei Ronaldo vor einem Jahr auch so gemacht. Damals kamen 80.000 Fans ins Stadion. Auf Schalke waren es am Mittwoch 1000.
Es ist eben doch alles noch etwas kleiner in der Bundesliga, auch wenn das Selbstvertrauen der Klubs und ihrer Verantwortlichen immer mehr steigt. "Die Bundesliga war schon immer sehr interessant als eine der stärksten europäischen Ligen", lobte Raul, "hier wird attraktiver Fußball geboten." Und Gehälter werden pünktlich gezahlt.
Der Zufluss von Weltstars und ehemaligen Weltstars in den letzten Monaten ist in der Tat bemerkenswert. Insbesondere Real Madrid wird seine unerwünschten Profis gerne in Deutschland los. Vier sind bereits innerhalb des letzten Jahres in die Bundesliga gewechselt, die so zu Reals Resterampe wird.
Raul, Metzelder, van Nistelrooy, Robben
Neben dem 33 Jahre alten Raul spielt in der nächsten Saison auch Christoph Metzelder bei den Königsblauen. Der Innenverteidiger hatte ebenso keinen Stammplatz mehr im "weißen Ballett" wie Raul und der 34 Jahre alte Ruud van Nistelrooy, den der Hamburger SV in der Winterpause ebenfalls ablösefrei verpflichtete. Lediglich für Arjen Robben gab Bayern München 24 Millionen Euro aus. Ein Volltreffer, der Niederländer wurde wegen seiner Verletzungsanfälligkeit von Real abgegeben.
"Die Bundesliga hat keinen Grund, sich hinter anderen Ligen zu verstecken", sagt Bernd Hoffmann, der Vorsitzende des Hamburger SV, "die Stadien sind immer voll, die Liga ist ausgeglichen, und die Vereine gehören nicht ausländischen Investoren oder haben Millionenschulden." Das hat sich mittlerweile herumgesprochen und macht Deutschland als Spielort zum Karriereende attraktiv. So fand auch Michael Ballack (33) vom FC Chelsea den Weg zurück zu Bayer Leverkusen, das mit Sami Hyypiä (36) letztes Jahr aus Liverpool bereits einen gereiften Volltreffer verpflichtet hatte.
Deutsche WM-Stars "im Tausch" zu Real?
Andererseits droht der Bundesliga weiterhin der Verlust der Stars im besten Alter. Der Auftritt der deutschen Mannschaft bei der WM in Südafrika hat das Interesse an jungen deutschen Spielern europaweit steigen lassen. Wenn demnächst Sami Khedira seinen Wechsel zu Real Madrid verkündet, stellt sich die Frage, ob die Bundesliga im Geschäft mit den Madrilenen wirklich gewonnen hat.
Real soll ja mittlerweile auch an dem Bremer Mesut Özil interessiert sein, der auch Angebote von Chelsea, Barcelona, Inter Mailand und Tottenham haben soll. Bremens Abwehrchef Per Mertesacker steht auf dem Wunschzettel des FC Arsenal, Hamburgs Dennis Aogo bei Juventus Turin. Wenn die ganz großen Klubs mit den Netto-Millionen locken, kann die Bundesliga eben doch nicht mithalten.
Diego, Rafael van der Vaart und vor dieser Saison Kevin Kuranyi sind die letzten Topstars, die Deutschland verlassen haben. Der Wolfsburger Edin Dzeko könnte der Nächste sein, wenn nicht Bayern München bereit ist, die Forderung des VfL-Managers Dieter Hoeneß nach 40 Millionen Euro zu erfüllen. Die Hoffnung aber bleibt, dass sie alle eines Tages zurückkehren, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben oder sich bei ihren neuen Klubs nicht durchsetzen konnten.
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