Analyse zum Gladbach-Spiel: Der Freiburger Sieg war nicht korrekt
VON EUGEN STRIGEL - zuletzt aktualisiert: 03.10.2011 - 16:37Freiburg (RPO). Wir Schiedsrichter haben vor der Saison den Fokus auch auf die Abseitsregel gelegt. Wir wollten, dass die Extremsituationen im Bereich der "passiven" Auslegung etwas zurückgenommen werden. Grundsätzlich sind wir bisher mit den gezeigten Leistungen sehr zufrieden. Aber nach dem ersten Viertel der Saison ist es zu früh für eine abschließende Bewertung.
In Bezug auf die Abseitsauslegung gab es an den beiden letzten Spieltagen zwei Situationen, die wir gerne anders gesehen hätten. Im Spiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen erzielten die Bayern aus einem Freistoß das 2:0, bei dem aber Gomez im Abseits und in der Flugbahn des Balles stand. Daher wurde dieses Tor nicht korrekt erzielt.
Jetzt in Freiburg beim Spiel des SC gegen Borussia Mönchengladbach war es ähnlich. Das Tor von Joachim Flum hätte nicht anerkannt werden sollen. Obwohl sein Schuss abgefälscht wurde, stand Cedrick Makiadi im Abseits. Freiburgs Nummer 7 griff zwar nicht direkt ins Spielgeschehen ein, stand aber in der Flugbahn des Balles und nahm dem Gladbacher Torhüter so die Sicht. Makiadi sorgte so für eine Beeinträchtigung der Sicht des Torwarts, sodass aus der passiven eine aktive Abseitsstellung wurde. Der Treffer hätte nicht anerkannt werden sollen.
Infos zum Autor
Eugen Strigel ist Mitglied der DFB-Schiedsrichter-Kommission und analysiert strittige Szenen des Bundesliga-Spieltags.
Saison gut angelaufen
Obwohl es vonseiten der Gladbacher keine Proteste gab, analysieren wir die kritischen Szenen nach jedem Spiel. Ich war in Freiburg Schiedsrichter-Beobachter. Nach dem Spiel haben wir die Situation in der Kabine besprochen. Natürlich ist es im Nachhinein viel einfacher, mit diversen Zeitlupen und Standbildern jede Szene exakt auszuwerten und die richtigen Schlüsse zu ziehen. In Freiburg wäre es besser gewesen, auf Abseits zu entscheiden.
Zweiter Punkt, auf den wir besonders achtgeben wollten: Der Schutz von Spielern vor überharten Fouls. Wird die Gesundheit der Spieler bei einem Foul gefährdet, gibt es nur eine richtige Entscheidung: die Rote Karte. Auch hier gab es am Wochenende einen Fall, der hätte für eine härtere Bestrafung sorgen müssen: Das Foul von Augsburgs Hajime Hosogai in der 80. Minute an Dortmunds Chris Löwe mit einer Gelben Karte zu ahnden, war falsch. Bei so einem harten Einsteigen gibt es nur eine richtige Konsequenz: Platzverweis!
Das harte Einsteigen sind Einzelfälle. Genauso die Fehlentscheidungen, die in der laufenden Saison durch die Schiedsrichter getroffen wurden. Mir fällt keine Fehlentscheidung ein, über die mehrere Tage diskutiert wurde. Deshalb ist die Saison für uns Schiedsrichter eigentlich gut angelaufen. Wird nicht diskutiert, ist das wie ein Sonderlob für uns Schiedsrichter.
Deshalb möchte ich stellvertretend für viele kniffelige, schwierige und richtige Entscheidungen eine Szene des achten Spieltags besonders hervorheben: Dass das Gespann beim Tor von Bastian Schweinsteiger in Hoffenheim auf Abseits entschied, war nicht einfach zu sehen, aber absolut korrekt entschieden.
Der Ruf der Schiedsrichter hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Wer heute sagt, dass er Bundesliga-Schiedsrichter ist, erhält anerkennende Blicke und sportliche Hochachtung. Wir haben in Deutschland 80.000 Schiedsrichter und in den höheren Klassen A bis zur Bundesliga auch kein Nachwuchsproblem. Aber ganze Arbeitsgruppen werden beschäftigt, unzählige Tagungen abgehalten, Wettbewerbe inszeniert und Werbewochen veranstaltet, um für die Schiedsrichter-Gewinnung vor allem an der Basis zu werben.
Die Bundesliga-Schiedsrichter sind unsere Aushängeschilder mit Vorbildcharakter. Deshalb werden wir weiter auch selbstkritisch mit uns umgehen, damit wir uns möglichst selten in den Schlagzeilen wiederfinden.
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