Ankunft in der Nacht: Der HSV und das Warten auf Westermann
zuletzt aktualisiert: 22.07.2010 - 17:05Längenfeld (RPO). Der Transfer von Schalkes Heiko Westermann zum Hamburger SV ist zur Hängepartie geworden. Am Donnerstag fehlte von dem Nationalspieler im Trainingslager der Hanseaten im österreichischen Längenfeld zunächst weiter jede Spur. Doch für kurz vor Mitternacht wird seine Ankunft in Tirol eingeplant.
Dabei schien der Ausgang des Pokers für alle Beteiligten ohnehin schon lange klar. Westermann sieht bei den Gelsenkirchenern keine Perspektive auf den Stammplatz in der von ihm bevorzugten Abwehrzentrale. Der HSV überweist für seine Dienste rund 7,5 Millionen Euro an S04.
Doch Westermanns Unterschriften fehlten: Unter dem Vertrag in Hamburg und unter der Auflösungsvereinbarung bei Schalke 04. Alles andere war geklärt - angeblich schon länger. Zuletzt gab es auf der Homepage des HSV für ein paar Stunden sogar bereits ein Interview mit dem potenziellen Zugang zu lesen. "Der HSV ist ein geiler Klub mit sehr vielen Fans, in einem geilen Stadion und einer schönen Stadt", war der dort abgebildete Westermann zitiert worden. In der Hand: Ein HSV-Trikot. Im Hintergrund: Alster und Rathaus.
Auch den Medizincheck hat der Abwehrspieler, der die WM in Südafrika wohl nur aufgrund eine Kahnbeinbruchs im Sprunggelenk verpasste, bei den Hamburgern bereits bestanden. Jetzt scheinen endlich auch die letzten fehlenden Formalitäten erledigt. Dem ersehnten Abwehrbollwerk mit Westermann und Hollands Vize-Weltmeister Joris Mathijsen steht wohl nichts mehr im Wege.
Ein Blick auf den bisherigen Kader der Hamburger verdeutlicht, wie dringend die Hanseaten einen Innenverteidiger mit entsprechender Klasse benötigen. Neben Mathijsen steht nur noch David Rozehnal für diese Position zur Verfügung. Der Tscheche, vor der vergangenen Saison für fünf Millionen Euro verpflichtet, entpuppte sich bisher jedoch nur als grandioser Transferflop - für Westermann die große Chance, künftig ausschließlich auf seiner Libelingsposition zu glänzen.
"In Hamburg hat man einen Innenverteidiger gesucht. Ich denke, dass ich hier meine Stärken gut einbringen kann", sagt der 19-malige Nationalspieler, der bei Schalke zuletzt immer wieder auf verschiedenen Defensivpositionen aushelfen musste. "Für Heiko ist die Position der Knackpunkt. Wir sind bei den Innenverteidigern gut aufgestellt, aber der HSV hat dort Bedarf", sagt S04-Trainer Felix Magath, der sich durch Millionen-Ablöse weiteren Spielraum für die Zusammenstellung seines Kaders erhofft.
Der HSV bringt den Betrag auch durch die Gelder seines neuen Investors Klaus-Michael Kühne auf, der dem Vernehmen nach rund 2,5 Millionen Euro zu dem Transfers beisteuert. Im Gegenzug erhält der Mäzen bei einem Weiterverkauf Westermanns 30 Prozent. Möglicherweise ist Kühnes Schatulle in den kommenden Wochen allerdings noch weiter gefordert.
Nach den Abwehrspielern Westermann, Dennis Diekmeier und Lennard Sowah sowie Torhüter Jaroslav Drobny soll noch mindestens ein Mittelfeldspieler kommen. Ganz oben auf der Wunschliste: Gojko Kacar von Erstliga-Absteiger Hertha BSC Berlin. Im Angriff betrieb der HSV am Donnerstag hingegen Personalabbau. Marcus Berg, der im vergangenen Sommer für zehn Millionen Euro in die Hansestadt gewechselt war und floppte, wurde auf Leihbasis zur PSV Eindhoven weitergereicht.
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