Muslimen-Proteste: Die wichtigsten Fragen zur Schalke-Hymne
zuletzt aktualisiert: 04.08.2009 - 14:34Düsseldorf (RPO). Der Bundesligist FC Schalke 04 ist wegen seines Vereinslieds "Blau und weiß, wie lieb ich dich" in den Fokus von Muslimen geraten. Doch warum kommt es 85 Jahre, nachdem das Lied zum ersten Mal gesungen wurde, zu solch einer Protest-Welle?
Der Hintergrund:
Dass die Fußballfans oft und gerne den Fußballgott besingen, ist kein Geheimnis. Auch, dass auf scheinbar unsinnige Dinge, die nichts mit Fußball zu tun haben, ein Reim gemacht wird. So war es wohl auch, als Hans J. König das Lied geschrieben hat: Er nutzte den Propheten Mohammed für seinen umstrittenen Reim.
Die 3. Strophe:
"Mohammed war ein Prophet
Der vom Fußballspielen nichts versteht
Doch aus all der schönen Farbenpracht
Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht"
Wann wurde das Lied geschrieben?
Im Jahre 1924 veröffentlichte Hans J. König sein Lied "Blau und weiß, wie lieb ich dich" mit der vermeintlichen Mohammed-Verhöhnung. Auch 1963, als das Lied erneuert wurde, blieb die Zeile erhalten, und die Fans sangen das Lied voller Inbrunst.
Die Hymne:
Blau und Weiß, wie lieb ich Dich
Blau und Weiß, verlaß mich nicht
Blau und Weiß ist ja der Himmel nur Blau und Weiß ist unsere Fußballgarnitur
Hätten wir ein Königreich
Machten wir es den Schalkern gleich
Alle Mädchen, die so jung und schön
Müßten alle in Blau und Weiß spazieren gehn
Mohammed war ein Prophet
Der vom Fußballspielen nichts versteht
Doch aus all der schönen Farbenpracht
Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht
Tausend Feuer in der Nacht, haben uns das große Glück gebracht. Tausend Freunde, die zusammenstehn dann wird der FC Schalke niemals untergehn.
Wo wird das Lied gesungen?
Das Lied ist nicht die offizielle Hymne, die immer gesungen wird, wenn die Spieler den Rasen betreten. Es ist mehr eine Kult-Hymne, die in der Fankurve und auch mit Vorliebe in Kneipen gesungen wird.
Wann flammten die Diskussionen auf?
Erst vor kurzem, am 2. August, trafen so viele Protest-Mails von erzürnten Muslimen bei Schalke 04 ein, dass es publik gemacht wurde. In den Mails drohten die Muslime dem Verein damit, dem Stadion fernzubleiben, wenn die Zeile nicht verändert werde. Einige Protestschreiben gingen darüber hinaus: "Ihr verdammten Hurensöhne werdet euer Lied sofort ändern! Was hat unser Prophet mit eurem ungläubigen Lied zu tun? Löscht diesen Teil, oder ihr müsst die Konsequenzen tragen!", wurde eine Mail in der "Süddeutschen" zitiert.
Was löste die Proteste aus?
Türkische Zeitungen wollten in der Zeile "Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht" eine Verhöhnung erkannt haben.
Was macht der FC Schalke 04 jetzt?
Der Revierklub nimmt die Vorwürfe ernst und hat sogar einen Islamwissenschaftler beauftragt, der die Strophe analysiert. Wenn sich wirklich eine Verhöhnung herausstellt, zieht der Traditionsklub eine Änderung der Strophe in Betracht, eine Streichung käme jedoch nicht in Frage, sagte der Vorsitzende des Schalker Ehrenrats Hans-Joachim Dohm. Für den Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland wäre es schon genug, wenn "eine Aufklärung über den Hintergrund des Liedes" veröffentlicht werde.
Wie reagieren die Behörden?
Der Staatsschutz ermittelt. Es gebe bisher aber "keine konkreten Drohungen" gegen Angehörige des Fußballvereins, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Gelsenkirchen. Man habe jedoch ein "waches Auge" auf den Fall. Der Staatsschutz prüfe derzeit die Protestbriefe an den Fußballclub.
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.
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