Das Vermächtnis des Ex-Trainers: Die neuen Bayern – wie zu Zeiten von van Gaal
zuletzt aktualisiert: 03.08.2011 - 07:22Braunschweig (RPO). Es war schon auffällig, wie schön sich die Bayern-Stars den 3:0-Sieg in der ersten Pokalrunde bei Zweitligist Eintracht Braunschweig redeten. "Es war ein sehr souveräner Auftritt, genau, wie wir es uns vorgestellt haben", sagte Kapitän Philipp Lahm.
"Braunschweig war nicht schlecht - wir waren gut", ergänzte Thomas Müller. Und: "Natürlich sah es einfach aus - es ist immer einfacher, wenn man selber den Ball laufenlassen kann und der Gegner hinterher laufen muss", sagte auch Toni Kroos.
Dabei erinnerte das risikoarme und von Taktik geprägte Spiel der Münchner an die alten, zuletzt so ungeliebten weil erfolglosen Zeiten unter Ex-Trainer Louis van Gaal. "Gefühlte 99,5 Prozent Ballbesitz der Bayern", wie es Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht nannte, zeugt zwar von Spielkontrolle - diese fand aber zumeist in Form von unkreativen Querpässen im Mittelfeld statt. Echte Chancen spielte sich der Rekordmeister ohne seine verletzten Superstars Arjen Robben und Franck Ribery über 90 Minuten selbst gegen den Drittliga-Meister nicht heraus.
Zwei Foulelfmeter durch Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger mussten herhalten. Zudem ein zwar sehenswertes aber aufgrund des viel zu hohen Beins wohl irreguläres Tor durch Müller kurz vor Schluss. Der kontrollierte Auftritt des Weltklubs in der niedersächsischen Provinz reichte zwar für den souveränen Einzug in die zweite Hauptrunde. Auf ein meisterliches Kombinationsspiel, einstudierte Angriffe oder schnelle Offensiv-Aktionen über die Außen warteten die 23.645 Zuschauer im ausverkauften Eintracht-Stadion aber vergeblich.
41 Millionen Euro für die Defensive
"Wir hatten vorige Saison 40 Gegentore bekommen, daher war es zunächst mal wichtig für uns, gut zu stehen", sagte Kapitän Philipp Lahm. Offensiven Hurra-Fußball darf man also auch unter Jupp Heynckes nicht erwarten. Dafür sprach vor dem ersten Pflichtspiel bereits die Tatsache, dass der Klub diesen Sommer für Torhüter Manuel Neuer und die Verteidiger Jerome Boateng sowie Rafinha alleine rund 41 Millionen Euro in seine Defensive investiert hatte - so viel wie nie zuvor.
Unterm Strich schaukelten die Bayern den Sieg "clever" (Neuer) und "ohne unnötiges Risiko" (Kroos) nach Hause. "Man muss das Spiel kontrollieren und nicht immer Vollgas geben", brachte Verteidiger Holger Badstuber die Schongang-Partie des 15-maligen Pokalsiegers auf den Punkt. "Wir waren gewarnt aufgrund der Ereignisse der vergangenen Tage. Es war ein absolut verdienter Sieg, aber in der Bundesliga werden die Gegner von der Qualität her sicher noch stärker", sagte Gomez.
Schwer vorstellbar, dass die Bayern dann mit einer derart uninspirierten Spielweise wie gegen Braunschweig nach einem titellosen Jahr im kommenden Mai wieder feiern dürfen, auch wenn die Ziele wie immer die gleichen sind an der Säbener Straße: "Ich gehe davon aus, dass wir Meister werden", sagte Lahm. Zumindest das "Mir-san-mir-Gefühl" ist ihnen vor dem Auftakt in die 49. Bundesliga-Saison am kommenden Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach noch nicht abhandengekommen.
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