1. Bundesliga 17/18
| 08.37 Uhr

Hier wurde es ganz eng
Wenn das Torverhältnis über den Abstieg entscheidet

Bundesliga: Wenn das Torverhältnis über den Abstieg entscheidet
Stefan Effenberg und Friedel Rausch bejubeln den Gladbacher Klassenerhalt 1998. FOTO: Dieter Wiechmann
Düsseldorf. Wenn am Ende die schlechtere Tordifferenz über einen Abstieg entscheidet, ist das besonders bitter. Auch am letzten Spieltag dieser Saison kann der Gang in die Relegation noch vom Torverhältnis abhängen. Fünf Geschichten aus der Vergangenheit, bei denen die Tore den Ausschlag gaben.

Saison 1970/71

Knapper war es nie: Am Ende entscheidet ein Tor zwischen Rot-Weiss Oberhausen und Kickers Offenbach über den Abstieg. Die Kickers gehen mit einem Punkt Vorsprung vor Oberhausen in den letzten Spieltag und führen zur Pause sogar mit 2:1 gegen den 1. FC Köln, während Oberhausen mit 0:1 bei Eintracht Braunschweig zurückliegt. Im Anschluss nimmt das Offenbacher Unheil allerdings seinen Lauf. Zunächst gleicht Oberhausen aus und auch Offenbach kassiert den Ausgleichstreffer, doch noch haben die Hessen einen Punkt und ein Tor Vorsprung. Ein Kölner-Doppelschlag in der 79. und 82. Minute besiegelt jedoch den Abstieg der Offenbacher – die abschließende Tordifferenz (-16) ist um einen Treffer schlechter als die von Oberhausen (-15).

Saison 1988/89

Ein Novum in der Bundesliga: Gleich vier Mannschaften liegen nach 34 Spieltagen zwischen Platz 14 und 17 mit 26 Punkten gleichauf. Die Tordifferenz entscheidet schließlich, wer drinbleibt, Relegation spielt oder direkt absteigt. Das schlechteste Los ziehen dabei die Stuttgarter Kickers. Die Schwaben gewinnen zwar am letzten Spieltag mit 1:0 beim 1. FC Nürnberg und ziehen mit den Franken (Platz 14) nach Punkten gleich – doch den Kickers fehlen mit dem schlechtesten Torverhältnis (-27) am Ende vier Treffer gegenüber Platz 16 und Eintracht Frankfurt. Die Eintracht muss dagegen lange zittern, liegt gegen Hannover 96 mit 0:1 zurück, ehe Karl-Heinz "Charly" Körbel in der 66. Minute zum überlebenswichtigen Punktgewinn trifft. Spannend macht es auch der VfL Bochum, der 0:5 bei Bayern München untergeht, am Ende auf Platz 15 (-20) jedoch eine um drei Tore bessere Differenz als Frankfurt (-23) aufweisen kann. Die anschließende Relegation gewann Frankfurt gegen Saarbrücken. 

Saison 1993/94

Ein Katastrophen-Endspurt für den 1. FC Nürnberg. Am 32. Spieltag verlieren die Nürnberger mit 1:2 bei Bayern München, ein Spiel, welches durch das sogenannte "Phantomtor" von Thomas Helmer in die Geschichte eingeht und im Anschluss vom DFB annuliert und neu angesetzt wird. Das Rückspiel geht mit 0:5 aus Sicht der Franken verloren. Damit nicht genug, stemmt sich der SC Freiburg mit drei Siegen in Folge am Ende noch gegen den Abstieg und verdrängt die punktgleichen Nürnberger am letzten Spieltag auf Platz 16. Freiburg weist in der Abschlusstabelle eine um elf Treffer bessere Tordifferenz auf.

Saison 1997/98

Der Karlsruher SC zieht im Endspurt alle Register: Trainer-Ikone Winfried Schäfer wird sieben Spieltage vor Saisonende nach fast zwölf Jahren beurlaubt, Feuerwehrmann Jörg Berger soll den KSC vor dem Abstieg bewahren. Die Mission scheint gut zu gehen. Vor dem letzten Spieltag liegen die Badener drei Punkte vor Platz 16 und Borussia Mönchengladbach. Thomas Häßler bringt den KSC gegen Hansa Rostock sogar in Führung, da stört selbst die 2:0-Führung der Gladbacher beim VfL Wolfsburg nicht – ein Punkt reicht schließlich. Doch das Blatt wendet sich, der KSC bricht ein und verliert noch mit 2:4. Beide Teams sind punktgleich nach 34 Spieltagen, doch die Borussia (-5) besitzt im Vergleich zu Karlsruhe (-12) die deutlich bessere Tordifferenz. Gladbach feiert unter Trainer Friedel Rausch das "Wunder von Wolfsburg". 

Saison 1998/99

Der Abstiegskrimi schlechthin. Nie ging es am letzten Spieltag dramatischer zu: Gleich viermal wechselt die Mannschaft auf Platz 16, in den letzten 23 Minuten fallen zehn entscheidende Tore. Die Schlusspointe: Am Ende liegen Eintracht Frankfurt und der 1. FC Nürnberg sowohl von den Punkten (37) als auch von der Tordifferenz (-10) gleichauf. Die mehr geschossenen Tore entscheiden – und da führt Frankfurt (44) vor Nürnberg (40). Mit ausschlaggebend ist am Ende ein 5:1-Erfolg der Eintracht am letzten Spieltag gegen Kaiserslautern. Vier Eintracht-Tore fallen dabei erst nach der 70. Minute, der letzte per legendärem Übersteiger von Jan Aage Fjörtoft in der 89. Minute. Der "Club", als Tabellenzwölfter mit drei Punkten Vorsprung in den Spieltag gestartet, muss am Ende auf Platz 16 absteigen. Kurios: Dieses mal steht Berger an der Seitenlinie der Eintracht und Rausch bei Nürnberg. 

(dbr)
 
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