Schalke-Keeper Manuel Neuer: Der neue Lieblingsfeind des BVB
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 07:20Dortmund (RP). Schalke gewinnt das Nachbarschaftsduell in Dortmund nach einem Treffer des starken Farfan mit 1:0. Aufregung gab es um einen Schuss des BVB-Stürmers Barrios an die Latten-Unterkante und um Gelsenkirchens Torwart Neuer, der die Dortmunder provozierte.
Die Dortmunder Südtribüne hat einen neuen Lieblingsfeind. Schalkes Schlussmann Manuel Neuer verdiente sich diesen Ehrentitel nach dem Schlusspfiff des 134. Revier-Derbys. Er feierte den 1:0-Erfolg der Gäste ausgerechnet vor der "gelben Wand", vor 25 000 bitter enttäuschten Fans der Borussia.
"Völlig überflüssig" nannte der verletzte Dortmunder Kapitän Sebastian Kehl die Aktion. Und selbst Schalkes Trainer Felix Magath hatte wenig Verständnis für die Provokation. "Einige meiner Spieler haben die Seite verwechselt und nicht mit den eigenen Fans gefeiert", sagte Magath, "darüber wird zu reden sein."
Das Derby bot ohnehin reichlich Gesprächsstoff. Nicht nur wegen der Aufregung um Neuer, die auf dem Platz zu einer sehenswerten Rudelbildung und zu formschönen Schubsereien geführt hatte. Dortmunder Spieler behaupten, im Rahmen dieser wenig freundschaftlichen Verabschiedung beider Teams voneinander habe Neuer den BVB-Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz mit dem Ellenbogen auf die Nase gehauen. Neuer bestreitet das natürlich.
"Das fühlt sich unfair an"
Ebenso uneins waren die Augenzeugen in der Beurteilung einer fußballerischen Schlüsselszene. Lucas Barrios, der einstweilen frühere Welttorjäger im Dortmunder Angriff, hatte mit einem abgefälschten Schuss die Unterkante der Latte getroffen.
Von dort flog der Ball nach Ansicht der Dortmunder hinter die Linie, während die Schalker auf dem Rasen und nach Studium der Fernsehbilder zu der Auffassung gelangten, dass das Spielgerät die Linie nicht im vollen Umfang überschritten hatte, wie es die Regel verlangt.
Ein bisschen Wembley im früheren Westfalenstadion. Anders als beim WM-Finale von 1966 wurde dem Treffer allerdings die Anerkennung versagt. "Das fühlt sich ein bisschen unfair an", sagte der Dortmunder Verteidiger Patrick Owomoyela.
Die Führung hätte sich der BVB zu diesem Zeitpunkt verdient gehabt, weil er in einem intensiven, aber spielerisch armen Match die besseren Chancen verbuchte. Dann aber schlug Schalke zurück. Levan Kenia machte den Ball bei einem Konterangriff schnell, Halil Altintop legte für Jefferson Farfan auf. Und der Peruaner setzte sich gegen die wenig professionell verteidigenden BVB-Akteure Santana und Marcel Schmelzer durch.
Mit dem Führungstor unterstrich Schalke seine Qualitäten. Das blutjunge Mittelfeld ist von Magath zu Systemtreue, Ordnung und Geradlinigkeit erzogen worden. Und Farfan hat wieder jene Fitness, die er für sein Spiel braucht. Nun ähnelt er dem Tempofußballer, der er bei PSV Eindhoven war. In der zurückliegenden Saison muss sein schlapper Zwillingsbruder für Schalke gespielt haben.
Die gute Sortierung der Gelsenkirchener Mannschaft reichte aus, den Vorsprung zu verteidigen. Denn Dortmund spielte fortan vor lauter Gram über den schmerzhaften Rückstand nur noch "wilden Fußball", wie Trainer Jürgen Klopp einräumte.
Und sein Schalker Kollege fand zu Recht Anlass, den eigenen Anteil am Aufschwung der Königsblauen gebührend herauszustellen. Er tat es mit der Eleganz, die ihn bereits in Kleidungsfragen auszeichnet. "Die Fans freuen sich nach dem schwierigen letzten Jahr über eine Mannschaft, die fightet und wieder gewinnen kann", stellte Magath fest.
Diese Fähigkeit geht dem Revier-Rivalen zurzeit ziemlich ab. Seit sechs Bundesliga-Spielen hat die Borussia nicht mehr gewonnen. "Wir sind natürlich alles andere als zufrieden mit diesem Saisonstart", räumte Klopp ein, "aber wir können damit umgehen."
Sein Rezept für die kommenden Spieltage klingt allerdings nach branchenüblicher Durchhalteparole. "Wir als Mannschaft müssen zeigen, dass wir hart daran arbeiten, da herauszukommen", erklärte Klopp. Ob das reicht?
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