Bundesliga-Check: Der HSV braucht Petric-Tore
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 03.08.2011 - 15:15(RP). Das Gründungsmitglied der höchsten deutschen Fußballklasse hat sein Team stark verjüngt. Stürmer Petric soll allerdings bleiben und den Klub wieder in die oberen Tabellenregionen führen.
Düsseldorf Sie ziert sich noch, die Hamburger Diva. Denn eine Diva will, das ist hinlänglich bekannt, umworben werden, mit Geschenken überhäuft. Ungefähr darum geht es wohl bei Mladen Petric. Der kroatische Angreifer ist einer der letzten Stars im Bundesliga-Kader des Hamburger SV. Und genau deshalb versucht der Klub mit allen Mitteln, seine Diva, deren Vertrag ausläuft, an der Elbe zu halten. Sogar zum Kapitän wollten sie ihn machen. Doch Petric ist noch nicht überzeugt – und hat die Gespräche über eine Verlängerung des Kontrakts erst mal auf Eis gelegt.
Die Saison hat für den HSV noch gar nicht so richtig angefangen, und schon brodelt es wieder. Dabei sollte in dieser Spielzeit doch alles anders werden. Die zwei teuersten Spielerkader der Vereinsgeschichte hatten in den beiden vergangenen Jahren einen europäischen Wettbewerb verpasst. Höhepunkt war die bittere 0:6-Klatsche bei Bayern München, die Trainer Armin Veh letztlich den Job kostete. Doch weil sich vermeintliche Qualität nicht dauerhaft auf Pump finanzieren lässt, wird in Hamburg abgespeckt.
Verantwortlich dafür ist der neue Star der Hanseaten. Er kommt vom FC Chelsea, seine Fußballerkarriere ist jedoch schon ein Weilchen her. Frank Arnesen ist der neue Sportchef an der Elbe. Erfahrung bringt er reichlich mit – bekleidete er dieses Amt doch schon bei PSV Eindhoven und bei Chelsea London. Von seinem letzten Arbeitgeber aus England brachte er sogleich drei Jungspieler mit nach Hamburg.
Jeffrey Bruma zum Beispiel. Der 19-jährige Niederländer ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn ein hoffnungsvolles Jungtalent zu früh den Sprung ins Ausland wagt. Bruma ging als 15-Jähriger von Rotterdam nach England – und bestritt dort in vier Jahren ganze 279 Minuten in der Premier League. Doch in der neuen HSV-Politik ist Bruma, der trotz seiner in England begrenzten Einsatzzeit schon zweimaliger niederländischer Nationalspieler ist, so etwas wie ein "Königstransfer". Denn größere Namen gibt es in dieser Saison an der Elbe einfach nicht.
Wie auch? Der neue Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow gibt ein eisernes Sparkonzept vor. Das Gehaltsbudget wurde von 48 auf 36 Millionen Euro gekürzt. Also mussten teure Profis wie Ruud van Nistelrooy, Frank Rost, Zé Roberto und Joris Mathijsen gehen. Für sie kamen Leute wie Bruma, Michael Mancienne, Gökhan Töre (alle Chelsea) und Per Skjelbred von Rosenborg Trondheim. "Unser Kader war viel zu alt", sagt Trainer Michael Oenning. "Wir mussten etwas verändern."
Ein Weg, der nicht ohne Stolperpotenzial ist. Das weiß man auch beim HSV. Denn alles neu macht nicht gleich alles gut. "Das ist eine große Chance", sagt Frank Arnesen dazu. "Aber auch ein gewisses Risiko." Immerhin – das Grundgerüst der Mannschaft ist in Ansätzen eingespielt. Jaroslaw Drobny ist zwar schon ein Jahr im Verein, saß jedoch nur auf der Bank. Und auch die Defensivleute Heiko Westermann – der nun Kapitän bleibt – und David Jarolim sind bekannte Stützen im HSV-System. Offensiv ist der HSV stark besetzt. Von Eljero Elia wird mehr erwartet, genau wie von Stürmer Paolo Guerrero, der vergangene Saison hauptsächlich durch einen Trinkflaschenwurf in das Gesicht eines Fans auffiel. Bleibt noch die Diva: Mladen Petric. Er kann der Star des Hamburger SV sein. Wenn er es denn will.
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