Nürnberg - Dortmund 0:2: BVB zieht auf zehn Punkte davon
zuletzt aktualisiert: 05.12.2010 - 19:20Nürnberg (RPO). Den ersten Pseudo-Titel hat Borussia Dortmund bereits in der Tasche, doch groß gefeiert wurde die Herbstmeisterschaft nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg beim 1. FC Nürnberg nicht. Die Rekordjäger des BVB nahmen den achten Auswärtssieg in Folge ganz gelassen auf und lagen damit ganz auf der Linie ihres Trainers Jürgen Klopp, für den die Herbstmeisterschaft überhaupt keinen Wert hat.
"Wir haben nichts gefühlt oder gespürt, deswegen haben wir uns ganz normal auf das Spiel vorbereitet", sagte Klopp, der wenigstens einräumte: "Ich kann natürlich auch die Tabelle lesen. Aber bis jetzt ist es nur eine sehr erfolgreiche Saison, das würden wir gerne fortführen. Dass in der Bundesliga noch keiner vor uns acht Auswärtsspiele in Folge gewonnen hat, ist ehrlich gesagt auch für mich überraschend."
Dortmund ist derzeit das Maß der Dinge in der Liga und munter auf Rekordjagd. 40 Punkte hatte noch keine Mannschaft nach 15 Spielen. Acht Auswärtssiege in Folge schaffte zuvor nur Bayern München, allerdings saisonübergreifend 2005. Und dass eine Elf sich so früh den "Titel" des Halbzeit-Champions sichert, gab es zuvor auch erst zwei Mal.
Jung-Nationalspieler Mats Hummels mit seinem zweiten Saisontor (23.) und der Pole Robert Lewandowski (88.), der zum fünften Mal traf, sicherten dem jetzt seit 14 Liga-Spielen unbesiegten BVB bereits den sechsten Sieg in Folge, der für die Herbstmeisterschaft eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Denn die hatten die Borussen schon am Samstag im Anflug auf Nürnberg gewonnen. Nach glaubhaften Versicherungen verschiedener Anwesender war es ruhig im Flieger, als die 1:2-Niederlage von Verfolger Mainz 05 in Frankfurt durchgegeben wurde.
Zehn Punkte beträgt jetzt der Vorsprung auf den ersten Verfolger Mainz, schon 17 auf Titelverteidiger Bayern München. Hochrechnungen stellt Klopp dennoch nicht an. "Ich habe mich in meinem Leben noch nie mit dem Titelkampf beschäftigen dürfen oder müssen. Und Prozentrechnen war auch nie meine Stärke", sagte Klopp, der mit seiner jungen Mannschaft jedes einzelne Spiel als Endspiel ansieht.
Dortmund konnte sich am Sonntag sogar einige wenige Unkonzentriertheiten leisten, weil Nürnberg zu viele Probleme im Spiel nach vorne hatte. Dazu kam die schon bekannte Schwäche bei Standards, die Dortmund das 1:0 ermöglichte. Hummels lief Club-Kapitän Andreas Wolf bei einem Freistoß von Nuri Sahin im Rücken davon und köpfte unbedrängt ein.
"Wenn man von der Mittellinie einen Ball schlagen kann und der 50 Meter in der Luft ist, dann ist das ein klarer individueller Fehler von Andi Wolf. Da kann ich heute nicht den Mantel des Schweigens darüber legen", sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking, der sich über die vierte Niederlage in Folge ärgerte: "Denn eigentlich haben wir heute vieles richtig gemacht. Aber wenn man zu viele kleine Fehler macht, enden die dann in einem großen, nämlich dass man das Spiel verliert."
"Extrem ärgerlich", fand Nürnbergs Manager Martin Bader das erste Gegentor, "da müssen wir gieriger sein". Wohl auch deshalb kündigte er an, dass die Franken in der Winterpause womöglich noch einmal personell nachlegen werden. Wobei Heckings Weihnachtswunsch ziemlich genau umrissen wäre. "Es muss schon alles passen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen, der Charakter, und derjenige müsste zur Mannschaft passen", sagte er.
Wie dünn die Personaldecke nach den Ausfällen von vier wichtigen Spielern aktuell ist, machte die Tatsache klar, dass Hecking dem erst 18 Jahre alten Linksverteidiger Marvin Plattenhardt zum Profi-Debüt verhalf. Der U19-Nationalspieler vertrat den gesperrten Javier Pinola. Er machte seine Sache wechselweise gegen Mario Götze und Kevin Großkreutz ordentlich. Beim BVB spielte Robert Lewandowski für den verletzten Top-Torschützen Lucas Barrios, und ist nach seinem fünften Saisontor zwei Minuten vor Schluss jetzt alleiniger Dritter der internen BVB-Torschützenliste.
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Statistik
Nürnberg: Raphael Schäfer - Judt (68. Ekici), Maroh, Wolf, Plattenhardt - Simons - Hegeler, Cohen (83. Mendler), Gündogan, Mak (75. Eigler) - Schieber. - Trainer: Hecking
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Sahin (90. Santana) - Götze, Kagawa (85. da Silva), Großkreutz (61. Blaszczykowski) - Lewandowski. - Trainer: Klopp
Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
Tore: 0:1 Hummels (23.), 0:2 Lewandowski (88.)
Zuschauer: 48.548 (ausverkauft)
Beste Spieler: Raphael Schäfer, Hegeler - Hummels, Sahin
Gelbe Karten: Schieber (2), Gündogan - Lewandowski (2), Subotic (4)
Torschüsse: 8:18
Ecken: 3:6
Ballbesitz: 46:54 Prozent
Fouls: 12:15
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