1. Bundesliga 16/17
| 07.17 Uhr

Bundesliga-Zwischenfazit
Gute Zeichen, schlechte Zeiten

So nah waren die Verfolger an den Bayern dran
So nah waren die Verfolger an den Bayern dran FOTO: afp
Düsseldorf. Nach zehn Spielen bietet die Bundesliga ein unerwartetes Bild: Oben sind Leipzig und Hoffenheim, ganz unten der HSV. Von Robert Peters

Die Tage werden kürzer, der Besinnungsfaktor steigt. Auch bei den Bundesligisten. Knapp ein Drittel der Saison ist gespielt, die nächste Länderspielpause erlaubt den Klubs eine Zwischenbilanz. Das wichtigste Ergebnis: Nach vielen Jahren gibt es wieder eine Spitzengruppe, und es drängen Vereine nach vorn, die dort niemand erwartet hat.

Positive Überraschungen So gut haben sich das nicht einmal die Marketing-Genies beim Limonaden-Konzern Red Bull vorgestellt. Ihr Projekt Leipzig funktioniert bereits im ersten Jahr nach dem Aufstieg. Platz zwei, punktgleich mit Branchenführer Bayern München - das ist die größte Überraschung der Saison. Nur knapp dahinter liegen die Hoffenheimer. In jeder Beziehung, nicht nur in der Tabelle. Mit einem modernen, angriffslustigen Fußball-Ansatz fordern die beiden Teams die Konkurrenz so nachdrücklich heraus, dass ein dramatisches Abkippen nicht mehr zu erwarten ist.

Auch die anderen Mannschaften im oberen Drittel, auf den Rängen, die europäischen Fußball verheißen, sind nicht die Platzhirsche der vergangenen Jahre. Köln hat sich weiter konsolidiert und ist noch schwerer zu schlagen als vergangene Saison. Eintracht Frankfurt hat nicht nur dieses Kunststück geschafft (Köln zu bezwingen), die Eintracht hat ebenso viele Punkte gewonnen wie Borussia Dortmund. In Frankfurt wird mal wieder von großen Tagen geträumt. Diesmal sogar mit Recht. Fußball-Berlin ist notorisch von eigener Klasse überzeugt. In dieser Saison wird diese Überzeugung durch ein Team unterstrichen, das alle Tugenden eines funktionierenden Kollektivs vereint. Vielleicht reicht diesmal die Kraft auch bis in die zweite Saisonhälfte.

Negative Überraschungen Der neuerliche Absturz des Hamburger SV ist möglicherweise gar keine so große Überraschung. Schließlich wurde die Mannschaft nur dort mit neuen Spielern aufgefüllt, wo es eigentlich gar nicht nötig war – nämlich in der Offensive. In Zahlen drückt sich nicht einmal das aus. Vier lumpige Törchen hat der HSV zusammengebracht, allein Anthony Modeste vom 1. FC Köln traf bislang elfmal. Jene Mannschaftsteile, die zur Verhinderung von Gegentoren beitragen sollen, werden beim Traditionsverein Hamburg traditionell vernachlässigt. Das Gesamtkunstwerk entspricht dem Tabellenplatz 18. Von derartigen Niederungen sind der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach weit entfernt. Beinahe ebenso weit aber haben sich die beiden Klubs von ihren eigenen Ansprüchen abgesetzt. Budget und Qualität des Aufgebots verpflichten im Prinzip zur Teilnahme am internationalen Fußball. Beide brauchen dringend eine Erfolgsserie. In Wolfsburg ist es bereits sehr unruhig geworden, und Trainer Dieter Hecking verlor den Job. In Mönchengladbach wird die Ruhe in der Klubführung beschworen, die Erfolge der jüngeren Vergangenheit aber machen die Fans ziemlich ungeduldig. "Wir müssen jetzt so viele Punkte wie möglich holen", sagt Kapitän Lars Stindl. Der spricht sonst nicht viel, aber da hat er recht.

Im Aufwärtstrend Schalke und Bayer Leverkusen sind ebenfalls nicht auf den Plätzen, die sie und das große Fußballvolk für angemessen halten. Es sieht aber ganz so aus, als hätten die Mannschaften die Trendwende hinbekommen. Bayer punktete in Liga und Champions League und bewahrte damit Trainer Roger Schmidt vor sehr unangenehmen Nachfragen. Die besseren Plätze sind schon wieder in Sichtweite. Schalke hat den katastrophalen Fehlstart mit fünf Niederlagen in der Bundesliga beinahe wieder ausgeglichen. Der Weg zurück ins obere Drittel ist dennoch weit.

Im Soll Bayern München ist Tabellenführer. Das ist normal. Anders als in den zurückliegenden Spielzeiten aber marschieren die Münchner nicht derart vorweg, dass die sogenannte Konkurrenz die vielzitierten Ferngläser benötigt. Im Gegenteil. Leipzig kann die Bayern ganz aus der Nähe betrachten, Hoffenheim holte ein 1:1 in München und ärgerte sich nachher über die vergebene Chance auf ein noch besseres Ergebnis. Das ist neu. In der Vergangenheit bedankten sich Gäste in der Münchner Arena für die Gnade, dort überhaupt mal auftreten zu dürfen. Und wer weniger als fünf Gegentore bekam, der wertete das als Erfolg. Die Zeiten sind vorbei. Das liegt weniger an den Verfolgern (auch etwas Neues) als vielmehr an den Bayern, die ein bisschen sehr viel irdischer wirken. Vorerst.

Quelle: RP
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