1. Bundesliga 17/18
| 09.58 Uhr

46 Tage bis zum Saisonstart
Der Transfermarkt-Vulkan brodelt in der Bundesliga

Alle Transfers: die Übersicht
Alle Transfers: die Übersicht FOTO: DFL
Düsseldorf. Vier neue Trainer, Altlasten aus Krisenzeiten und Aufbruchstimmung – die Gemengelage bei den 18 Bundesligisten verspricht sieben Wochen vor dem Bundesligastart einen spannenden Sommer. Momentan scheint der Transfermarkt nach der ersten Welle ganz kurz Luft zu holen. Von Jannik Sorgatz

Während einige Klubs schon sehr weit sind oder ihre Planungen bereits abgeschlossen haben, herrscht bei anderen noch immenser Handlungsbedarf. Wir teilen die Liga in vier Gruppen auf.

Diese Klubs sind besonders weit

Max Eberl ist ein Streber, aber mit dieser Bezeichnung wird er sehr gut leben können. Schon vor dem Trainingsstart hatte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach erledigt, was er sich vorgenommen hatte. Thorgan Hazard wurde bereits vor Monaten fest an den Klub gebunden, Lars Stindl im März, Stürmer Josip Drmic Anfang Juni. Dazu kommt Youngster Nico Elvedi aus Zürich und in Tobias Sippel ein neuer Ersatzkeeper aus Kaiserslautern. Nach dem Ende der U21-EM dürfte auch in Kürze Vollzug bei Youngster Andreas Christensen gemeldet werden, der vom FC Chelsea ausgeliehen werden soll. Klingt nach Kaufrausch, geschah aber alles im Rahmen der Lückenschließung und Weiterentwicklung. Streberhaft eben.

Auch die Aktivitäten der TSG Hoffenheim verleiten bei einem flüchtigen Blick zu falschen Schlüssen. 41 Millionen Euro erhält der Verein für Roberto Firmino, neu sind Jonathan Schmid (Freiburg), Mark Uth (Heerenveen), Fabian Schär (Basel), Joelinton (Recife) und Pavel Kaderabek (Prag). Doch die Neuzugänge standen schon fest, bevor es überhaupt die Firmino-Millionen regnete. Heißt: Hoffenheim ist seinen Weg weitergegangen und hat obendrein viel Geld auf der hohen Kante.

Die Rekord-Transfers der Bundesliga FOTO: dpa

Bayer Leverkusen ist nicht ganz so weit, mit den Zugängen Admir Mehmedi, Christoph Kramer, Kyriakos Papadopoulos und Andre Ramalho aber bereits gut aufgestellt. Noch klafft die Castro-Lücke im Kader, aber im Chilenen Charles Aranguiz hat der Vereinen einen Nachfolger im Blick. Bei Jonathan Tah (Hamburger SV) geht es noch ums Geld. Der rheinische Rivale aus Köln hat ebenfalls gut eingekauft. Anthony Modeste soll Anthony Ujah ersetzen. Mit Dominique Heintz vom 1. FC Kaiserslautern (ersetzt Kevin Wimmer) war alles klar, bevor er bei der U21-EM ins Blickfeld der Scouts geraten und seinen Marktwert steigern konnte. Der Österreicher Philipp Hosiner sollte bereits im Winter kommen, nach dem Entfernen eines Nierentumors ist er jetzt endlich da. 

Diese Klubs sind mittendrin

Mit dem Strukturwandel kennt man sich aus im Ruhrgebiet. Und tatsächlich schien Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund ja ähnlich bedeutsam zu sein wie der Bergbau für den Pott. Der ganz große personelle Umbruch unter Thomas Tuchel scheint dennoch auszubleiben. Gonzalo Castro ist ein Transfer der Marke "War zu haben, kann man nicht 'nein' sagen", Roman Bürki hat die Dortmunder Torwartordnung durcheinander gebracht. Jetzt ist es Mitch Langerak, der den Verein verlässt, und vermutlich doch nicht Roman Weidenfeller. Auch Ilkay Gündogan, der schon imaginäre Blumensträuße zum Abschied entgegennehmen durfte, wird wohl bleiben. Möglich ist das auch bei Ciro Immobile.

40 Kilometer westlich in Gelsenkirchen wollen sie sich noch mehr als neue Spieler eine neue Mentalität zulegen. Weltmeister Sami Khedira wurde von so viel Chaos abgeschreckt, stattdessen hat der Mainzer Johannes Geis für viel Geld, aus dem noch viel mehr Geld werden könnte, den Weg nach Schalke gefunden. Königsblauer Königstransfer. Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam, die namhaftesten Vertreter des alten Schalke, sollen unbedingt noch gehen. Die beiden sind außerdem schon 28 und 27 Jahre alt. Der Jugendwahn ist kein Neuzugang auf Schalke, der Verein hat ihm aber langfristig das Vertrauen ausgesprochen.

Brasilien scheidet nach Fehlschuss des neuen Bayern-Stars Douglas Costa aus FOTO: afp, mvd

Die beiden pulsierenden Ruhrpott-Klubs sind in dieser Kategorie jedoch Sonderfälle. Typischer fürs Transfergeschäft im Sommer 2015 sind Klubs wie Hannover und Stuttgart, die mit dem BVB und S04 höchstens verbindet, dass sie so eine Saison wie die vergangene nicht wieder erleben wollen. Hannover hat Charlison Benschop aus Düsseldorf geholt und Oliver Sorg aus Freiburg. Vorne soll noch etwas passieren, während Stuttgart eher hinten sucht. Nach dem Abgang von Torwart Sven Ulreich ist die Verpflichtung von Przemyslaw Tyton bereits sicher, offenbar ist sich der VfB auch mit Dortmunds Langerak einig. Lukas Rupp (Paderborn) und Philip Heise (Heidenheim) klingen dagegen nicht nach Königstransfers.

Meister Bayern und Vize Wolfsburg haben keinen Druck auf dem Transfermarkt für Schlagzeilen zu sorgen, produzieren sie standesgemäß aber trotzdem. Nach Max Kruse haben die Wölfe im Stuttgarter Antonio Rüdiger noch einen Nicht-Weltmeister aus der Nationalmannschaft mit Ausstiegsklausel im Visier. Die Bayern wollen dagegen 35 Millionen Euro für Douglas Costa von Schachtjor Donezk auf den Tisch legen. Nachdem der Brasilianer seinen Elfmeter bei der Copa America wie einst Uli Hoeneß in den Nachthimmel von Concepcion gejagt hat, kann der Transfer jetzt fix gemacht werden. Ansonsten heißt es beim Rekordmeister: Alles kann, nichts muss. Gerüchte um eine Verpflichtung von Angel di Maria (Manchester United) schweben weiter über München – der Argentinier könnte der teuerste Transfer der Bundesliga werden. Entschieden ist in der Personalie aber noch nichts.

Diese Klubs haben noch einiges zu tun

Noch keinen einzigen neuen Spieler hat der Hamburger SV verpflichtet, dafür aber Spieler wie Maximilian Beister verschenkt. Nicht verlängert wird mit Heiko Westermann, Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar. Rafael van der Vaart ist bei Betis Sevilla untergekommen. Momentan steht nur fest, wie der HSV in der kommenden Saison nicht aussehen wird. Prominentestes Objekt der Begierde ist der Österreicher Michael Gregoritsch vom VfL Bochum. Immerhin: Die Relegation sollte so wieder drin sein, der Traum vom Triple lebt.

Wie knapp Hertha BSC dem Abstieg entgangen ist, konnte aufgrund des unglaublichen Drama-Volumens in Hamburg, Hannover, Stuttgart, Paderborn und Freiburg gar nicht ausreichend thematisiert werden. Mitchell Weiser vom FC Bayern ist schon da, das war's. Immerhin stehen Emir Spahic, Sidney Sam und in Balasz Dzsudzsak ein Zungenbrecher in spe auf der Liste von Michael Preetz. Aber Prominenz wie Salomon Kalou konnte die Hertha schon vergangene Saison nicht vor dem Abstiegskampf bewahren.

Die Frankfurter Eintracht hat immerhin einen neuen Trainer, von dem sie am Saisonende noch gar nicht wusste, dass sie ihn brauchen würde. Manager Bruno Hübner hat mit und für Armin Veh aber noch viel zu tun.

Der Rest

Der FC Ingolstadt will nicht und muss nicht, der SV Darmstadt will und muss, war aber nur in Sachen Trainingsstart früh unterwegs. Der FC Augsburg hat seine Europapokal-Helden behalten und wartet, wie ernst es der FC Chelsea wirklich meint mit Adbul Rahman Baba. Unter Umständen könnten die Schwaben plötzlich noch mehr Geld haben als der FSV Mainz, der vergangene Woche Johannes Geis für mindestens zehn und Shinji Okazaki für elf Millionen Euro verkauft hat. Auch Werder Bremen ist noch in der Position, warten zu müssen, wie ernst es potenzielle Interessenten mit Franco di Santo meinen. Denn auch die Premier League scheint gerade noch einmal tief Luft zu holen. Die Engländer haben bekanntlich ein schier unerschöpfliches Lungenvolumen.

 
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