Kommentar zur Fußball-Bundesliga: Der Trend zur Trainer-Treue
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 09.11.2008 - 12:49Düsseldorf (RPO). Michael Frontzeck ist eigentlich ein ruhiger Typ, der zumeist die Fassung bewahrt. Als das Publikum von Arminia Bielefeld nach der 0:2-Pleite gegen Borussia Mönchengladbach aber mal wieder die Entlassung des Trainers forderte, reagierte auch Frontzeck kratzbürstig.
Mit Konsequenzen hat er in Ostwestfalen aber auch nach dem 12. Spieltag nicht zu rechnen, denn in der Fußball-Bundsliga macht sich ein Trend bemerkbar, nach dem die Treue zum Trainer offenbar gewachsen ist.
"Es ist unglaublich. Machen sie das Fenster auf. Los, machen sie schon. Hört man schon was? Die Fans fordern sicher wieder meinen Kopf. Oder hab' ich schon Halluzinationen?", schimpfte Trainer Frontzeck auf der Pressekonferenz und fügte an: "Es ist eine Unsitte. Wenn man sich umhört, dann sollten sie am besten alle raus: Frontzeck, Koller, Funkel, Luhukay ist ja schon weg."
Das Bielefelder Präsidium sprach Frontzeck aber sogleich seine Rückendeckung aus. Und das scheint mehr als eine Worthülse zu sein. Natürlich sind Misserfolgserlebnisse in Serie nie förderlich zur Arbeitsplatz-Sicherung, doch die Führungsgremien in den Bundesliga-Vereinen reagieren monentan ungewöhnlich gelassen und schätzen die Situationen realistisch ein.
Weder Frontzeck in Bielefeld noch Marcel Koller (Bochum), Bojan Prasnikar (Cottbus), Ede Becker (Karlsruhe) oder Dieter Hecking (Hannover) stehen trotz schlechter Tabellen-Platzierungen unmittelbar vor dem Rauswurf. Zwar wird die Luft dünner, doch übertriebene Erwartungen können keine ausgemacht werden.
In Bielefeld ist bekannt, dass jedes Jahr in der Bundesliga für den Klub ein Riesenerfolg ist und jeder Abstieg einkalkuliert werden muss. Das mag unanhängig vom Trainer sein - und Frontzeck hat sich durch sein Fachwissen und die Rettung im Vorjahr schon eine große Anerkennung - im Vorstand - erworben. In Cottbus ist das ähnlich und Prasnikar zehrt zudem noch vom Retter-Bonus aus dem Vorjahr. Karlsruhe weiß, was es an Becker hat. Der Coach führte den KSC schließlich ins Oberhaus.
Womöglich hat auch das Beispiel Frankfurt Signalwirkung. Obwohl die Eintracht zu Saisonbeginn immer tiefer in den Tabellenkeller sackte, hielt Vorstandschef Heribert Bruchhagen ohne Wenn und Aber an Friedhelm Funkel fest. Die Treue zum Trainer lohnte sich, mit Ruhe und Gelassenheit führte Routinier Funkel das Team nunmehr bis auf weiteres aus der Abstiegszone.
Das ist auch Hecking und Koller zuzutrauen, wenngleich die Jobs dieser Trainer noch am ehesten gefährdet sind. Die Entwicklung bis zur Winterpause bleibt spannend, auch der Trend zur Trainer-Treue steht auf dem Prüfstand. In diesem Jahrtausend wurden in fast jeder Saison mindestens drei Trainer schon in der Hinrunde entlassen.
Alleine in der Spielzeit 2005/06 mussten vor Weihachten acht Übungsleiter ihre Sachen packen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es diesmal bei Luhukay, der in Gladbach gefeuert wurde, bleibt. Und das wären für Frontzeck und Co. dann alles andere als Halluzinationen.
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