1. Bundesliga 16/17
| 19.49 Uhr

Transfer-Rekord in Deutschland
Bundesliga gibt mehr als eine halbe Milliarde Euro aus

Porträt: Serge Gnabry: deutscher Olympia-Star
Porträt: Serge Gnabry: deutscher Olympia-Star FOTO: dpa, crj jhe
Hamburg. Knapp 540 Millionen Euro haben die Bundesliga-Klubs in der Sommer-Transferzeit in neue Spieler investiert. Das ist Rekord. An die englische Premier League kommt Deutschland aber noch lange nicht ran.

Olympia-Held Serge Gnabry ist eines der Gesichter des Transferrekords in der Bundesliga. Der Königstransfer des Liga-Schlusslichts Werder Bremen, Silbermedaillengewinner von Rio, einigte sich gut zwei Stunden vor Schließung des Transferfensters (Mittwoch, 18 Uhr) auf einen Wechsel zu den Hanseaten, und die neue Ausgaben-Höchstmarke war da schon längst erreicht. Knapp 540 Millionen Euro haben die deutschen Klubs während der sommerlichen Transferperiode für neues Personal ausgegeben. Damit wurde die letztjährige Ausgabe-Bestmarke von etwa 300 Millionen Euro pulverisiert.

Fünf bis sechs Millionen Euro war den Hanseaten die Verpflichtung des 21-Jährigen vom FC Arsenal wert. Gerüchte, wonach sich der deutsche Rekordmeister Bayern München als weiterer Vertragspartner ein Vorkaufsrecht auf den Offensivspieler gesichert hätte, dementierte Werder-Geschäftsführer Frank Baumann: "Wir waren liquide genug, um diesen Transfer alleine zu stemmen." Sogar noch etwas später als der Nordrivale schlug der Hamburger SV zu, der am Mittwochabend den brasilianischen Olympiasieger Douglas Santos für angeblich rund zehn Millionen Euro verpflichtete.

Infografik: Transferrekorde in Europas Top-Ligen | Statista
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Bundesliga im internationalen Ranking Dritter

Das meiste Geld, laut transfermarkt.de rund 1,23 Milliarden Euro schon bis Mittwochabend, investierte dank der Milliarden-Einnahmen durch den TV-Vertrag wieder einmal die Premier League. Hinter dem englischen Oberhaus rangiert die italienische Serie A mit knapp 700 Millionen Euro Investitionen auf Platz zwei vor der Bundesliga. Erst dahinter folgt die spanische Primera Division (460 Millionen Euro) vor der französischen Ligue 1 (190). Vor Frankreichs Eliteklasse ist sogar noch die zweite englische Liga (227 Mio.) platziert.

Vor dem Ende der Transferfrist wurde es auch in Deutschland nochmals hektisch. So wollte Tottenham Hotspur plötzlich angeblich 45 Millionen für den deutschen Olympia-Auswahl-Kapitän Max Meyer von Schalke 04 ausgeben, der VfL Wolfsburg lockte Innenverteidiger Philipp Wollscheid von Stoke City auf Leihbasis für eine Saison an den Mittellandkanal. Wollscheids Ex-Klub Bayer Leverkusen bestätigte einen Wechsel von Kyriakos Papadopoulos auf Leihbasis zum Neuling RB Leipzig.

Einigen Fußballlehrern dreht sich das Wechselkarussell mittlerweile zu schnell - und vor allem zu lang. "Für eine verkürzte Transferzeit bis spätestens 31. Juli wäre ich sehr zu haben. Wenn wichtige Spieler rausgerissen werden, mit denen man eigentlich geplant hat, dann ist es wahnsinnig schwer", sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking.

Auch sein Leverkusener Kollege Roger Schmidt sehnt den September herbei: "Wenn fünf Tage vor dem ersten Pflichtspiel noch Anfragen kommen, beschäftigt das die Spieler. Das ist doch klar."

Klopp: "Wir handeln mit Spielgeld"

Dabei gehört die Bundesliga noch zu den Ligen, die das Transferfenster am frühesten schließt. In anderen Topligen wie Italien, Frankreich, Spanien und England hingegen läuft die Frist erst um 23.00 Uhr, 23.59 Uhr (!) oder 24.00 Uhr ab. Exoten wie Katar bespielsweise lassen noch bis zum 22. September neue Profis ins Land.

Die Summen, die im Sommer 2016 in Europa für Transfers umgesetzt wurden, sind schwindelerregend. Sie lösen bei Teammanager Jürgen Klopp vom FC Liverpool mittlerweile Unbehagen aus. "Wir handeln wie mit Spielgeld. Wenn der Scheich keinen Bock mehr hat, wäre alles vorbei" sagte der Coach mit Blick auf die englischen Liga-Konkurrenten, die von Geldgebern aus dem arabischen Raum massiv unterstützt werden.

Thomas Tuchel, Klopps Nachfolger beim deutschen Vizemeister Borussia Dortmund, sieht ebenfalls die Relationen nicht mehr gewahrt: "Die Summen stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Leuten, die ins Stadion kommen, um sich ein Spiel anzusehen. Wenn es nur noch um Geld und Transaktion geht, verlieren wir die Beziehung zu den Menschen."

(areh/sid)
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