Auswirkungen der Kälte: DFB-Doc gibt Entwarnung
zuletzt aktualisiert: 03.02.2012 - 15:41Frankfurt/Main (RPO). Die derzeit herrschenden arktischen Temperaturen können Fußballern weit weniger anhaben als vermutet. "Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Die Auswirkungen der Kälte auf das Fußballspiel sind mit Sicherheit nicht so dramatisch, wie es das Ausmaß der öffentlichen Diskussion nahelegt", sagte DFB-Arzt Tim Meyer im Interview mit DFB.de und gab vor dem Wochenende, an dem in Deutschland Temperaturen im zweistelligen Minusgbereich erwartet werden, Entwarnung für die Kicker aller Klassen.
Ab welcher Temperatur das Fußballspielen unter freiem Himmel zum Gesundheitsrisiko wird, sei schwer zu sagen. "Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gab mal Überlegungen, dass ab einer Temperatur von minus 15 Grad beziehungsweise bei minus 10 Grad und viel Wind über eine Absage des Spiels nachgedacht werden sollte. In Deutschland gibt es aber keine fixe Regelung", sagte Meyer.
Der 44-Jährige warnt aber zugleich davor, die sibirische Kälte zu unterschätzen. "Man darf die Situation natürlich auch nicht verharmlosen. Es ist klar, dass die Atemwege durch kalte, trockene Luft gereizt werden können. Bei den meisten Menschen ist das nicht weiter schlimm, aber Menschen mit Vorbelastung müssen aufpassen. Asthmatiker können zum Beispiel bei der Bewegung in kalter, trockener Luft verstärkt Atemprobleme bekommen - sie müssen also besonders vorsichtig sein. Kalte, trockene Luft ist sicherlich auch nachteilig für die Infektionsabwehr an den Schleimhautoberflächen. Aber auch die in Betracht kommenden Erreger freuen sich nicht über ein solches Klima", sagte Meyer, der seit 2001 die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als verantwortlicher Internist betreut.
Warme Getränke in der Pause
Meyer rät den Fußballern, in der Pause warme Getränke einzunehmen. "Alles, was den Körper von innen und außen wärmt, ist sinnvoll. Das gilt vor dem Spiel, während des Spiels, nach dem Spiel und natürlich auch während der Pause", sagte der Professor für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes, warnt aber auch: "Ungünstig wird es, wenn dem Tee Alkohol beigemischt wird. Leider gibt es das ja auch. Und Alkohol trägt eher dazu bei, dass der Körper auskühlt."
Wichtig seien zudem das richtige Aufwärmprogramm und die richtige Kleidung. "Kalte Muskulatur ist weniger leistungsfähig. Insbesondere mit unzureichender Bekleidung könnte es bei der aktuellen Witterung passieren, dass die Muskeln nicht auf die gewohnte Betriebstemperatur kommen. Und wenn trotzdem die gleichen Anforderungen gestellt werden, ist es durchaus vorstellbar, dass eine höhere Anzahl an Verletzungen entsteht", erklärte Meyer.
Der DFB-Arzt ist grundsätzlich der Überzeugung, dass gesunde Menschen bei richtigem Aufwärmen und der richtigen Kleidung auch bei deutlichen Minusgraden Fußball spielen können, gibt aber gerade mit Blick auf die Amateure zu bedenken: "Eine Gefährdung für die Spieler in den Amateurklassen stellen auch die Platzverhältnisse dar. Ohne Rasenheizung friert der Boden. Und wenn der Boden hartgefroren ist, fallen die Spieler fast wie auf Beton. Es ist ja klar, dass dies Auswirkungen hat. Eine lange Hose kann zwar helfen, aber weicher wird der Boden dadurch auch nicht. Glücklicherweise handelt es sich bei Verletzungen, die auf diese Art entstehen, in der Regel um oberflächliche."
Torhütern empfiehlt er zudem Ellenbogen- und Knieschützer: "Solange die Kleidung die Beweglichkeit nicht einschränkt, ist ein solcher Schutz sinnvoll. Die Torhüter sollten außerdem versuchen, immer in Bewegung zu bleiben und sich warm zu halten, auch wenn das Spielgeschehen auf der anderen Seite stattfindet. Dann können auch sie ohne allzu sehr erhöhtes Gesundheitsrisiko in der Kälte Fußball spielen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

























