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Panorama 1. FC Köln Milivoje Novakovic ddp 2010
  Foto: ddp, ddp
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Vorne hui, hinten pfui: Der neue 1. FC Köln

VON C. KURTH UND S. SEEGER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 11:04

Düsseldorf (RPO). So haben die Fans ihren 1. FC Köln lange nicht gesehen. In den vergangenen fünf Pflichtspielen des Jahres 2010 schossen die "Geißböcke" 13 Tore, drei mehr als in den vorausgegangenen 16 Bundesliga-Spielen. Dafür weist die sonst so stabile Abwehr derzeit große Schwächen auf. Es scheint, als haben sich die Domstädter in der Winterpause um 180 Grad gedreht.

Rückblick: In den neun Heimspielen der Hinrunde kamen die Domstädter auf sechs Treffer. Zehn Treffer zum Abschluss der Hinrunde bedeuteten den schlechtesten Wert der Liga. Dass die Kölner zur Halbzeit dennoch auf einem gesicherten zwölften Rang standen, hatten sie ihrer Abwehr zu verdanken. Die Defensive um das starke Innenverteidiger-Duo Yousef Mohamad und Pedro Geromel kassierte nur 15 Gegentore – ein absoluter Spitzenwert.

Jetzt ist alles anders. Schon zum Rückrundenauftakt gegen Borussia Dortmund präsentierte sich der FC spielfreudiger als in der Hinrunde und kreierte fast mehr Chancen als in den ersten 17 Spielen zusammen. Die Fans erfreuten sich ob des neuen Offensiv-Drangs ihrer Elf und waren trotz der bitteren 2:3-Niederlage gegen den BVB zufrieden.

Info

Spiel des Jahres

Der 1. FC Köln tritt am Mittwoch im DFB-Pokal-Viertelfinale beim Zweitligisten FC Augsburg an (19 Uhr im Live-Ticker). Sollten die Kölner dieses Spiel und das anschließende Halbfinale gewinnen, winkt der Platz im internationalen Geschäft.

Danach knüpfte der FC an die Leistung aus dem Dortmund-Spiel an und landete ohne die beiden Superstars Lukas Podolski und Milivoje Novakovic einen überraschenden 3:2-Erfolg beim deutschen Meister VfL Wolfsburg. Es folgte ein 2:1 in Frankfurt und am vergangenen Samstag das 3:3-Fußballfest gegen den Hamburger SV – immer noch ohne Podolski. Für den Kölschen Gemütswandel gibt es Gründe.

Individuelle Fehler: In Wolfsburg und vor allem gegen den HSV zeigte der FC deutlich, warum er im Moment so viele Gegentore kassiert. Geromel leistete sich in den vergangenen Partien ungewöhnlich viele Patzer, auch sein kongenialer Partner Mohamd war nicht immer auf der Höhe des Geschehens.

Neben dem Innenverteidigerpaar hat auch Torhüter Faryd Mondragon erstmals Nerven gezeigt. Das 0:1 von Hamburgs Marcell Jansen muss er auf seine Kappe nehmen, der Kolumbianer ließ einen harmlosen Schuss nach vorne abklatschen. Schon in den Spielen zuvor traf ihn zumindest zweimal eine Teilschuld.

Standards, Tosic und gute Abschlüsse: Der FC wirkt zielstrebiger in der Offensive. Angriffe, Flanken, Konter – diese Elemente werden nun konsequent zu Ende gespielt. Der Verbund im mittelfeld entwickelt mehr Ideen. Zugang Zoran Tosic entpuppte sich in knapp anderthalb Partien als gute Investition. Der nur 1,71 Meter große Mittelfeldmann sprüht vor Spielwitz, ist schnell, ballsicher und verfügt über eine überragende Technik. Noch ist er etwas zu ballverliebt, aber Tosic wird in der Rückrunde der Mann sein, der die entscheidenden Pässe zu Toren gibt.

Und dann sind da noch die Standardsituationen, die dem FC zuletzt ein ums andere Mal aus der Spielstand-Not halfen. Ob Adil Chihi, der Portugiese Petit oder wie gegen Hamburg Milivoje Novakovic. Ecken und Freistöße verbreiten bei Kölns Gegnern Angst und leiteten gegen Nürnberg, gegen Dortmund, in Wolfsburg, in Frankfurt und gegen Hamburg wichtige Tore ein.

Der neue 1. FC Köln spielt attraktiver und bislang zumindest erfolgreicher. Und dass ohne Lukas Podolski. Fest steht aber auch: Seine Rückkehr wird dem FC ganz sicher nicht schaden, denn den Offensiverfolg auf das Fehlen von Podolski zu schieben, mutet seltsam an.

Die Domstädter haben in der Rückrunde sechs Punkte mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde. Und es kann noch besser werden, denn die Fehler in der Defensive sind erkannt und sollten alsbald abgestellt werden.

Die nächsten Bundesliga-Wochen haben es wie in der Hinrunde in sich: Schalke, Stuttgart, Leverkusen, Bayern – da darf der geneigte Fan nicht gerade mit Siegen rechnen. Doch das neue Selbstvertrauen ist womöglich für den ein oder anderen Punkt gut.


 
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