Lukas Podolski: Das Zehn-Millionen-Euro-Problem
zuletzt aktualisiert: 12.02.2010 - 11:08Augsburg/Köln (RP). Der peinliche Kurz-Auftritt von Lukas Podolski im Viertelfinale des DFB-Pokals erschien wie ein Zeitraffer seiner bisherigen Saison. Er kam, er weckte große Hoffnungen - und am Ende stand eine riesige Enttäuschung.
Es gibt den Sechs-Millionen-Dollar-Mann, die Sieben-Millionen-Dollar-Frau und den Zehn-Millionen-Euro-Einkauf des 1. FC Köln. Die beiden Erstgenannten in diesem zugegebenermaßen schiefen Bild können weit sehen, guten hören und besitzen überirdisch anmutende Kräfte, was sie zu erfolgreichen Stars in US-Serien werden ließ. Für die Fähigkeiten von Lukas Podolski wurde noch mehr Geld ausgegeben, doch seine Schnelligkeit, die Schussstärke, sein fußballerischer Instinkt wirken nicht mehr.
Stattdessen gibt es Platzverweise, Pokalpleite und viele Probleme: Bei der 0:2-Niederlage des 1. FC Köln im Pokal-Viertelfinale beim Zweitligadritten FC Augsburg machte ausgerechnet "Prinz Poldi" den Fußball-Bundesligisten zu Karnevalsbeginn zur Lachnummer.
Geldstrafen
Der 1. FC Köln hat mit Geldstrafen auf die Disziplinlosigkeiten von Lukas Podolski und Petit reagiert. Über die Höhe der Beträge machte der FC allerdings keine Angaben. Die Geldbußen sollen sich in dem Bereich bewegen, die für Platzverweise wegen unsportlichen Verhaltens klubintern vorgesehen sind. Laut "Bild"-Zeitung liegen diese zwischen 500 und 1000 Euro.
Lukas Podolski sorgte mit seinem Acht-Minuten-Gastspiel für den unrühmlichen Tiefpunkt beim peinlichen Auftritt der Rheinländer, die sich mit drei Hinausstellungen (Adil Chihi, Podolski, Petit) zum Narren machten. "In einem Pokalspiel, wo die Emotionen so hochkochen, kann so was passieren", kommentierte der 69-malige Nationalspieler lapidar seinen Aussetzer, der seinen Klub endgültig auf die Verliererstraße gebracht hatte.
Nur acht Minuten nach seiner Einwechslung leistete sich der 24-Jährige ein Foul, klatschte dann Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) für dessen Freistoßpfiff höhnisch Beifall und quittierte die darauffolgende Verwarnung mit einem erhobenen Daumen. Dies ließ sich Kinhöfer nicht bieten und schickte Podolski mit Gelb-Rot vom Platz. Daraufhin rastete der Stürmerstar aus und konnte offenbar nur von seinen Teamkollegen davon abgehalten werden, auf den Unparteiischen loszugehen.
Der zehn Millionen Euro teure Podolski, der sich durch mäßige Leistungen und Verletzungen immer mehr vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind entwickelt hat, sah nach dem Schlusspfiff immerhin seinen Fehler ein. "Ich war beim Schiri und habe mich entschuldigt", sagte der teuerste Spieler der Kölner Klubgeschichte. Seinen Platzverweis wollte er allerdings nicht als Grund für die Pleite der Gäste gelten lassen. "Die Gelb-Rote Karte hat das Spiel nicht entschieden", sagte er. "Wir haben es im Spiel vergeigt."
Die vergangenen Monate haben offensichtlich ihre Spuren beim teuersten Spieler der Kölner Klubgeschichte hinterlassen. Formschwäche, Kritik und Verletzungen machten aus dem Stürmerstar, der in der laufenden Bundesliga-Saison nur einen Treffer erzielt hat und seit 1123 Minuten auf ein Tor in einem Punktspiel wartet, ein Nervenbündel. Dass sich der FC zuletzt ohne Podolski besser als mit ihm präsentiert hatte, dürfte dem Torjäger den Rest gegeben haben.
Vielleicht sehnt sich Podolski schon jetzt nach dem Ende der Spielzeit und der Flucht in die Obhut der Nationalmannschaft. Im Dress der deutschen Auswahl hat der Stürmer schließlich so gut wie nie enttäuscht. Das dürfte auch erneut das Argument seines Fürsprechers Joachim Löw sein, wenn der Bundestrainer auf die Frage antworten muss, ob die WM-Teilnahme Podolskis angesichts seiner Leistungen eigentlich gerechtfertigt ist - und um diese Frage wird Löw nach derzeitigem Stand nicht herumkommen.
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