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Jens Lehmann Abschied Panorama dapd 2010
  Foto: dapd, APN
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Auf Wiedersehen, Bundesliga!: Diese Stars gehen uns verloren

VON BENJAMIN TONN - zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 - 18:12

Düsseldorf (RPO). Auch wenn es das Schmuddelwetter in Deutschland nicht vermuten lässt: Es ist Sommerpause. Wegen der WM in Südafrika und der dadurch längeren Unterbrechung rollt erst Mitte August in der Bundesliga wieder der Ball. Ob aus Alters-, Geldgründen oder aufgrund abhanden gekommener Chemie mit Team und Trainer: Einige Profis werden wir in der neuen Saison vermissen.

Die Rentner

Gleich zwei Protagonisten des WM-Sommermärchens von 2006 kehren der deutschen Beletage den Rücken. Mit stolzen 40 Lenzen verabschiedet sich in Torwart Jens Lehmann vom VfB Stuttgart eines der letzten Originale der Bundesliga in die wohlverdiente Fußballer-Rente.

Neben fliegenden Fußballschuhen, Zwists mit Balljungen, Brillendiebstählen und vermeintlichen Pinkelpausen hinter der Bande wird Lehmann vor allem durch den berühmten Spickzettel im Stutzen aus dem Viertelfinale gegen Argentinien in Erinnerung bleiben. Obwohl Bundestrainer Joachim Löw das Comeback-Angebot des 61-fachen Nationalspielers für die WM in Südafrika ausschlug, müssen die Fernsehzuschauer nicht auf den Uefa-Cup-Sieger von 1997 verzichten. Bei Bezahlsender "Sky" wird Lehmann mehrere WM-Spiele als Experte analysieren.

Bei Borussia Mönchengladbach wurde Stürmer Oliver Neuville sukzessive aufs Altenteil geschoben. In der abgelaufenen Saison kam der 37-Jährige über Kurzeinsätze nicht hinaus, Tore Fehlanzeige. Als Spieler hatte der gebürtige Schweizer am Niederrhein keine Zukunft mehr. Doch die rührende Verabschiedung beim letzten Saisonspiel gegen Leverkusen überzeugte Neuville doch zum Verbleib. Anstatt ein oder zwei Ligen tiefer eine neue Herausforderung zu suchen, übernimmt der "goldene" Torschütze des WM-Vorrundenspiels gegen Polen voraussichtlich einen Posten in der Borussia-Nachwuchsabteilung.

Die Großverdiener

Dem Lockruf des Geldes folgen Jung-Nationalspieler Jerome Boateng vom Hamburger SV und der königsblaue Toptorjäger Kevin Kuranyi. Während der 21 Jahre alte Boateng beim "Scheich-Klub" und Europa-League-Starter Manchester City neben einer prall gefüllten Geldbörse auch eine sportliche Perspektive besitzt, dümpelt der zukünftige Verein des Noch-Schalkers, Dynamo Moskau, im grauen Mittelmaß der russischen Premier Liga herum. Bis 2013 soll Kuranyi immerhin 18 Millionen Euro netto kassieren. 

A propos Russland, dorthin kehrt auch Linksverteidiger Malik Fathi vom FSV Mainz 05 zurück. Der zweifache deutsche Nationalspieler war im Februar von Spartak Moskau ausgeliehen worden.

Fast in Vergessenheit geraten sind auch die acht A-Länderspiele von Mittelfeldspieler Roberto Hilbert. Obwohl er den Wohlfühlfaktor in Stuttgart betont, konnte sich der 25-Jährige nicht auf ein neues, für ihn angemessenes, Arbeitspapier bei den Schwaben einigen. Nun soll ein Wechsel zu Besiktas Istanbul in die Türkei kurz bevorstehen.

Die Unzufriedenen

Wohlfühlfaktor und Stuttgart? Das war vielleicht früher einmal bei Alexander Hleb. Nachdem das Verhältnis zu Ex-Trainer Markus Babbel schon nicht das beste war, überwarf sich der 29 Jahre alte Weißrusse, der von 2000 bis 2005 bereits das VfB-Trikot trug und als Sprungbrett für Engagements beim FC Arsenal und dem FC Barcelona nutzte, mit dem Schweizer Christian Gross völlig. Leihgabe Hleb will nur noch weg und in Stuttgart nimmt es ihm wohl keiner übel. Der Weg führt zunächst zurück nach Barcelona, von dort er wohl zum nächsten Klub weitergereicht wird.

Auch Maniche fühlt sich in Köln und beim "ÄffZeh" nicht wohl. Ob durch "Stinkefinger-Affäre" oder mehrfach auffallend rohen Spiels: Die Fußball-Diva war um keinen Skandal verlegen. Trotz eines noch gültigen Vertrags zieht es den 52-maligen Nationalspieler samt Familie wohl in die portugiesische Heimat zu Sporting Lissabon. Auch weg: der Kameruner Pierre Wome. Die Geißböcke dürften es verschmerzen.

Die Wankelmütigen

Dann gibt es noch die Kicker des Typs "wankelmutig". Gestern wollten sie noch in keinem Fall bleiben, heute am besten einen langfristigen Vertrag unterschreiben und morgen vielleicht die Karriere beenden. Der HSV hat gleich zwei solcher Kaliber in seinen Reihen. Nachdem der Weggang von Paolo Guerrero schon fast beschlossene Sache war, versperrten ihm ein Kreuzbandriss, Flugangst und der Flaschenwurf an den Kopf eines Fans den Weg zu einem europäischen Spitzenverein. Nun stehen die Zeichen eher auf Bleiben. Doch wie lange?

Ähnlich verhält es sich bei Routinier Ze Roberto. Schien der von Ex-HSV-Sportchef eingefädelte Wechsel zu Red Bull New York hinter vorgehaltener Hand bereits beschlossene Sache zu sein, kann sich der auf dem Platz zuletzt äußerst lustlose Brasilianer plötzlich wieder mit einem Verbleib in Hamburg anfreunden. Ob der gefeuerte Coach Bruno Labbadia etwas damit zu tun hat?

Der Prototyp aller Wankelmütigen ist und bleibt Rafinha. Es gibt kaum einen Verein, bei dem sich der quirlige Rechtsverteidiger zum Ärger des FC Schalke 04 noch nicht ins Gespräch gebracht hat. Doch nun verfahren die Knappen nach dem Motto "Reisende soll man nicht aufhalten". Ist ein Verkauf des bis 2011 unter Vertrag stehenden Brasilianers doch noch einmal eine Möglichkeit, mächtig Asche zu machen. Im Japaner Atsuto Uchida soll bereits adäquater Ersatz im Anmarsch sein.

Die Heimkehrer

Dass Talent zum Durchbruch in der Bundesliga nicht ausreicht, musste Hoffenheims Maicosuel leidvoll erfahren. Trotz guter Ansätze kehrt der 4,5-Millionen-Einkauf in seine brasilianische Heimat zurück. Vielleicht mit im Flieger sitzen wird Dortmunds Tinga, der nach seinem Stammplatz nun auch seinen Kaderplatz beim BVB verlor. Der 35-malige Schweizer Nationalspieler Daniel Gygax verlässt den 1. FC Nürnberg zum FC Luzern. Hannover 96 verliert seinen tschechischen Internationalen Jiri Stajner zu Slovan Liberec, auch der Niederländer Arnold Bruggink geht. 

Die Fragezeichen

Die bevorstehende WM in Südafrika wird weiter Bewegung ins Wechselkarussell bringen. Die 736 Gesandten liegen in 64 Partien quasi auf den Präsentiertellern der Scouts. Was passiert, wenn ein Mesut Özil ein überragendes Turnier spielen sollte und immense Summen geboten werden sollten? Kann Werder Bremen den 21-Jährigen dann noch halten und wollen sie es überhaupt?

Was ist mit Franck Ribery oder einem Bastian Schweinsteiger, der bei Bayern München zuletzt auf der Sechserposition überragte? "Ich glaube, dass ich noch Qualität nach oben habe", sagte der 25-Jährige der "Bild" und fügte an, "man weiß nie, was nach einer WM passiert". Vielleicht wird es trotz des Schmuddelwetters doch noch ein heißer Sommer...


 
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