HSV-Trainer für kurze Zeit: Cardoso vertraut seinem Instinkt
zuletzt aktualisiert: 20.09.2011 - 15:52Hamburg (RPO). Der Hamburger SV hat einen neuen Trainer - zumindest für ein Spiel. Rodolfo Esteban Cardoso wird am Freitag gegen den VfB Stuttgart auf der Bank sitzen. Als Nachfolger für den geschassten Oenning werden derweil reichlich Namen gehandelt - Favorit ist ein alter Bekannter.
Rodolfo Esteban Cardosos Ausflug in die Bundesliga beginnt mit einem Abstieg - zumindest tabellarisch. Der Argentinier tauscht das Traineramt eines souveränen Tabellenführers gegen das bei einem stark abstiegsgefährdeten Tabellenletzten. "Der Verein hat mir in vielen schwierigen Situationen geholfen. Jetzt bin ich dran", sagte Cardoso.
Der etatmäßige Trainer der zweiten Mannschaft des Hamburger SV übernimmt das Bundesligateam. Das Spiel am Freitag (20.30 Uhr/Live-Ticker) als Interimslösung nach der Trennung von Michael Oenning ist seine erste Partie als Chefcoach eines Bundesligisten - und dürfte gleichzeitig vorerst auch seine letzte sein.
Dabei weiß Cardoso, wie man ein Team zu Siegen führt. Entgegen der abgestürzten ersten Mannschaft bewies er in den vergangenen Wochen, dass man im Jahr 2011 beim HSV auch erfolgreich Fußball spielen kann. Der 42-Jährige führte die zweite Mannschaft des Vereins auf den ersten Platz der Regionalliga Nord. Fünf Siege aus sechs Spielen - es ist das komplette Kontrastprogramm zur Profimannschaft.
Derweil läuft die Suche nach einer Dauerlösung beim Renommierklub auf Hochtouren. Top-Favorit scheint derzeit Huub Stevens zu sein. Der Niederländer, der den HSV 2007 schon einmal auf Platz 18 übernommen und in ruhiges Fahrwasser geführt hatte, meldete bereits sein Interesse an. Dies gilt neuerdings auch für den ehemaligen Bondscoach Marco van Basten. "Die deutsche Liga ist eine interessante Liga. Sollte Hamburg uns kontaktieren, werden wir uns definitiv anhören, was sie zu sagen haben", sagte van Bastens Berater Perry Overeem der Tageszeitung Die Welt. Weitere Kandidaten: DFB-U19-Trainer Horst Hrubesch, Dänemarks Nationalcoach Morten Olsen sowie der dänische Ex-Nationalspieler Michael Laudrup.
Die Situation beim Krisenklub HSV ist unterdessen alles andere als rosig. Unter Oenning holte der Traditionsverein gerade einmal einen Punkt aus sechs Spielen. Zuletzt präsentierte sich das Team nicht bundesligareif. Der Tiefpunkt war nach dem blamablen 0:1 am vergangenen Wochenende gegen Borussia Mönchengladbach erreicht.
Viele Umstellungen dürfen die Fans am Freitag in Stuttgart allerdings nicht erwarten. Die schloss Interimstrainer Cardoso bei seiner Antrittsrede aus. "Ich mache keine Experimente", sagte der ehemalige Regisseur.
Einen kleinen Seitenhieb gegen seinen am Montag geschassten Vorgänger konnte er sich jedoch nicht verkneifen. "Bei mir wird es keine großen Sitzungen geben. Ich denke, dass die Jungs davon in letzter Zeit schon genug hatten."
Cardoso vertraut bei seinem Debüt als Bundesliga-Trainer auf seinen Instinkt. "Bisher hatte ich immer ein gutes Auge. Manche Spieler muss man hart anpacken, andere nicht so", sagte der frühere argentinische Nationalspieler. Er nahm aber einmal mehr seine Führungsspieler in die Pflicht: "Die Spieler mit den bekannten Namen stehen in der Pflicht."
Seine besten Jahre als Fußballer erlebte Cardoso unter anderem bei den Norddeutschen. Von 1996 bis 2004 trug er das HSV-Trikot, erzielte in 111 Bundesliga-Spielen für die Hamburger 17 Tore. "Ich war immer ein positiver Typ. Und ich versuche, diese Energie in die Mannschaft reinzubringen", sagte Cardoso. Positive Signale gab es bei den ersten beiden Trainingseinheiten am Dienstag. "Die Mannschaft hat heute im Training ein Zeichen gesetzt. Ich hoffe die Spannung hält bis Freitag", sagte er.
Cardoso kommt als Dauerlösung nicht infrage, dem Südamerikaner fehlt die notwendige Trainerlizenz. "Wir haben ihm klar gesagt, dass wir einen neuen Cheftrainer suchen", sagte Sportchef Frank Arnesen, nannte aber keine Namen für die Neubesetzung des Trainerpostens. Klubboss Carl-Edgar Jarchow gab zumindest das Anforderungsprofil für den neuen starken Mann auf der HSV-Bank zu Protokoll: "Er muss Deutsch sprechen und unsere Philosophie, mit jungen Spielern ein neues Team aufzubauen, mittragen." Die Liste der Kandidaten ist lang.
Klar ist: Der erste Schuss muss sitzen. Denn beginnen die Norddeutschen nicht schleunigst, Punkte zu holen, könnte es bald die erste Bundesliga-Saison ohne den HSV geben.
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