1. Bundesliga 14/15 Bundesliga
| 12.17 Uhr
Bundesliga-Wintercheck (Teil 1)
Die Vierklassen-Gesellschaft
Das ist Jupp Heynckes
Das ist Jupp Heynckes FOTO: AP
Düsseldorf. Nicht nur Geld schießt Tore, auch die gute Grundlagenarbeit in Freiburg und Mainz zahlt sich aus. Von Robert Peters

Die Bundesliga nähert sich einer neuen Bestmarke. Über viele Jahre bildete sie eine Gesellschaft mit drei Klassen – den Titeljägern, den Europa-Cup-Aspiranten und den Abstiegskandidaten. Das war schon allerhand. Aber jetzt wird's noch drastischer. Die Bundesliga im Winter 2012/13 übertrifft sich selbst. Sie ist zur Vierklassen-Gesellschaft geworden.

Über allen schweben diesmal wieder die Bayern. Der finanzstärkste Klub der Ersten Liga, der rund 350 Millionen Euro im Jahr umsetzt, hat erneut kräftig in Beine investiert. Und er steht auch dank des teuersten defensiven Mittelfeldspielers der Liga ganz oben. 40 Millionen Euro Ablösesumme kostete Javi Martinez. Und obwohl er längst noch nicht in Bestform ist, sind seine Leistungen ein Grund für den Höhenflug des Rekordmeisters. "Die Bayern spielen ihr eigenes Ding", sagt der Dortmunder Meistertrainer Jürgen Klopp.

Trotzdem gehört der BVB ebenso wie die Bayern und Bayer Leverkusen zur ersten Klasse in dieser Liga. Die drei segeln auf sicherem Champions-League-Kurs. Sie stellen die spielerisch besten Mannschaften. Und sie behaupten ihre Stellung natürlich auch durch die wirtschaftliche Kraft. Dass Geld Tore schießt, gilt als Binsenweisheit im Geschäft.

Das wissen auch die Schalker, die seit Jahren entsprechend handeln (können). Lange Zeit hatte es den Anschein, als seien die Königsblauen ebenfalls ein sicherer Kandidat für die erste Klasse. Sie haben sich allerdings durch Formschwäche, lästige Vertragsgespräche und allerlei interne Unstimmigkeiten inklusive einer späten Trainerentlassung bildschön abhängen lassen.

Dennoch sind sie in der zweiten Klasse das Team mit den größten Ambitionen auf den Champions-League-Qualifikationsplatz vier. Sie haben allerdings Konkurrenz. Eintracht Frankfurt ist alles andere als ein scheuer Aufsteiger, der nur mal vorbeischaut, um ein bisschen bei den Großen mitzukicken. Durch kluge Transferpolitik ist die vor zwei Jahren eher zufällig abgestiegene Eintracht ein Schwergewicht geworden. Ähnlich wie Borussia Mönchengladbach in der Saison 2011/12 könnte die Eintracht das Rennen aus der Spitzengruppe heraus gestalten und am Ende auf jeden Fall in den europäischen Rängen stehen. Um die kämpfen sehr überraschend auch die Mannschaften des SC Freiburg und von Mainz 05. Sie zeigen, dass nicht nur Geld Tore schießt, sondern auch gut strukturierte Trainerarbeit und ein vernünftiges Vereinskonzept. Zur zweiten Klasse, die sich im Mittelfeld Hoffnungen auf Europa machen darf, gehören ebenfalls Mönchengladbach, Stuttgart und der Hamburger SV – mit Abstrichen Hannover. Das ist wiederum nicht überraschend.

Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Nürnberg und der VfL Wolfsburg bewegen sich in der dritten Klasse, in einigermaßen gesicherten Gefilden – allenfalls Bremen darf ein wenig nach oben schielen. Düsseldorf unterstreicht, dass auch mit geringen Mitteln ein durchaus konkurrenzfähiges Team aufgebaut werden kann. Nürnberg arbeitet geradezu stockseriös, was früher auch schon mal ganz anders war. Bremen befindet sich in einem Umbruch. Und Wolfsburg ist mit seiner üppig gefüllten Kasse die große Enttäuschung. Zurzeit wird hart daran gearbeitet, die Nachwirkungen des ebenso überlebten wie rabiaten Regimes von Felix Magath zu verkraften.

In der vierten Klasse sitzen die Hoffenheimer (fast schon sensationell), die sich selbst eher im Bereich der erweiterten Champions League sehen. Sie müssen nun auf Existenzkampf umschalten. Es geht nur noch um den Fortbestand des Hoffenheimer Modells, in dem ein Dorfklub zur Fußballgröße aufgebaut werden soll. Noch schlechter als Hoffenheim sind Augsburg und Greuther Fürth. Sie belegen mit ihrer Platzierung, dass guter Wille, viel Einsatz und intensive Trainingsarbeit nicht ausreichen müssen, wenn die fußballerische Qualität fehlt. Ein derart abgeschlagenes Duo am Tabellenende hat die Bundesliga noch nicht gesehen. Auch ein Rekord.

Quelle: RP/can
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