Augsburg - Gladbach 1:0: Callsen-Bracker wird zum Spielverderber
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 10.12.2011 - 17:21Augsburg (RPO). Borussia Mönchengladbach hat den Sprung an die Tabellenspitze verpasst. Beim FC Augsburg gab es eine verdiente 0:1(0:0)-Niederlage. Das Tor für den Aufsteiger erzielte der Ex-Gladbacher Jan-Ingwer Callsen-Bracker mit einem abgefälschten Freistoß in der 51. Minute.
Es war die vierte Niederlage für das Team von Lucien Favre in dieser Saison, nach zuletzt fünf Spielen ohne Niederlage wurde Gladbachs Höhenflug damit erstmal gestoppt. Augsburg überzeugte vor allem kämpferisch, Borussia kam nicht wie gewohnt ins Spiel und leistete sich viele unnötige Fehler. Lucien Favre musste umstellen. Havard Nordtveit hatte sich eine Prellung im Sprunggelenk zugezogen und war nicht mitgereist nach Augsburg. Für den Norweger spielte Thorben Marx, der zuletzt beim 0:1 in Freiburg am 1. Oktober in der Startformation gestanden hatte. Im Angriff blieb es bei dem gegen Dortmund erprobten Duo Mike Hanke und Raúl Bobadilla, die gegen den Meister in bester Zusammenarbeit das Tor zum 1:1 herausgespielt hatten.
Bobadilla, der Ersatz für den noch immer wegen seines gebrochenen Zehs fehlenden Marco Reus, zeigte sogleich, dass er sich etwas vorgenommen hatte. In der dritten Minute schoss er nach Vorarbeit von Patrick Herrmann aus 16 Metern – doch der Ball flog am Ziel vorbei. Die Aktion des Argentiniers zeigte: Borussia wollte beim Tabellenletzten schnell etwas bewegen. Augsburg stand tief, die Gladbacher machten in der Anfangsphase das Spiel.
Das Team des früheren Borussia-Trainers Jos Luhukay setzte zunächst ganz auf Konter. Dies Gelegenheit dazu ergab sich meist, wenn die Borussen zu flapsig waren im Aufbauspiel und sich unnötige Ballverluste leisteten. Eben dies ist ganz und gar nicht nach dem Geschmack von Lucien Favre, der Dominanz durch Ballbesitz fordert. In der 8. Minute kam Thorsten Oehrl durch, doch Marc-André ter Stegen schnappte ihm den Ball vom Fuß. Verteidiger Dante hob danach unzufrieden den Arm hoch, er hatte einen Abseitspfiff erwartet.
Gladbacher Offensivspiel wirkt zerfleddert
Augsburg setzte der spielerischen Überlegenheit der Gäste Einsatz und Kampf entgegen. Die Borussen ließen sich davon mehr und mehr beeindrucken, der Aufsteiger hatte nun mehr Spielanteile, während das Gladbacher Offensivspiel etwas zerfleddert wirkte. Zu oft wurden lange Bälle in die Spitze gespielt, ein Stilmittel, das in Favres Konzept eigentlich eher verpönt ist. Augsburg Fans hatten sich derweil gegen Juan Arango verschworen, weil sich dieser vor einem Freistoß erst die Schulter hielt und dann plötzlich schoss. Bei jedem Ballkontakt gab es fortan Pfiffe gegen den Venezolaner.
Augsburgs aggressives Spiel schmeckte den Borussen nicht wirklich. Sie schafften es nicht, das Geschehen zu beruhigen, zudem wirkte die Abwehr bei den Angriffen des Gegners nicht immer gut sortiert. Kurz: Borussia tat sich schwer. Von der Leichtigkeit des Seins, die Gladbach durch die Topspiele gegen Bremen (5:0), in Köln (3:0) und gegen Dortmund (1:1) getragen hatte, war nichts zu sehen. Das Spiel in Augsburg war harte Arbeit.
In der 30. Minute gab es dann eine Doppelchance für den FC: Erst flog nach der zweiten Ecke der Augsburger ein Kopfballversuch von Oehrl knapp über das Tor, dann verlor ter Stegen bei einem Abspielversuch den Ball, rettete aber noch gegen Tobias Werner. In der 35. Minute versuchte es Werner, der für viel Unruhe sorgte, erneut, doch ter Stegen griff bei seinem Schuss vom Strafraumeck sicher zu – wie auch in der 40. Minute, als Werner Tony Jantschke abermals entwischte, Ob es die Favoritenbürde war, die Borussia hemmte? Die Automatismen jedenfalls funktionierten im kalten Augsburg nicht wie gewohnt. Da fehlte dann vielleicht auch einer wie Marco Reus, der mit einer plötzlichen Einzelaktion die Verkrampfung lösen kann. Juan Arango, der dazu durchaus in der Lage ist, tat es auch nicht – die meisten seiner Pässe waren zu ungenau.
Lucien Favre gefiel überhaupt nicht, was er sah, der Trainer lamentierte ausgiebig an der Linie und schüttelte immer wieder den Kopf. Favre hatte seine Spieler auf Augsburgs rustikale Art vorbereitet, und doch ließen sie sich davon beeindrucken. Gleich nach der Pause leistete sich Dante vor dem eigenen Strafraum einen Querschläger, aus dem Augsburg kein Kapital schlagen konnte. Dante, aber auch Filip Daems und Jantschke hatte einige solcher Aktionen, die die innere Sicherheit gefährdeten. Vorn war Raúl Bobadilla zumindest bemüht, verhaspelte sich aber meist; Mike Hanke, zuletzt in Köln und gegen Dortmund insgesamt dreimal Torschütze, kam gar nicht ins Spiel.
Dante war es auch, der in der 51. Minute den Freistoß verursachte, der das Augsburger Stadion in einen Freudentaumel versetzte: Der Brasilianer foulte an der Strafraumgrenze Sascha Mölders. Den fälligen Freistoß schoss Jan-Ingwer Callsen-Bracker, der Ball wurde abgefälscht und flog ins Netz. 1:0 für Augsburg – und das durch einen Ex-Borussen. Callsen-Bracker spielte von 2008 bis Ende 2010 in Gladbach, wurde dort aber nicht glücklich und kam nur auf elf Bundesliga-Einsätze. Geholt hatte ihn Jos Luhukay, dem er dann nach Augsburg folgte. Nun traf er die Borussen empfindlich mit seinem Tor und bestätigte damit das ungeschriebene Fußballgesetz, dass Spieler gegen ihre Ex-Klubs besonders gern treffen.
Nach dem Tor wurde es noch hektischer auf dem Rasen. Borussia brachte den Gegner allerdings kaum einmal ernsthaft in Gefahr, zu kompliziert wurden die Angriffe vorgetragen. Es lief einfach nicht an diesem Tag. Nach dem Festspielen gegen Bremen, Köln und Dortmund riss Augsburg Favres Team jäh in den tristen Alltag zurück. Auch Igor de Camargo, Mathew Leckie und Yuki Otsu, die Favre in der Schlussphase brachte, konnten die vierte Saisonniederlage nicht mehr abwenden. Ausgburg verdiente sich den Sieg mit großem Einsatz. Und für Jan-Ingwer Callsen-Bracker dürfte es ein Erfolg mit hohem Genugtuungs-Faktor sein.
Statistik:
Augsburg: Amsif - Verhaegh, Callsen-Bracker, Sankoh, De Jong - Hosogai, Davids - Baier (85. Brinkmann), Werner (78. Hain) - Oehrl (90.+1 Sinkala), Mölders. - Trainer: Luhukay
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Marx (76. Otsu), Neustädter - Herrmann (70. Leckie), Arango - Hanke, Bobadilla (65. de Camargo). - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Tor: 1:0 Callsen-Bracker (51.)
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Mölders, Callsen-Bracker (5), Hosogai (3) - Marx (2), de Camargo (2)
Torschüsse: 9:13
Ecken: 5:4
Ballbesitz: 47:53 Prozent
Fouls: 19:21
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

























