1. Bundesliga 16/17
| 16.26 Uhr

Bundesliga
Als Werder das Maß der Dinge war

Bundesliga: Als Werder Bremen das Maß aller Dinge war
2004 feierte Werder Bremen das Double. FOTO: AP
München/Düsseldorf. Vor zwölf Jahren gewann Bremen in München die Meisterschaft und in Berlin den DFB-Pokal. Heute eröffnen Bayern und Werder die Bundesliga-Saison. Vom früheren Glanz der Bremer ist wenig geblieben. Von Robert Peters

Oliver Kahns kantiges Kinn wurde noch kantiger, der Blick noch ein bisschen grimmiger, der ganze Kerl war das Mensch gewordene Bild von ziemlich schlechter Laune. Kein Wunder: Was da gerade in seinem Fußball-Wohnzimmer geschah, konnte dem Mann nicht passen, den die Experten zwei Jahre vorher zum Titanen im deutschen Tor ernannt hatten. Werder Bremen hatte Kahns Bayern soeben im Olympiastadion stilsicher auseinandergenommen, ein rundlicher Herr namens Ailton hatte dem Titan einen Kunstschuss ins Netz gesetzt. Und die Bremer feierten in München mit einem 3:1-Erfolg die vorgezogene Meisterparty.

Daran erinnern sich wahrscheinlich nicht nur ältere Menschen, denn es ist erst zwölf Jahre her. Werder war in diesem Jahr 2004 das Maß der Dinge im deutschen Fußball. Trainer Thomas Schaaf führte seine Mannschaft nicht nur zur Meisterschaft, sondern auch zum Sieg im DFB-Pokal.

Von derartigen Zeiten dürfen die Bremer 2016 allenfalls noch träumen. Inzwischen hat sich der einstige Stammgast in den Europapokal-Wettbewerben dauerhaft im Abstiegskampf eingerichtet. Das wird wohl auch in dieser Saison das Arbeitsumfeld sein. Heute Abend eröffnet Werder die Spielzeit mit dem Gastspiel bei Meister Bayern München (20.30 Uhr/Live-Ticker).

Die Gewichte haben sich im Vergleich mit dem Bremer Jubeljahr 2004 komplett verschoben. Die Münchner sind nicht nur dem einstigen Konkurrenten enteilt, sie passen auch nicht mehr in die Maßstäbe der Bundesliga. Für den Bremer Trainer Viktor Skripnik ist das trotzdem kein Grund, voller Verzweiflung und mit Blick auf das Klub-Budget die Reise an die Isar von vornherein abzusagen. Er verspricht sogar einen Schuss Risikobereitschaft. Seine Begründung: "Als wir vergangene Saison in der Meisterschaft nur kompakt stehen wollten, haben wir 0:5 verloren. Beim Pokal-Halbfinale waren wir mutiger und haben ein sehr gutes Spiel gemacht." Verloren hat Werder dennoch, allerdings nur mit 0:2. Diesmal muss Skripnik auf seine beiden Zauberkünstler im Angriff verzichten. Claudio Pizarro und Max Kruse haben sich verletzt. Dadurch fehlt die Möglichkeit, der Münchner Abwehr Ärger zu machen.

Es könnte aber den Rest der Truppe zu gesteigerter Aufmerksamkeit und tüchtig Kampfgeist verhelfen. Vermeintlich aussichtslose Spiele sind immer noch die leichtesten.

Leichter auf jeden Fall als Auftritte im Pokal bei Drittligisten, wie Werder wieder mal aus leidvoller Erfahrung bestätigen wird. Gleich in der ersten Runde war Schluss, Bremen verlor bei den Sportfreunden Lotte. Auch das beantwortet die Frage nach dem Favoriten in München ziemlich deutlich. Der Druck liegt deshalb zunächst mal bei den Bayern. Das kann sich schnell ändern. Wenn Bremen unterliegt, wovon die meisten ausgehen, wird das folgende Heimspiel gegen Augsburg bereits zu einer wegweisenden Partie. Davon wollen die Bremer aber (noch) nichts wissen.

Quelle: RP
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