Borussia Mönchengladbach: De Camargo kann Reus ersetzen
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.02.2012 - 07:48Mönchengladbach (RP). Ob Borussia Mönchengladbachs bester Torschütze Marco Reus am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) in Kaiserslautern spielen kann, ist noch offen. Heute morgen testet der Nationalspieler beim Abschlusstraining seine Einsatzfähigkeit. Fällt Reus aus, würde der Belgier de Camargo an der Seite des wieder gesunden Mike Hanke spielen.
Marco Reus war gestern unterwegs. Um 12 Uhr hatte er einen Termin in München bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Der Bayern-Doktor sollte die Leistengegend des Geschwindigkeitsfußballers inspizieren. "Marco wollte eine zweite Meinung hören, deswegen ist er nach Absprache mit unserem Mannschaftsarzt Dr. Stefan Hertl nach München geflogen. Wir hoffen, dass seine Verletzung nicht so schlimm ist und er in Kaiserslautern spielen kann. Aber wir müssen die genaue Diagnose abwarten", sagte Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre.
Am Freitag könnte sich entscheiden, ob Reus, der ein wesentliches Element in Favres Team ist, morgen in Kaiserslautern mitwirken kann. "Ich hoffe, dass es geht", sagte der Fußballlehrer, der die Arbeit seines Musterschülers im höchsten Maße schätzt. "Er spielt wie auf der Playstation", pflegt er über Reus zu sagen. Reus ist derzeit total auf Erfolg programmiert, schon 13 Tore hat er in dieser Saison für Gladbach geschossen, dazu hat er drei Vorlagen geliefert. Natürlich aber hat sich Favre schon mit der Frage beschäftigt, wer seinen besten Offensivspieler ersetzen könnte: "Igor de Camargo wäre die erste Option."
Erst mal aber werden die Gladbacher schauen, ob Reus heute beim Abschlusstraining dabei sein kann. Fällt dieser Test positiv aus, wird Reus wohl spielen. Wenn die Beschwerden nur leicht sind und ein eingeschränktes Training möglich, würde die Entscheidung auf morgen vertagt. Dann würde Favre 19 Spieler mitnehmen in die Pfalz.
Schlechte Statistik ohne Reus
Rein statistisch wäre es für die Borussen durchaus ein Problem, wenn Reus ausfallen würde. Fünfmal fehlte der 22-Jährige, seit er im Sommer 2009 aus Ahlen nach Gladbach kam. Und gewonnen haben die Borussen nicht einmal. Ein Unentschieden gegen Dortmund gab es, ansonsten ging ohne Reus alles verloren. Das stützt die These, das Gladbach mit Reus besser ist.
De Camargo ist einer, der in der Vergangenheit schon häufiger für wichtige Tore zuständig war. Zwei seiner drei Saisontreffer brachten die 1:0-Auswärtssiege in München und Hamburg, auch das dritte Tor schoss de Camargo in der Fremde: das 3:0 in Stuttgart. Zurzeit lebt der belgische Nationalspieler mit brasilianischen Wurzeln mit einer Rolle als Ersatzmann. Natürlich tut er es nicht gern, aber er fügt sich, weil er den Erfolg des Teams sieht.
Während Reus noch Sorgen macht, kann Favre auf jeden Fall Mike Hanke einsetzen. "Ich bin fit und kann in Lautern spielen", meldete dieser am Donnerstag nach dem Morgentraining. Zwar war er noch dick eingemummelt in seine Winterjacke und schaute mit der pelzigen Kapuze aus wie einer, der zu einer Nordpol-Expedition aufbricht. Doch die Erkältung ist abgeklungen. Beim 3:0 gegen Schalke hatte Hanke ein Meisterstück fabriziert: Nach einem doppelten Doppelpass, erst mit Patrick Herrmann, dann mit Juan Arango, schoss er das 2:0.
"Das muss eigentlich das Tor des Monats sein, ich habe in den letzten Wochen kein schöneres Tor gesehen", sagte Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof. Es war ein Tor, das zeigte, dass Borussia auch ohne das Zutun von Reus zaubern kann. Hanke sieht diesen und andere Spielzüge als klaren Beleg dafür, dass "das, was wir im Training erarbeiten, im Spiel Wirkung zeigt". Er versichert zudem: "Wir können es noch besser." Angesichts dessen, was die Gladbacher gegen Schalke gezeigt haben, könnte es den seit elf Spielen sieglosen Lauterern angst und bange werden. Doch Lucien Favre warnt wie gewohnt: "Es wird schwer." Unabhängig von Reus.
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