FC Bayern hat Probleme: Der lange Schatten von Louis van Gaal
zuletzt aktualisiert: 16.08.2011 - 10:22München (RPO). Auch 128 Tage nach der Entlassung von Louis van Gaal hängt der Schatten des ehemaligen Trainers bleiern über Bayern München. Für Jupp Heynckes drängt die Zeit: Bis zum Play-off-Hinspiel in der Champions League am Mittwoch gegen den FC Zürich muss er dem Rekordmeister mehr Durchschlagskraft vermitteln.
Es war ein ungemütlicher Montagmorgen an der Säbener Straße. Dunkle Wolken hingen über dem Hauptquartier des FC Bayern München, der Regen prasselte unaufhörlich aufs Übungsgelände. Arjen Robben wird dankbar gewesen sein, dass er nicht auf den Platz musste.
Er arbeitete im Kraftraum an seiner Fitness, sein Rücken, das immerhin sickerte durch, erhole sich. Der Superstar dürfte im 20-Millionen-Euro-Spiel gegen den FC Zürich (Mi., 20.45 Uhr im Live-Ticker) mitwirken können - nach dem holprigen Saisonstart der Bayern kommt dieser Neuigkeit größere Bedeutung zu als sie es ohnehin hätte.
Schwer und schleppend
Der FC Bayern ohne Robben - das war schon im zweiten Jahr der Ära Louis van Gaal keine europäische Spitzenmannschaft mehr. Und dessen Nach-Nachfolger Jupp Heynckes hat es bisher nicht verstanden, die Abhängigkeit vom niederländischen Star zu beenden.
"Alles so schwer, so schleppend", klagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angesichts des ohne Robben erduselten 1:0-Erfolgs beim VfL Wolfsburg. Den Münchnern fehlen Kreativität und Durchschlagskraft - und das vor den beiden wichtigsten Spielen der jüngeren Vergangenheit.
Doch nicht nur in der Offensive hakt es. Glaubt man der Analyse von Oliver Kahn, sind magelnde Führungsqualitäten der Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger mitverantwortlich für die Misere. Kahn legt in einem Beitrag für die Internetseite des Spartensenders Eurosport nahe, dass das Duo mehr um das eigene Image besorgt sei denn um den Erfolg. Beide Profis suchten "oftmals nur Konsens und Anpassung", seien keine Führungsspieler.
Dabei werden die im Play-off-Duell der Champions League mit dem Schweizer Vize-Meister doch dringend gebraucht. Für die Bayern steht auch der Traum vom Heim-Finale am 19. Mai 2012 in der Allianz Arena auf dem Spiel. "Es ist ein Endspiel", betonte Ivica Olic am Montag, Sorgen macht er sich jedoch nicht, Zürich sei "kein Topgegner". Sportdirektor Christian Nerlinger sagte: "Wenn wir die nicht schlagen, haben wir in der Champions League nichts verloren."
Kaum Überraschungsmomente
Allein: Der FC Bayern tat sich auch gegen Borussia Mönchengladbach und die Wölfe, beides im Vorjahr Beinahe-Absteiger, mit dem Toreschießen schwer. Vor der stabilisierten Defensive gibt es kaum Überraschungsmomente, in der defensiven Schaltzentrale wird der Ball häufig nur verwaltet, anstatt schnell in die Spitze gespielt.
Das Umschalten der Mannschaft nach Ballgewinn dauert zu lange, der Gegner hat so reichlich Zeit sich zu ordnen und hinter den Ball zu kommen - moderner Fußball sieht anders aus. Das zeigt auch ein Blick in die Statistik: Franck Ribery hatte gegen Wolfsburg mit 22 Sprints den Topwert der Bayern-Spieler - passabel, aber nicht überragend. Zum Vergleich: Dortmunds Kevin Großkreutz hetzte gegen Hamburg 33-mal in vollem Tempo über den Platz.
"Es dauert ein paar Wochen, bis man das raus hat", sagt Lahm über den Fußball a la van Gaal, in dem Ballbesitz alles ist, der Querpass dem steilen Anspiel zu oft vorgezogen wird und Tempowechsel Seltenheit haben. Olic findet den Vergleich zwischen den Trainern ungerecht.
Offensive vernachlässigt
Van Gaal habe sehr, sehr viel Wert auf das Halten von Positionen gelegt, Heynckes dagegen gebe den Spielern "viel mehr Freiheit". Wenn die Spieler nach der harten Vorbereitung bald spritziger würden, werde sich das sicher bezahlt machen.
Heynckes gibt zu, in den vergangenen Wochen vor allem auf das Abstellen der im Vorjahr teilweise haarsträubenden Fehler in der Defensive hingearbeitet zu haben. Die Offensive habe er "vielleicht ein bisschen vernachlässigt". Stürmer Mario Gomez fleht daher: "Wir müssen schauen, dass wir da eine Lösung finden."
Die Zeit drängt, und was aus Zürich verlautet, deutet auch nicht unbedingt darauf hin, dass der Gegner in Ehrfurcht vor den großen Bayern erstarren wird. "Grässlich, ein Albtraum" sei es für ihn, nach München zu fahren, sagt Zürichs Sportchef Fredy Bickel zwar. Das hat allerdings keine sportlichen Gründe. Er sei Weinliebhaber, das bayerische Grundnahrungsmittel Bier dagegen könne er "nicht ausstehen".
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