Trotz Transfers für 50 Millionen: Der Star ist Louis van Gaal
zuletzt aktualisiert: 01.07.2009 - 07:19München (RPO). Nach dem gescheiterten Projekt mit Jürgen Klinsmann soll Trainer Louis van Gaal beim deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München eine neue Erfolgs-Ära begründen. Der 57 Jahre alte Niederländer gilt nach einer titellosen Saison als der große Hoffnungsträger beim FC Bayern, der am Mittwoch die Vorbereitung auf die neue Spielzeit aufnimmt.
"Wir sind überzeugt, dass wir mit ihm einen Trainer haben, der der Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann, der Dinge entwickeln kann. Er hat unser totales Vertrauen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und drückte damit vor dem Trainingsauftakt die hohe Erwartungshaltung aus. Trotz Millionen-Investitionen in die Mannschaft sieht auch der neue Sportdirektor Christian Nerlinger die Verpflichtung von van Gaal als "die wichtigste Personalie" an.
Nach dem fehlgeschlagenen Experiment mit dem Vereinstrainer-Novizen Klinsmann soll es nun also der erfahrene Disziplin-Fanatiker van Gaal richten, der schon beim FC Barcelona, einst bei Ajax Amsterdam oder zuletzt beim AZ Alkmaar mit seinen Methoden viel Erfolg hatte. "Unser Anspruch muss es sein, eine Handschrift auf dem Platz zu sehen", verdeutlichte Nerlinger den Anspruch und ergänzte: "Taktisch gibt es keinen auf der Welt, der ihm etwas vormachen kann."
Auch die Spieler erhoffen sich vom neuen Coach, "dass er der Mannschaft die Strategie und Taktik gibt, die uns zur Meisterschaft und erfolgreich in die Champions League führt", meinte stellvertretend Torjäger Luca Toni und sprach von einem "wichtigen Neuanfang".
Vorbei sind unter van Gaal die Zeiten, in denen es im mondänen Leistungszentrum an der Säbener Straße eine Bibliothek, ein DJ-Pult oder eine Spielecke für die Kinder gab. Während sich Klinsmann immer eine "Wohlfühl-Oase" für die Profis wünschte, setzt der kantige Niederländer andere Prioritäten.
Disziplin steht dabei an erster Stelle. Auch die taktische Ausbildung soll intensiviert werden. Künftig wird deshalb sogar das Training mit einer neu installierten Video-Kamera überwacht, um den Spielern möglichst schnell die Fehler vor Augen führen zu können. Ziel ist es, den FC Bayern möglichst schnell international wieder konkurrenzfähig zu machen.
Aber auch national soll der frühere Bondscoach der Niederlande die Münchner wieder an die Spitze führen. "Unser Kampfeswille ist ungebrochen", machte Manager Uli Hoeneß bereits deutlich. Auch Bastian Schweinsteiger meinte, dass ihn "das titellose letzte Jahr immer noch ein bisschen ärgert". Deswegen seien alle "heiß darauf, wieder den einen oder anderen Titel zu feiern".
Damit dies auch Realität wird, hat der FC Bayern bisher knapp 50 Millionen Euro investiert. Teuerster Transfer war der Stuttgarter Torjäger Mario Gomez, der für mehr als 30 Millionen Euro nach München wechselte. Zudem wurden Anatolij Timoschtschuk (Zenit St. Petersburg/11), Daniel Pranjic (7,7/SC Heerenveen), Ivica Olic (Hamburger SV/ablösefrei), Edson Braafheid (Twente Enschede/2) und Alexander Baumjohann (Borussia Mönchengladbach/ablösefrei) verpflichtet. Außerdem kehrt der ausgeliehene Andreas Görlitz vom Karlsruher SC zurück.
26 Spieler gehören momentan dem Kader an. Für einen "vernünftigen Trainingsbertrieb" sei der aber zu groß, sagte Nerlinger. Auf der Streichliste stehen Tim Borowski, Andreas Ottl, Christian Lell und Breno ganz oben. Zuletzt war auch über einen Abschied von Lucio, Toni und vor allem von Franck Ribery spekuliert worden.
Doch der Franzose wird laut Hoeneß am Mittwoch "definitiv" bei den Bayern das Training aufnehmen. Mehrmals hatten die Bayern in den vergangenen Wochen Abwerbungsversuche einiger europäischer Topklubs abgelehnt und Ribery für unverkäuflich erklärt.
Toni ging derweil selbst in die Offensive. Trotz großer Konkurrenz im Sturm gab er sich kämpferisch. "Ich bleibe dem FC Bayern treu! Ich werde noch härter trainieren, noch mehr Einsatz und Leistung zeigen", sagte der 31 Jahre alte Italiener, dem künftig dennoch die Ersatzbank droht.
Toni wird wie der Brasilianer Lucio, der nach Aussage von Rummenigge auf jeden Fall gehalten werden soll, beim Trainingsauftakt am Mittwoch fehlen. Beide genießen nach dem Confederation Cup noch Sonderurlaub. Schweinsteiger muss nach einer Knie-Operation kürzer treten.
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