Gefrierfach Bundesliga: Die Kälte wird zum größten Gegner
zuletzt aktualisiert: 03.02.2012 - 13:16Düsseldorf (RPO). Die Kältewelle in Deutschland erreicht am Wochenende ihren Höhepunkt und stellt auch für die Bundesliga am 20. Spieltag eine große Herausforderung dar. Vor allem im Osten und Süden verwandeln sich die Stadien in Kühlhäuser.
Handschuhe, Langarmtrikots, Thermounterwäsche und Vitamine in der Kabine: Die Profis aus der Fußball-Bundesliga rüsten sich für den kältesten Spieltag der Saison. Bei Temperaturen bis zu minus 15 Grad wird der Fußball am Wochenende für Spieler und auch Zuschauer zur echten Herausforderung.
"Grenzwertige Situation"
"Das ist eine grenzwertige Situation", sagte Mannschaftsarzt Tim Meyer von der Nationalmannschaft dem Sport-Informations-Dienst (SID). Bei minus 15 Grad sei bezüglich der Verletzungsgefahr "ein leicht erhöhtes Risiko vorhanden", betonte der Sportmediziner aus dem Saarland.
Zum Auftakt des Frost-Spieltages tritt der deutsche Meister Borussia Dortmund Freitag beim 1. FC Nürnberg (20.30 Uhr/Live-Ticker) an. BVB-Mannschaftsarzt Markus Braun mahnte zur Disziplin. "Die Jungs sollten sich warm anziehen. Sie besitzen Funktionswäsche, die dafür sorgt, dass die Feuchtigkeit nach außen abgegeben wird."
Braun wollte noch nicht von einer Extremsituation sprechen, da alle Spieler seit Tagen bei niedrigen Temperaturen trainieren. "Ich werde auf jeden Fall eine lange Hose anziehen und einiges unter das Trikot", kündigte BVB-Keeper Roman Weidenfeller an. In der Kabine wartet frisches Obst auf die Spieler, damit die nötige Vitaminzufuhr geregelt ist.
Rasenheizung-Pflicht seit 2007
Nürnbergs Sportchef Martin Bader sieht dem ausverkauften Frostgipfel gelassen entgegen. "Wir hatten schon andere kalte Spiele, und wenn das Stadion voll ist, wärmen sich die Fans gegenseitig", sagte Bader der "Berliner Morgenpost". Der Boden werde durch die Rasenheizung seit Tagen bearbeitet. Jeder Klub in der Bundesliga muss seit der Saison 2007/2008 über eine Rasenheizung verfügen.
Nationalmannschafts-Arzt Meyer wies darauf hin, dass Muskulatur und Durchblutung bei der Eiseskälte nur langsam auf Touren kämen. Ein weiteres Problem: Die Spieler atmen permanent die trocken-kalte Luft ein. Das führt zur Reizung der Atemwege und kann bei anfälligen Profis schnell zu Asthma-typischen Reaktionen führen.
Im Osten der Republik sollen die gefühlten Temperaturen durch den eisigen Wind sogar bei minus 40 Grad liegen. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gab es auch am Mittwoch noch keine Anzeichen auf mögliche Spielabsagen.
Temperatur-Grenze gibt es nicht
Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) sahen wegen der Bespielbarkeit der Plätze für die 1. Liga bislang noch keinen Handlungsbedarf und entscheiden von Fall zu Fall. Platzkommissionen inspizieren die Spielfelder. Eine Temperatur-Grenze im Frostbereich, die eine Spielabsage nach sich zieht, gibt es nicht. "Die UEFA soll mal festgelegt haben, dass bei minus 15 Grad nicht gespielt wird. Ich kann mich aber an keine Absage erinnern, die sich auf diesen Beschluss beruft", sagte Meyer, der beim DFB der Komission Sportmedizin angehört.
Die Linie des DFB trifft nicht nur auf Zustimmung. Den frühen Beginn mit der Rückrunde schon Mitte Januar bezeichnete BVB-Chef Hans-Joachim Watzke als "Treppenwitz". Watzke zeigte kein Verständnis, dass auch in "ungeraden Spieljahren" ohne anschließende WM oder EM der Ligenspielbetrieb bereits Mitte Mai endet. "Außenstehenden lassen sich die Terminplanungen von FIFA und UEFA nicht mehr vermitteln", sagt Watzke.
Zur echten Gesundheitsgefährdung wird der Frost für die Fans, die sich vor allem im Olympiastadion auch im Winter gerne mit nacktem Oberkörper zeigen. "Ich gehe davon aus, dass so etwas an diesem Wochenende nicht vorkommt", sagte Herthas Mannschaftsarzt Schleicher und warnete. Hoffentlich behält er recht.
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