Borussia Mönchengladbach: Die ersten Fans träumen vom Double
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012 - 07:43Mönchengladbach (RP). Nach der Gala-Vorstellung gegen Schalke träumen die ersten Fans von Borussia Mönchengladbach vom ganz großen Wurf. Spieler und Trainer bleiben ihrer Linie aber treu und denken nur "von Spiel zu Spiel".
Wenn Lucien Favre mit seinen Fußballern Spielzüge einstudiert, lässt er auf dem Trainingsplatz elf Mann gegen elf Gegner aus Pappe spielen. Beim 3:0-Erfolg von Borussia Mönchengladbach über Schalke 04 sah es phasenweise nach einer Fortsetzung der Trainingsarbeit aus. In der ersten Halbzeit nahmen die Gladbacher den Tabellennachbarn mit wunderbaren Spielzügen auseinander und führten nach 30 Minuten durch die Tore von Marco Reus, Mike Hanke und Juan Arango.
In der zweiten Halbzeit, die langweilig auf höchstem Niveau war, verwalteten sie das 3:0 unfassbar cool und egoistisch – Schalke durfte kaum einmal den Ball haben, geschweige denn auf eine Torchance hoffen. Zehn Punkte nach vier Rückrundenspielen mit 9:1 Toren aus einem alles andere als leichten Auftaktprogramm, nur zwölf Gegentreffer in 21 Ligapartien insgesamt, was aktuell die europäische Bestmarke ist – das sind meisterliche Werte. Der Tabellendritte ist spätestens seit Samstag ein Titelkandidat.
"I have a Dream"
Durch das Heimspiel im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern scheint sogar das Double möglich. Die Fans hatten die Schale und den Pott auf ein Plakat gemalt und "I have a Dream" darüber geschrieben - Titelträume indes sind verboten bei Borussias Profis. "Das können die Fans machen, wir müssen mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben", ordnete Abwehrchef Dante an. Für den jungen Herrmann, der gestern 21 Jahre alt wurde, war das 3:0 gegen Schalke das "perfekte Geschenk" zum Geburtstag.
Für Favre, den akribischen Fußball-Lehrer, war die erste Halbzeit gegen den völlig überforderten Gast aus dem Revier eine nahezu perfekte Umsetzung seiner Idee von "Borussia Barcelona", nachdem es zuletzt beim 0:0 in Wolfsburg und beim 2:0 in Pokal-Viertelfinale in Berlin spielerisch etwas gehakt hatte. "Wir haben super gespielt und drei fantastische Tore geschossen", lobte Favre.
Vor allem der doppelte Doppelpass, der Hankes 2:0 vorausging, war ganz hohe Fußballkunst: tick, tack, tick, tack, Tor – präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. "Das war schön anzusehen, oder? Vor dem zweiten Doppelpass habe ich einen Schuss angetäuscht, habe dann aber doch den Doppelpass mit Juan gespielt, es hat geklappt", berichtete Hanke, der ein grandioses Spiel machte gegen den Verein, bei der er groß geworden ist.
Zuvor hatte Reus sein zwölftes Saisontor mit einem Schuss aus der Drehung durch vier Schalker hindurch erzielt, danach zirkelte Arango, der laut Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof der "beste Techniker ist, den Gladbach je hatte", einen Freistoß in den Winkel. Schönheit, Präzision und Pragmatik kamen an diesem Tag auf das Beste zusammen: Denn neben einer ausgezeichneten Angriffsleistung verteidigte Gladbach auch "sehr intelligent", wie Favre anmerkte. Schalke hatte genau genommen keine Torchance – und das trotz Huntelaar, Raul, Farfan, Jurado und später Draxler.
"Es ist harte Arbeit"
Mike Hanke, der zwischenzeitlich seine Fähigkeiten als rechter Verteidiger erprobte, findet es "faszinierend, wie unsere Abwehr steht". Beides jedoch, das Verteidigen und das Angreifen, funktioniert, "weil die Automatismen da sind, die wir im Training üben", verriet Hanke. "Es sieht alles so leicht aus, ist aber harte Arbeit", sagte der Bald-Schalker Roman Neustädter.
Inzwischen klingt die These, dass er Gladbach als Meister und Pokalsieger verlassen könnte, keineswegs so absurd, wie die Verantwortlichen im Klub glauben machen. "Das könnt ihr gerne schreiben. Wir bleiben dabei, von Spiel zu Spiel zu denken, das hat sich bewährt. Wir wissen und haben gezeigt, dass wir jeden schlagen können. Es ist etwas möglich, was genau, das werden wir sehen", sagte Tony Jantschke. Auch in dieser Form der Defensive ist Borussia stark.
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