1. Bundesliga 16/17
| 10.27 Uhr

20. Bundesliga-Spieltag
Hingucker: Schiedsrichter-Schelte und Karneval am Mikro

Fotos: Xabi Alonso muss nach umstrittenem Gelb-Rot vom Platz
Fotos: Xabi Alonso muss nach umstrittenem Gelb-Rot vom Platz FOTO: ap
Düsseldorf. Wieder einmal standen am 20. Bundesliga-Spieltag die Schiedsrichter im Fokus. In Ingolstadt und in Leverkusen wurde viel diskutiert. In Mönchengladbach wurde bereits Karneval gefeiert. Das und mehr in unseren Hinguckern des Tages.

Aufreger des Tages I: Stefan Kießling

Für Sky-Experte Markus Merk war der Fall klar. "Bei Stefan Kießling war mindestens ein- bis zweimal Gelb dabei. Deshalb war es für mich Gelb-Rot in der ersten Halbzeit", sagte der ehemalige Lauterer Fifa-Schiedsrichter über den Stürmer von Bayer Leverkusen, der beim 0:0 gegen Bayern München in den ersten 45 Minuten gegen Joshua Kimmich und Arturo Vidal zweimal rüde eingestiegen war.

Kießling war sich indes keiner Schuld bewusst, und Bayer-Trainer Roger Schmidt sprang seinem Schützling ebenfalls zur Seite: "Die drei Fouls von Stefan waren sicher nicht mehr als eine Gelbe Karte. Ich finde das okay, was der Schiedsrichter gemacht hat."

Aufreger des Tages II: Jan Moravek vs. Pascal Groß

Wieder einmal war ein Elfmeter in einem Ingolstadt-Spiel umstritten: Nach der Benachteiligung beim 0:2 in Dortmund ermöglichte der Schiedsrichter durch den Pfiff den entscheidenden Srafstoß zum 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg. "Wenn ich sechs Meter weg stehe und pfeife den Elfer, da fehlen mir die Worte", schimpfte FCA-Trainer Markus Weinzierl und Manager Stefan Reuter votierte erneut für den Video-Beweis. Augsburgs Jan Moravek spitzelte Pascal Groß fünf Minuten vor dem Abpfiff den Ball vom Fuß, Weiner zeigte sofort auf den Punkt. Eine Fehlentscheidung.

Platzverweis des Tages: Xabi Alonso

Drei Fouls leistete sich Xabi Alonso im Bundesliga-Topspiel des FC Bayern München bei Bayer Leverkusen – und sah für zwei Vergehen jeweils eine Gelbe Karte. Und wie alle wissen, bedeuten zwei Gelbe eine Gelb-Rote Karte, der Spanier wurde von Schiedsrichter Knut Kircher  vorzeitig unter die Dusche geschickt. Die erste Verwarnung ging noch in Ordnung, das zweite Foul hätte Kircher allerdings anders bewerten und auf eine weitere Gelbe Karte verzichten müssen.

Zumal Kircher in diesem Moment seine Linie verließ, denn zuvor ließ der Unparteiische in mehreren ähnlich harten Szenen die Karten stecken. So kam es nach dem Schlusspfiff zu unterschiedlichen Ansichten der Verantwortlichen. Während Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer der Meinung war, dass die Gelb-Rote Karte gegen Alonso unberechtigt war, sprach Bayer-Trainer Roger Schmidt von einer vertretbaren Entscheidung. So unterschiedlich können Meinungen sein, wobei Sammer in diesem Fall die richtige hatte.

Besucher des Tages: Jose Mourinho

Böse Zungen behaupteten, der Besuch von Star-Trainer Jose Mourinho im Berliner Olympiastadion sei das Aufregendste beim müden 0:0 im Bundesliga-"Spitzenspiel" zwischen dem Tabellenzweiten Borussia Dortmund und dem Dritten Hertha BSC gewesen. Und tatsächlich sorgte die Anwesenheit von "The Special One" auf Einladung von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auch nach dem Abpfiff für Gesprächsstoff. Tuchel kommentierte den hohen Besuch mit viel Humor. "Ich wusste es nicht, das ist überhaupt nicht okay!", sagte Tuchel mit gespielter Entrüstung im Presseraum. Kurze Pause, Gelächter unter den Journalisten, dann die Auflösung: "Die Wahrheit ist: Ich wusste es, und es ist natürlich völlig okay." Kurze Pause, dann der nächste Scherz: "Wenn er mich nächste Woche ablöst, dann ist es nicht mehr okay."

Das gilt als ausgeschlossen. Mourinho, der im Dezember 2015 beim FC Chelsea beurlaubt wurde, wird sehr wahrscheinlich ab der kommenden Saison wieder in der englischen Premier League arbeiten. Offenbar verhandelt der Portugiese derzeit mit Rekordmeister Manchester United über einen Vertrag.

Comeback des Tages I: Martin Stranzl

Rauschenden Applaus gab es in der 84. Minute. Er galt dem 20-jährigen Mahmoud Dahoud nach seiner Glanzleistung – und Martin Stranzl. Der Innenverteidiger feierte nach fünfmonatiger Pause wegen einer Gesichtsverletzung eine bewegende Rückkehr. "Mega-Empfang, überragend, Riesenkompliment an die Fans", sagte der Österreicher. Der hatte sich die Verletzung beim 0:3 gegen den HSV am 11. September 2015 zugezogen. Damals war es für den 35-Jährigen ebenfalls das Comeback nach fünf Monaten Verletzungspause.

Comeback des Tages II: Julian Draxler

Wie erwartet musste sich Julian Draxler auf Schalke ein Pfeifkonzert anhören. Seine Rückkehr hatte sich der Weltmeister im Trikot des VfL Wolfsburg aber schlimmer vorgestellt: "Es war alles im Rahmen. Ich wusste ja, was mich erwartet. Es war trotzdem schön, die alten Gesichter zu sehen." Die Pfiffe setzen Draxler weniger zu als das klare 0:3. "Es war generell ein Spiel zum Vergessen", urteilte der 22-Jährige.

Karnevalist des Tages: Havard Nordtveit

Er sorgte bei der Gladbacher Gala für das Tüpfelchen auf dem i. Harvard Nordtveit erkannte drei Minuten vor dem Ende die Situation sofort und beförderte den Ball aus 16 Metern gefühlvoll per Innenseitstoß über Bremens Keeper Felix Wiedwald hinweg zum 5:1 ins Tor. Danach ging es zum TV-Interview mit Sky, das er mit der legendären Groucho-Marx-Maske führte.

Zahl des Tages: Claudio Pizarro

182 - Claudio Pizarro ist seit Freitag alleiniger Fünfter in der Ewigen Torschützenliste. Mit dem verwandelten Foulelfmeter in der 56. Minute ließ der Peruaner in seinem 400. Bundesliga-Spiel den Leverkusener Goalgetter Ulf Kirsten (181) hinter sich. Vor dem 37-Jährigen stehen die einstigen Stars Gerd Müller (365), Klaus Fischer (268), Jupp Heynckes (220) und Manfred Burgsmüller (213).

Elfmeterschütze des Tages: Moritz Hartmann

Auf den "Bomber" Moritz Hartmann ist Verlass. "Der Moritz ist einfach eine Bank, der hat Nerven aus Stahl", sagte Kapitän Marvin Matip nach dem 2:1 (0:1) des FC Ingolstadt im bayerischen Derby gegen den FC Augsburg. Matip war deshalb schon vor der Ausführung des entscheidenden Elfmeters in der 85. Minute klar: "Wir sind durch."

Viermal trat Hartmann in dieser Saison schon zum Strafstoß an, viermal verwandelte der 29-Jährige. Diesmal aber, und das wusste Matip nicht, wackelte der Stürmer ein wenig. Ein Krampf plagte Hartmann in der Schlussphase, deshalb traute er sich nicht, in eine Ecke zu schießen, sondern zielte in die Tormitte. "Es war ein Sieg des Willens. Jeder ist an die Schmerzgrenze gegangen und hat Kilometer gefressen", sagte Hartmann.

Mit insgesamt fünf Treffern ist "unser Bomber", wie ihn Trainer Ralph Hasenhüttl gerne nennt, bester Torschütze des offensiv sehr sparsamen Aufsteigers, der bislang gerade 14 Tore zu Buche stehen hat, damit aber bemerkenswerte 26 Punkte sammelte. "Wir halten uns konstant in der Mitte, das ist eine Riesenleistung", sagte Hartmann. Und seine Tore sind dafür wesentlich mitverantwortlich. Trifft Hartmann, gewinnt Ingolstadt.

Handspiel des Tages: Christian Gentner

Armin Veh war sauer. Auf die Entscheidung von Schiedsrichter Peter Sippel aus München und auf die Hand von Christian Gentner. "Wir hätten den Elfmeter bekommen müssen", sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem 2:4 (0:2) gegen den VfB Stuttgart in der Bundesliga: "Das war ein klarer." Und Veh hatte recht.

Der Stuttgarter Gentner hatte den Ball im eigenen Strafraum in der 38. Minute regelwidrig mit der Hand abgewehrt, zu diesem Zeitpunkt stand es erst 1:0 für die Schwaben. "Einige Dinge sind gegen uns gelaufen, fast alle Dinge", sagte Veh zerknirscht, er wollte Sippel aber auch "keinen Vorwurf" machen. Schiedsrichter seien ja schließlich auch nur Menschen.

"Das ist schade für uns, es hätte auch anders ausgehen können", sagte Veh. Auch VfB-Trainer Jürgen Kramny räumte ein: "Es war ein schweres Spiel und ein gutes von beiden Mannschaften. Es hätte in beide Richtungen gehen können. Den Elfmeter hätte man geben können." Am Ende gab es ihn aber eben nicht. Veh war sauer – und die Eintracht muss sich wieder mit dem bitteren Abstiegskampf auseinandersetzen.

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