Hitzige Diskussionen um Elfmeter: De Camargo: "Die Aktion ging von ihm aus"
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 - 10:09Berlin (RP). Nach dem Erfolg von Mönchengladbach im Pokal-Viertelfinale bei Hertha BSC wird über den theatralischen Fall von Igor de Camargo diskutiert. Nicht nur in Berlin ist man über die Aktion empört. Am Niederrhein will man schnell zur Tagesordnung übergehen.
Es ist Berlinale. Hollywood-Schwergewichte wie Angelina Jolie, Brad Pitt, Keanu Reeves oder Uma Thurman kommen in die Hauptstadt. Wären sie am Mittwochabend im Olympiastadion gewesen, hätten sie Anschauungsunterricht fürs Fach bekommen. Auf dem grünen Rasen ging Mönchengladbachs Stürmer Igor de Camargo höchst theatralisch zu Boden und provozierte damit den Elfmeter, den Filip Daems zur vorentscheidenden 1:0-Führung nutzte. Am Ende siegte Gladbach 2:0 und zog ins Halbfinale ein.
"Die Aktion ging von ihm aus"
Der Hauptdarsteller des Abends fasste die Szene gestern nach dem Auslaufen so zusammen: "Er kam auf mich zugerannt, hat mich angerempelt und mich auch im Gesicht berührt. Die Aktion ging von ihm aus, nicht von mir", sagte de Camargo. Der Brasilianer erinnerte an eine ähnliche Szene aus der vergangenen Saison, in die er verwickelt war.
"Damals in St. Pauli kam auch ein Gegenspieler auf mich zu. Ich bin stehen geblieben, er ist gefallen und ich bin vom Platz geflogen. Nachher hat man mir das als Dummheit vorgeworfen", befand de Camargo. Auch sein Kollege Dante kam diese Situation in den Kopf. "Ich habe sofort an unser Spiel bei St. Pauli gedacht. Da hat Igor in einer ähnlichen Situation Rot gesehen und wir haben verloren. Jetzt war es andersherum, so ist es im Fußball eben", sagte Dante.
Jenseits des Borussia-Parks wurde der Fall de Camargos, der Borussia rund zwei Millionen Euro einbringt, heftig diskutiert. Sogar Dortmunds Nationalspieler Mats Hummels brachte sich ein. "Man kann auch peinlich ins Halbfinale einziehen", schrieb der BVB-Verteidiger auf Facebook. Nach zwei Stunden wurde Hummels' Beitrag gelöscht. Der Profi wies darauf hin, dass er nicht die ganze Mannschaft oder den Verein kritisiert habe. Jemandem einen Kopfstoß zu geben und sich daraufhin fallen zu lassen, sei nichtsdestotrotz peinlich, schrieb Hummels." "De Camargo hat den Fairplay-Gedanken mit Füßen getreten", sagte Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel.
Hertha-Trainer Skibbe ist außer sich
De Camargos Aktion ist sicherlich ein Schönheitsfehler des ersten Halbfinaleinzuges der Gladbacher seit 2004. Das positive Image der Mannschaft von Lucien Favre, die bislang mit ihrem erfrischenden Fußball verblüffte, hat einen leichten Kratzer bekommen. "Unfassbar, unfassbar", stöhnte Hertha-Trainer Michael Skibbe. Lucien Favre, ganz Schweizer, zog sich diplomatisch aus der Affäre. "Ich habe die Aktion nicht gesehen, ich habe mich auf andere Dinge konzentriert", sagte er. Filip Daems, der den Elfmeter gewohnt sicher verwandelte, gab ebenfalls an, nicht gesehen zu haben, was da in der 99. Minute im Berliner Strafraum passierte.
Hubnik hatte de Camargo die Chance zur Schauspielerei gegeben, als er auf den Gladbacher zu rannte. "Es war nicht so intelligent von ihm, da so hinzugehen", sagte Torwart Marc Andre ter Stegen. Dass de Camargos Aktion die entscheidende Szene war, stand außer Frage. "Das Spiel lässt sich auf einen Pfiff reduzieren", klagte Skibbe. "Heute könnte ein Lucky-Punch ausreichen", vermutete Gladbachs Sportdirektor Max Eberl schon nach 45 Minuten. Er sollte auf besondere Weise Recht haben.
Die Diskussion um de Camargo überschattet den großen Erfolg der Borussen. Sie sind Tabellenvierter, haben in den ersten drei Spielen der Rückrunde sieben Punkte geholt und nur ein Gegentor kassiert und sind jetzt noch ein Spiel vom Pokalfinale entfernt. "Darüber denke ich aber nicht nach. Meine Gedanken sind nur bei der Vorbereitung auf das Spiel gegen Schalke", sagte Lucien Favre.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

























