1. Bundesliga 16/17
| 09.44 Uhr

Kolumne: Gegenpressing
Abbitte für die Ultra-Bewegung

Fotos: Choreo der Fortuna-Ultras gegen Union Berlin
Fotos: Choreo der Fortuna-Ultras gegen Union Berlin FOTO: Christoffer Kleindienst
Meinung Nach den Länderspielen ist die Freude auf die Bundesliga und deren Fankultur groß. Fußball ohne Krach macht einfach keinen Spaß. Von Robert Peters

Es wird Zeit für ein Geständnis: Seit den Oster-Länderspielen bin ich endgültig ein Anhänger der Ultra-Bewegung. Bis vor ein paar Tagen fand ich das selbst unvorstellbar, mal so einen Satz über die Fußballfans zu schreiben, die sich für das Gewissen und die Stimmungsgaranten eines ganzen Sports halten. Deren Zeremonienmeister (Vorsänger nennen sie die) im Zaun vor der Kurve hängen und dort für dauerhaften Gesang sorgen.

Dauergesang und Sendungsbewusstsein haben mich immer gestört. Dafür leiste ich nun in aller Öffentlichkeit Abbitte und werde wahrscheinlich demnächst zu Fuß in eine jener Kathedralen pilgern, in denen das Ultratum besonders blüht. Am besten also nach Dortmund.

Diese grundlegende Neuorientierung im Spätherbst meines furchtbar langen Fußballlebens verdanke ich vor allen Dingen dem Länderspiel in Berlin, währenddessen noch weniger los war als sonst bei Länderspielen. Aber nicht mal in Leipzig, wo im vergangenen Oktober der Gigant Georgien mit 2:1 vom Rasen gefegt wurde, war es so leise wie im Olympiastadion, das schon wegen seiner Nazi-Architektur alles andere als eine Spaß-Arena ist. Man hörte bis unters Dach, wenn einer den Ball wegschlug. Und nur weil die Engländer ihr Liedgut abspulten, hörte man nicht jeden Stoßseufzer der Trainer. Dagegen ist jedes Regionalliga-Spiel eine ohrenbetäubende Veranstaltung.

Erst recht jedes Bundesliga-Spiel. Da ist es laut, und es gibt eine regelrechte Fankultur - auch außerhalb der Ultraszene. Die Lautstärke im Stadion gehört zum Fußball-Erlebnis, und sie führt ganz nebenbei zum vielzitieren Heimvorteil, weil Anhänger der Heimmannschaft in der Regel in der Überzahl sind.

Fußball ohne Krach macht einfach keinen Spaß. Da könnte man ja gleich zum Schach gehen - womit nichts gegen diesen ehrenwerten (Denk-)Sport gesagt sein soll. Aber noch mal solche Abende wie in Berlin oder Leipzig: Nö, schon die Aussicht macht Bauchschmerzen. Und die Adresse der führenden Schachklubs von Sachsen und Berlin-Brandenburg kenne ich auch nicht. Vielleicht kann da jemand helfen.

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Quelle: RP
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