1. Bundesliga 17/18
| 07.16 Uhr

Wirtschaftliche Folgen
Das kostet ein Abstieg

"Wir melden uns vom Abgrund" – Neues aus dem Abstiegskampf
"Wir melden uns vom Abgrund" – Neues aus dem Abstiegskampf FOTO: dpa, Kombo rpo
Düsseldorf. Wenn ein Abstieg feststeht, kommen erst einmal die Tränen und der Schock. Doch die Emotionen werden schnell abgelöst. Von einem ganzen Rattenschwanz wirtschaftlicher Folgen, denen sich ein Klub gegenübersieht, dessen Profis demnächst eine Liga tiefer spielen. Von Stefan Klüttermann und Patrick Scherer

Rückkehr Die vielleicht größte Krux eines Abstiegs ist die Hürde Wiederaufstieg. Denn der Weg zurück ist ein Kraftakt, der den meisten nicht gelingt. Nicht einmal jeder dritte Bundesligaabsteiger schaffte in den zurückliegenden zehn Jahren den direkten Wiederaufstieg. Und mit jedem weiteren Jahr im Unterhaus wird es, auch das zeigt die Historie, immer schwerer.

Umsatz Mit 627 Millionen Euro war der FC Bayern in der Saison 2015/16 Krösus der Bundesliga, deren 18 Vereine im Schnitt 170 Millionen Euro umsetzten. Alle 18 Zweitligisten setzten im selben Zeitraum weniger um als der FC Bayern allein (608 Millionen Euro - ein Schnitt von knapp 34 Millionen). Absteiger Hannover kalkulierte für die laufende Zweitligasaison mit Einbußen von 40 Millionen Euro im Umsatz. Bremen hätte im vergleichbaren Fall ähnlich gerechnet. Oft genug wird Einbußen mit Personalkürzungen begegnet. Da kann es den Jugendtrainer genauso treffen wie die Mitarbeiterinnen auf der Geschäftsstelle.

TV-Gelder Ab dem 1. Juli greift der neue TV-Vertrag. Dann wird knapp eine Milliarde Euro an die 36 Profiklubs ausgeschüttet (Bis zur Saison 2020/21 steigt der Betrag auf nahezu 1,4 Milliarden). 70 Prozent der Einnahmen werden nach einer Fünf-Jahres-Wertung (getrennt für beide Ligen) im Verhältnis 4:1 verteilt. 565 Millionen Euro für das Oberhaus, 141 Millionen für das Unterhaus.

23 Prozent werden nach einer ligaübergreifenden Fünf-Jahres-Tabelle mit 36 Teams verteilt. In dieser Kategorie kann ein Zweitligist mehr bekommen als ein Erstligist. Das ist als Rettungsfallschirm für langjährige Bundesligaklubs beim Abstieg gedacht.

Die restlichen sieben Prozent werden nach einer 20-Jahres-Tabelle und der Bewertung der Nachwuchsförderung verteilt. Der Letzte der 1. Liga erhält so rund 22 Millionen Euro, die Absteiger noch rund 20 Millionen. Der Letzte der 2. Liga bekommt etwa 6,5 Millionen. Gravierender ist die Differenz zwischen 2. und 3. Liga. Für die 20 Drittliga-Teams stehen zusammen gerade mal 12,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Sponsoring Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass die Verträge der Vereine mit Ausrüstern und Sponsoren leistungsbezogen gestaffelt sind. Ein aktuelles Beispiel liefert Fortuna Düsseldorf. Zum 1. Juli wird Uhlsport für mindestens vier Jahre neuer Ausrüster des Zweitligisten. 450.000 Euro pro Saison kassiert Fortuna in der 2. Liga - 750.000 Euro wären es in der 1. Liga, das sind 67 Prozent mehr.

Stadion Die eigene Arena kann eine große Belastung werden. Bestes Beispiel ist der 1. FC Kaiserslautern. Der Klub stieg 2012 letztmals ab. Die Pacht für das zur WM 2006 ausgebaute Fritz-Walter-Stadion wurde daraufhin zwar reduziert, dennoch fließen 2,6 Millionen Euro pro Jahr an die Stadt. Zum Vergleich: Der Lizenzspieleretat beträgt deshalb im fünften Jahr Zweitklassigkeit nur noch etwas mehr als 8,5 Millionen. Auch die Zuschauerzahlen sinken im Regelfall beim Abstieg. Fest steht: Je größer das Stadion, desto größer ist das Loch in der Kasse. Bei einer 50.000 Plätze fassenden Arena ist das Minus größer als beim Stadion mit einem Fassungsvermögen von 15.000 Plätzen.

Transfers Die Einnahmenseite wird durch Spieler geschwächt, die bei einem Abstieg ablösefrei wechseln dürfen - oder eine Ausstiegsklausel besitzen. Zudem verschlechtert sich die Verhandlungsposition bei Spielern, die aufgrund der zu hohen Gehaltskosten abgegeben werden müssen. Dabei sind viele Vereine nach einem Abstieg auf Transfereinnahmen angewiesen, um andere Etatlöcher zu stopfen.

Quelle: RP
 
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