1. Bundesliga 16/17
| 07.48 Uhr

Rapolder, Gross, Toppmöller, Magath
Der Trainer als Star – gestern gefeiert, heute gefeuert

Bundesliga: Der Trainer als Star – gestern gefeiert, heute gefeuert
Uwe Rapolder trainierte zuletzt die SG Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga. FOTO: rpo, Falk Janning
Düsseldorf. Im Moment stehen die Fußball-Lehrer Thomas Tuchel und Alexander Zorniger hoch im Kurs. Von Uwe Rapolder, Christian Gross, Klaus Toppmöller und Felix Magath redet niemand mehr. Von Gianni Costa und Robert Peters

Es ist nicht leicht, Fußball-Lehrer zu sein. Es reicht längst nicht mehr aus, mediengerecht in die Kameras zu lächeln. Immer mehr Profivereine erwarten von Bewerbern, dass diese entweder ein Konzept oder zumindest so etwas wie Star-Appeal mitbringen. Derzeit haben Thomas Tuchel und Alex Zorniger in der Branche den besten Ruf und werden überall dort gehandelt, wo ein Konzept oder ein wenig Ausstrahlung auf der Trainerbank tatsächlich nicht abträglich wären. Tuchel soll bereits bei RB Leipzig im Wort stehen, um Zorniger sollen der VfB Stuttgart (der hat seinen alten Trainer Huub Stevens noch gar nicht entlassen) und Fortuna Düsseldorf buhlen. Doch Vorsicht: Wer heute begehrt ist, kann schon morgen vergessen sein. Ein paar Beispiele.

Uwe Rapolder (56) ist mit der Empfehlung guter Arbeit und eindrucksvoller Vorträge bei Arminia Bielefeld vom 1. FC Köln 2005 verpflichtet worden. Fünf Monate nach seiner Vorstellung wurde er wieder verabschiedet - der sportliche Erfolg blieb aus. Und er kam bis heute nicht nachhaltig wieder. Rapolder, so heißt es, neige dazu, seine Spieler intellektuell zu überfordern. Vorgestern setzte der Drittligist SG Sonnenhof Großaspach den Mann mit der Beethoven-Mähne vor die Tür.

Christian Gross (60) Es gab mal eine Zeit, da wurde reflexhaft immer der Name des Schweizers ins Spiel gebracht, wenn es bei irgendeinem Klub in der Bundesliga brannte. Gross wurde alles zugetraut. Der VfB Stuttgart verpflichtetet den heute 60-Jährigen 2009 dann tatsächlich. Seine Halbwertzeit war ziemlich kurz - und Gross spielt hierzulande keine Rolle mehr. Seit fast drei Jahren hat er keinen Klub mehr trainiert. Jetzt trainiert er Al-Ahli in Saudi-Arabien - nicht gerade die erste Adresse im Weltfußball.

Klaus Toppmöller (63) Er trainierte den Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und die Nationalmannschaft von Georgien. In Frankfurt schleppte er zu Schulungszwecken einen ausgewachsenen Adler in die Mannschaftskabine, Leverkusen führte er ins Champions-League-Finale. Er legte sich öffentlich mit jeder Größe im Geschäft an - über Berti Vogts sagte er zum Beispiel mal: "Wenn ich so Fußball gespielt hätte wie er, hätte ich mit 18 Jahren meine Schuhe verbrannt." Unterdessen sind offensichtlich weder seine Motivationskunst noch sein zumindest in Leverkusen und Frankfurt vorbildliches Spielmodell nicht mehr gefragt. Heute betreibt Toppmöller eine Kneipe in der Eifel.

Felix Magath (61) ließ seine Spieler künstliche Hügel hinaufsprinten, Gewichte und Medizinbälle schleppen. Er bestellte sie zu Gesprächen ins Büro und redete dann kein Wort mit ihnen. Bayern führte er zweimal in Folge zum Double aus Meisterschaft und Gewinn des DFB-Pokals. Mit Wolfsburg feierte er eine sensationelle Meisterschaft, aber danach hatte er außer Medizinball-Methodik nicht mehr viel zu bieten. Immerhin überraschte er auf Schalke mit einem neuen Personalmodell. Magath verpflichtete Dutzende von Spielern, deren Namen er vermutlich selbst nicht kannte - ganz nach dem Motto: Es wird schon einer dabei sein, den ich gebrauchen kann. Dabei verlor er irgendwann den Überblick. Bei der Rückkehr nach Wolfsburg war er nur noch eine Erinnerung an bessere Zeiten. Und beim englischen Zweitligisten FC Fulham wurde er vollends entzaubert. An eine Zukunft im Fußball glaubt nur noch einer: Magath selbst.

Quelle: RP
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