Schiedsrichter-Affäre: DFB-Präsident Zwanziger in der Klemme
zuletzt aktualisiert: 26.07.2010 - 13:19Frankfurt/Main (RPO). Kurz vor der zukunftsweisenden Präsidiumssitzung am Freitag droht DFB-Boss Theo Zwanziger in der Schiedsrichter-Affäre erneuter Druck. Sollte der DFB die Schadenersatzansprüche des ehemaligen Schiedsrichterbeobachters Manfred Amerell in sechsstelliger Höhe bis zum 2. August nicht anerkennen, wird eine Klage gegen den Verband eingereicht.
Zudem ist nach Angaben von Amerells Anwalt Jürgen Langer weiteres belastendes Material aufgetaucht. "Die Komplott-Theorie scheint sich zu manifestieren", sagte Langer dem Sport-Informations-Dienst (sid) am Montag und legte Zwanziger den Rücktritt nahe: "Wenn man sich die Abläufe ansieht, ist ein Präsident, der den Fall so behandelt, nicht mehr tragbar."
Zwanziger, der am Freitag im Rahmen des Präsidiumstreffens in Frankfurt seine Entscheidung über eine weitere Kandidatur bekannt geben wird, und auch der DFB wollten die neuerlichen Vorwürfe nicht kommentieren. Auf Anfrage teilte der DFB mit, dass es über die Inhalte der Tagesordnung bei der Sitzung am Freitag nichts zu sagen gebe.
Langer sieht auf Seiten des DFB große Versäumnisse in der internen Informationspolitik. Deshalb hat der Jurist aus München jedem Präsidiumsmitglied in den vergangenen Tagen eine 13-seitige tabellarische Auflistung zugeschickt. Inhalt: Die vermeintlichen Widersprüche von Michael Kempter bei dessen Aussagen gegen Amerell beim DFB im Februar und bei der Staatsanwaltschaft Augsburg im April.
"Man müsste meinen, einige der Präsidiumsmitglieder kennen die Handlungsabläufe und Anhörungsergebnisse in der Sache bis heute nicht", sagte Langer. Nachfragen hätten dies gezeigt. Zwanziger müsse sich deshalb vom DFB-Präsidium wohl "einige unangenehme Fragen" gefallen lassen, sagte Langer.
Zwanziger lässt Zukunft offen
Zwanziger ("Ich spüre eine tiefe Sehnsucht nach dem Privaten") hat seine Zukunft ungeachtet der erfolgreichen Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw zuletzt offen gelassen. Diese könne Einfluss haben, sei aber "nicht entscheidend", hatte der 65-Jährige jüngst gesagt und gleichzeitig von "Amtsmüdigkeit" gesprochen.
Zwanziger machte zuletzt keinen Hehl daraus, dass ihm die Kritik der vergangenen Monate nach der zunächst gescheiterten Verlängerung mit Löw und im Zusammenhang mit der Affäre Amerell mächtig zugesetzt hat. Ursprünglich hatte sich Zwanziger, der sich von Anfang an auf die Seite Kempters geschlagen hatte, beim DFB-Bundestag am 21./22. Oktober in Essen zur Wiederwahl stellen wollen.
Langer indes geht nicht davon aus, dass der DFB vor Ablauf der Frist am 2. August Gesprächsbereitschaft signalisieren wird. FIFA-Schiedsrichter Kempter hatte Amerell vorgeworfen, ihn sexuell belästigt zu haben. Der frühere Schiedsrichter-Beobachter Amerell war am 12. Februar von allen Ämtern zurückgetreten, bestreitet die Vorwürfe aber.
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