Gladbach - Hamburg 2:2: Dominguez rettet schwache Borussia
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 26.09.2012 - 21:52Mönchengladbach (RPO). Alvaro Dominguez hat Borussia Mönchengladbach in letzter Sekunde vor der zweiten Heimpleite in Serie bewahrt. Der spanische Zugang köpfte in der Nachspielzeit nach einem Freistoß von Juan Arango zum 2:2-Endstand (1:2) ins Tor.
Ausgerechnet Alvaro Dominguez! Die Videoleinwand im Gladbacher Borussia-Park hatte schon längst angezeigt, dass die 90 Minuten abgelaufen waren. Doch dann fand ein Freistoß von Juan Arango den Kopf des spanischen Verteidigers, der ein ganz schlechtes Spiel abgeliefert hatte. In dieser Situation jedoch stand er goldrichtig und köpfte den Ball ins lange Eck des Hamburger Tores – 2:2. Es war der späte, extrem glückliche Ausgleich in einem ganz schwachen Spiel der Borussia.
Van der Vaart verschießt Elfmeter
Während sich der Spanier als Torschütze feiern ließ, saß der Spieler, der eigentlich der Held des Abends hätte werden sollen, längst auf der Bank. Es war die 55. Minute, als Rafael van der Vaart bei 2:1-Führung einen Elfmeter verschoss und so die Borussia unfreiwillig im Spiel hielt. Zuvor hatte der Niederländer ein Traumtor erzielt. Es war die 23. Minute, als der Mittelfeldakteur den Ball am Strafraum-Eck mit einer wunderbaren Flugkurve ins lange Eck hämmerte.
Während der Treffer von van der Vaart in jedem Jahresrückblick auftauchen dürfte, spielte der tragische Held des Abends für die Heimmannschaft. Jedoch nur für 55 Minuten. Dann sah Martin Stranzl beim Stande von 1:2 die Rote Karte. Tony Jantschke hatte einen Fehlpass produziert, Stranzl musste retten – und attackierte Ivo Ilicevic im Strafraum. Schiedsrichter Deniz Aytekin deutete sofort auf den Punkt und zeigte dem Österreicher obendrein die Rote Karte. Eine viel zu harte Entscheidung, jedoch sinnbildlich für diesen über weite Strecken verkorksten Abend im Borussia-Park. Dabei hatte ausgerechnet Stranzl das bis dahin einzige Tor für die Gladbacher erzielt – per Kopfball nach einer Ecke.
Statistik
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke (77. De Camargo), Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann (61. Hrgota), Arango - Hanke, de Jong (58. Cigerci). - Trainer: Favre
Hamburg: Adler - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen - Badelj, Arslan - Son, Ilicevic (90.+2 Beister) - van der Vaart (90. Sala), Rudnevs (77. Berg). - Trainer: Fink
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
Tore: 0:1 van der Vaart (23.), 1:1 Stranzl (39.), 1:2 Rudnevs (45.), 2:2 Dominguez (90.+1)
Zuschauer: 46.233
Beste Spieler: Hanke - Badelj, van der Vaart
Rote Karte: Stranzl (53. Notbremse)
Gelbe Karten: Xhaka (4), Dominguez - Arslan
Besonderes Vorkommnis: van der Vaart schießt Foulelfmeter an den Pfosten (55.)
Torschüsse: 8:18
Ecken: 4:5
Ballbesitz: 44:56 Prozent
Standards retten Gladbach
So waren es zwei Standards, die Borussia vor der Niederlage retteten. Denn im Spiel nach vorne klappte nicht viel. Trainer Lucien Favre hatte auf Mike Hanke als Nebenmann für den oft so glücklosen Luuk de Jong gesetzt. Der Blondschopf hatte zuletzt am ersten Spieltag gegen Hoffenheim in der Startformation gestanden. Favres Variante verpuffte. Spielerisch fand bei Borussia überhaupt nichts zusammen. Die Pässe von Arango erreichten selten die eigenen Mitspieler, de Jong und Hanke mussten sich sehr weit zurückfallen lassen, um überhaupt an die Bälle zu kommen – und verschenkten damit jegliche Gefahr vor dem HSV-Tor.
Und die Abwehr? Das Kombinieren wurde den Hamburgern leicht gemacht. Von der kompakten Defensivarbeit, die Borussia in der vergangenen Saison noch so ausgezeichnet hatte, war nichts zu sehen. Gladbachs Innenverteidigung war allenfalls bedingt abwehrbereit. Vor allem der spätere Ausgleichsschütze Dominguez produzierte drei kapitale Fehler. Im defensiven Mittelfeld verloren Granit Xhaka und Havard Nordtveit einen Ball nach dem anderen, die Gladbacher wirkten streckenweise völlig abwesend. So auch beim 1:2 kurz vor dem Halbzeitpfiff, als Milan Badelj den Ball unbedrängt in den Strafraum flanken konnte – und sich dort niemand für Atjoms Rudnevs zuständig fühlte.
Weil nach dem Platzverweis im Gladbacher Offensivspiel rein gar nichts mehr glückte, war klar, dass eine Standardsituation die Rettung bringen musste. So war es auch – Borussia entführte am Ende einen glücklichen Punkt. Doch die Leistung der Mannschaft dürfte Trainer Lucien Favre mit einigen zusätzlichen Sorgenfalten zurückgelassen haben.










