Borussia Mönchengladbach: Die Last mit den "Kleinen"
VON ANDRÉ SCHAHIDI UND SABINE KRICKE - zuletzt aktualisiert: 16.02.2012 - 16:54Mönchengladbach (RPO). 4, 11, 17, 18. Dies sind nicht die Lottozahlen. Sondern die aktuellen Tabellenplätze der einzigen vier Vereine, die Borussia Mönchengladbach in dieser Saison schlagen konnten. Und dabei fällt auf - zwei ihrer Pleiten kassierte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre bei den Kellerkindern der Liga in Freiburg und Augsburg.
Am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) muss Gladbach beim 1. FC Kaiserslautern antreten. Und muss in diesem Spiel daran arbeiten, dass der Zahlenfolge keine "16" angehängt werden kann - auf diesem Platz befinden sich die Pfälzer.
"Spiel aufdrücken lassen"
"Wir haben in diesen Partien nicht unser Spiel durchgezogen, sondern uns das Spiel des Gegners aufdrücken lassen. Damit kamen wir nicht zurecht. Aber das gehört zum Lern- und Reifeprozess", sagt Roman Neustädter. Natürlich ist nicht nur Lucien Favre ein Taktikfuchs. Auch die Coaches der "Kleinen" versuchen, Borussia mit ihren Mitteln zu schlagen. Und oftmals sind es solche, die Gladbach selbst anwendet: eine extrem stabile Defensive und schnelle Konter.
Mit spielstarken Teams kommt Borussia gut zurecht. Wie am Samstag gegen Schalke ersichtlich war, zementiert die Hintermannschaft die Räume vor dem eigenen Tor zu und gibt dem Gegner kaum Raum zur Entfaltung. Die Räume, die sich bieten, wenn ein Gegner selbst mitspielen will, statt nur zu Kontern, nutzt Gladbach zu überfallartigen Gegenangriffen - und wunderschönen, in mühsamer Kleinarbeit einstudierten Spielzügen.
Und genau dort liegt der Unterschied im Vergleich zu den Spielen gegen die technisch weniger begabten Teams. Diesen fehlt schlicht die Qualität, mit Borussia spielerisch mithalten zu können, weshalb sich die Mannschaften in der eigenen Hälfte einigeln und versuchen, dem Gegner, sprich Gladbach, so wenig wie möglich Spielraum zu bieten. Borussia mangelte es genau in diesen Spielen jedoch ein wenig am Vermögen, einen massiven und vor allem tief stehenden Abwehrverbund zu knacken. Ein Dilemma.
"Wir haben aus den Niederlagen in Freiburg, Hoffenheim oder Augsburg gelernt und wissen jetzt, worauf es ankommt", sagt Neustädter. "Wir müssen den Kampf annehmen und dem Gegner unser Spiel aufzwingen. Vor allem aber müssen wir Zweikämpfe gewinnen." Die direkten Duelle sind das Mittel der "Kleinen", um starken Gegnern den Schneid abzukaufen.
Dank der eigenen Qualität wird sich Gladbach so oder so Chancen erspielen. So war es auch in den Spielen, die verloren gingen - damals haperte es an der Chancenverwertung. Die Offensive muss es also richten. Doch die beiden Stammkräfte im Angriff sind angeschlagen. Marco Reus hat Probleme mit den Adduktoren und reiste gestern sogar nach München, um sich von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandeln zu lassen. Eine genaue Diagnose steht noch aus. Und Mike Hanke verpasste gestern das Training, weil er krank ist.
Das Motto ist klar: Borussia muss auch in Kaiserslautern ihr Spiel durchziehen. Bleibt nur noch die Frage mit welchem Personal.
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