1. Bundesliga 16/17
| 20.38 Uhr

Wer muss runter?
Angst, Attacken und Aktionismus im Abstiegskampf

Bremen - Stuttgart
Bremen - Stuttgart FOTO: dpa, crj kno
Der Abstiegskampf in der Bundesliga geht in die entscheidende Phase. Sechs Klubs müssen fürchten, mit Hannover 96 den Gang in die 2. Liga anzutreten.

Angst vor dem Super-GAU, jede Menge Psycho-Spielchen, Verbal-Attacken und sogar Treueschwüre - vor dem Showdown im Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga sind die Nerven aller Beteiligten bis zum Zerreißen gespannt. Doch schon vor den ausstehenden beiden Spieltagen steht fest, dass Tradition nicht vor Abstieg schützt: Auf den Plätzen 15 bis 17 tummeln sich 10 deutsche Meisterschaften, 13 DFB-Pokal-Siege und 2 Europacup-Triumphe.

Ganz düster sieht es für den VfB Stuttgart (fünf Meisterschaften, drei Pokalsiege) auf dem vorletzten Platz aus. Nach dem 2:6-Debakel bei Werder Bremen am vergangenen Montag droht den Schwaben (33 Punkte) der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte nach 1975. Der klare Negativtrend und die großen Personalprobleme sprechen gegen das Team von Trainer Jürgen Kramny, das derzeit nur noch besser als das bereits abgestiegene Schlusslicht Hannover 96 dasteht.

Ex-Präsident Erwin Staudt plagen vor dem vorentscheidenden Spiel am Samstag gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr/Sky) große Sorgen. "Ein Abstieg wäre für mich das größte anzunehmende Unglück im Sport. Ich will gar nicht daran denken. Das wäre der Super-GAU", sagte der 68-Jährige bei Sport1. Auch Stuttgarts Bürgermeister Fritz Kuhn bangt: "Der VfB ist ein Imageträger der Stadt. Es wäre herb, wenn er nicht mehr in der Bundesliga spielen würde."

Sollte es tatsächlich soweit kommen, will ausgerechnet der Weltmeister im Team dem Klub die Treue halten - obwohl der Etat von derzeit 43 Millionen Euro um die Hälfte schrumpfen würde. Falls es nicht reicht, "würde ich niemals so den Verein verlassen, sondern es wieder ausbügeln. Ich brenne. Dafür habe ich zu viel Stolz", schrieb Kevin Großkreutz bei Instagram.

Trotz aller Probleme beim VfB steht für die Buchmacher ein anderer Traditionsklub ganz oben auf der Liste der potenziellen Absteiger: Eintracht Frankfurt (eine Meisterschaft, vier Pokalsiege, ein Europacup-Erfolg) hat eine noch schlechtere Quote als die Schwaben. Das liegt auch daran, dass der Eintracht (33 Punkte) im bevorstehenden Duell mit Borussia Dortmund kaum etwas zugetraut wird.

Vielleicht ist das auch der Grund für das etwas arg offensichtliche Ablenkungsmanöver des scheidenden Klubchefs Heribert Bruchhagen, der über die Methoden (Bowlingabend) des Lokalrivalen und Konkurrenten Darmstadt 98 (35 Punkte) hergezog. "Die Situation ist sehr angespannt. Jetzt zählt ausschließlich die Konzentration auf dem Trainingsplatz. Wer glaubt, eine Mannschaft auf der Bowlingbahn formen zu können, der liegt falsch", sagte Bruchhagen bei Sky Sport News HD: "Einen Gemeinschaftsabend zu machen und dann mal richtig auf den Tisch zu hauen, das ist der größte Blödsinn aller Zeiten."

Darmstadts Trainer Dirk Schuster konterte Bruchhagen vor der Partie bei Hertha BSC. "Er darf seine Meinung haben. Die wird voll respektiert. Wir haben die Mannschaft auf der Bowlingbahn nicht auf das Spiel vorbereitet", sagte der Coach: "Die Bowling-Einheit war eine gute Abwechslung zur täglichen Trainingsarbeit."

Ob Bruchhagen auch den Ansatz der Bremer (vier Meisterschaften, sechs Pokalsiege, ein Europacup-Erfolg) kritisch beäugt, ist nicht überliefert. Werder (34 Punkte) setzt auf totale Konzentration und reiste bereits am Donnerstag zum letzten Auswärtsspiel beim 1. FC Köln. "Wir wollen uns mit der nötigen Ruhe auf das Spiel fokussieren. Es gilt, den Schwung aus dem Stuttgart-Spiel mitzunehmen und die Konzentration hochzuhalten", sagte Trainer Viktor Skripnik, der einen leidenschaftlichen Auftritt mit kühlem Kopf fordert: "Wir wollen nicht ab der ersten Minute nach vorne rennen und Harakiri machen."

Konzentriert wollen auch 1899 Hoffenheim und der FC Augsburg (beide 37 Punkte) zu Werke gehen. Schließlich können sich die Kraichgauer (in Hannover) und die bayrischen Schwaben (bei Schalke 04) schon am vorletzten Spieltag retten.

(sid)
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