Mit Bremen mischt Ex-Gladbacher die Liga auf: Der kleine Marin ist groß geworden
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 15:39Bremen (RPO). Wenn es Marko Marin gut geht, dann zieht der Fußballer von Werder Bremen meist sein ihm typisches Grinsen auf. Manchmal ist nicht ganz durchschaubar, ob er einfach nur ein Spitzbube ist oder in weit er damit seine Unsicherheit verbergen will. Momentan hat Marin aber viele Gründe, einfach nur aus purer Freude zu grinsen.
Denn Marin zählt zu den Shootingstars, die gerade mit Werder Bremen die Bundesliga aufmischen. Mit 6:0 hatten die Norddeutschen zuletzt in Freiburg gewonnen - und das war nicht die erste Gala, die Werder in dieser Saison geboten hat. 29 Treffer haben die Bremen bereits erzielt und sich nach einer Saison-Auftaktniederlage gegen Frankfurt schon auf den zweiten Tabellenplatz vorgeschoben.
Der kleine Marin (1,70 Meter Körpergröße) ist ein Teil dieses Teams, das mit atemberaubendem Kombinationsfußball die Liga verzaubert. Vom "magischen Dreieck" wird schon gesprochen, wenn von Marin und seinen Offensivpartnern Aaron Hunt und Mesut Özil die Rede ist. Der Brasilianer Diego, der in den vergangenen Jahren für Werders Ruhm zuständig war und im Sommer zu Juventus Turin wechselte, ist kein Thema mehr
Nicht viele hatten es Marin zugetraut, dass er - der Lehrling aus Mönchengladbach - so nahtlos in diese Rolle schlüpfen könne. Als "Talent - mehr nicht", hatte ihn Trainer Hans Meyer noch in der Vorsaison bei Borussia Mönchengladbach bezeichnet. Meyer verzichtete bisweilen im Abstiegskampf sogar auf die Dienste seines Stars, der schon am Niederrhein außergewöhnliche Dinge machte.
Immer in der Startformation
Ebenso antiquiert wie Meyer es schon länger ist, wirkt heute dessen Prognose, dass Marin in Bremen weniger Spiele in der Startformation bestreiten werde, als unter Meyer in Mönchengladbach. 25 Mal durfte Marin in der Vorsaison von Beginn an auflaufen, in dieser Spielzeit verpasste bei den bisherigen 13 Bundesliga-Partien keine einzige Startformation.
"Ich habe mich bei Werder an den Rhythmus gewöhnt und bin jetzt komplett angekommen", sagt Marin. Nachtreten gegen Meyer mag er nicht. "Es gab eine Zeit, in der mich solche Sprüche gestört haben", gibt er zu und glaubt, dass "Herr Meyer seine Meinung inzwischen geändert hat."
Mit Werder-Trainer Thomas Schaaf kommt Marin in jedem Fall noch besser klar. Schaaf baut auf den 20 Jahre alten Offensivspieler und gibt ihm trotz diverser Defizite in der Defensive das nötige Vertrauen, um befreit aufspielen zu können. Ein guter Fußballer war Marin immer, nur konnte er das nicht immer zeigen. Über acht Millionen Euro zahle Werder für Marin an die Borussia.
Groß war die Erwartungshaltung, als er die Gladbacher vor dem Abstieg bewahren sollte. Bei der U21-EM in Schweden belastete ihn vergangenen Juni zudem seine Zukunft. Unklar war lange, ob ihn Gladbach nach Bremen gehen lassen würde. Der Kopfmensch Marin litt unter dieser Situation und gehörte zu den schlechteren deutschen Spielern. Als Deutschland im EM-Finale die Engländer mit 4:0 schlug, saß Marin draußen. Offiziell war er körperlich verletzt - von den mentalen Schmerzen ganz zu schweigen.
In Bremen hat er diesen Ballast abgeworfen. Mannschaftsdienlich spielt er, erzielte schon zwei Tore und war an mehreren Treffern beteiligt. Der kleine Marko Marin ist schon ganz schön groß geworden.
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